© LAV5. Ministerratssitzung 3.1.1947
5. Ministerratssitzung am Freitag, den 3.1.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Junglas
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Süsterhenn
- Präsidialdirektor Dr. Rick. Es fehlten die Minister Feller, Dr. Haberer, Stübinger3
- A. Stellung der Pfalz
- B. Ernennungen
- C. Dienstnoten der Militärregierung
- D. Verschiedenes (Vertraulichkeit der Kabinettssitzungen; Landesverordnung über die Wiederherstellung der gerichtlichen Zuständigkeit zur Entscheidung über den Stillstand der Rechtspflege)
A. Stellung der Pfalz4
Der Herr Ministerpräsident wünschte den Herren Glück und Erfolg für die gemeinsame Arbeit im neuen Jahr und gab Kenntnis von dem Schreiben, das Oberregierungspräsident Dr. Eichenlaub5 unter dem 24.12.1946 je Geschäftsordnung wurden den Kabinettsmitgliedern überreicht. Es wurde mitgeteilt, daß um 10.00 Uhr eine Sitzung der Gemischten Kommission stattgefunden [habe], an der allerdings die Herren aus der Pfalz nicht teilgenommen hätten. Die Beschlüsse der Gemischten Kommission wurden bekanntgegeben und fanden die einmütige Zustimmung des Kabinetts.6 Mit Rücksicht auf die nicht anwesenden Mitglieder aus der Pfalz wurde aber von förmlichen Beschlüssen abgesehen und eine erneute Besprechung der Angelegenheit in der am 7.1.1947 um 10.00 Uhr stattfindenden Ministerratssitzung in Aussicht genommen.7
6. Ministerratssitzung 7.1.1947
6. Ministerratssitzung am Dienstag, den 7.1.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Junglas
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- Präsidialdirektor Dr. Rick
- A. Pfalzfrage
A. Pfalzfrage
Nach eingehender Erörterung der Pfalzfrage3 wurde einstimmig beschlossen:
„Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz betrachtet es als ihre oberste Pflicht, die auch von der Militärregierung gewünschte rechtliche und verwaltungsmäßige Einheit des neuen Landes zu begründen und mit allen Mitteln zu wahren. Der vom Oberregierungspräsidenten Dr. Eichenlaub gemachte Vorschlag einer Geschäftsordnung für die Arbeit der Provinzialregierung der Pfalz4 bis zum Inkrafttreten der Landesverfassung wird von der Landesregierung einmütig abgelehnt, da er einen Versuch darstellt, die Einheit des neuen Landes zu zerreißen. Darüber hinaus hat die Landesregierung mit schärfster Mißbilligung davon Kenntnis genommen, daß das Oberregierungspräsidium Neustadt die Arbeit der Landesregierung sabotiert und insbesondere den pfälzischen Ministern bewußt Schwierigkeiten hinsichtlich der Durchführung ihrer Arbeit in den Weg legt. Die Landesregierung wird gegen diese Machenschaften mit den schärfsten Maßnahmen vorgehen, die verantwortlichen Beamten abberufen und sie darüber hinaus disziplinarisch zur Rechenschaft ziehen. Der Minister Dr. Haberer wird ermächtigt, als Beauftragter des Ministerpräsidenten in Neustadt alle Maßnahmen zu ergreifen, die zur Durchführung der Anordnungen der Landesregierung erforderlich sind, insbesondere die notwendigen personellen Veränderungen zu veranlassen.”5 Der Herr Innenminister Steffan wurde beauftragt, als Vertreter der Landesregierung an der Gerichtsverhandlung gegen Tillessen am 8.1.1947 in Rastatt6 teilzunehmen.
7. Ministerratssitzung 8.1.1947
7. Ministerratssitzung am Mittwoch, den 8.1.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- Präsidialdirektor Dr. Rick
Es fehlten die Minister Junglas und Steffan.
- A. Pfalzfrage
- B. Wiederaufbau des Katholischen Lesevereins
A. Pfalzfrage
Der Herr Ministerpräsident berichtete eingehend über die Besprechung, die am 7. Januar 1947 um 18.15 Uhr bei dem Herrn Generalgouverneur stattgefunden hat und an der außer ihm noch die Herren Minister Dr. Haberer und Oberregierungspräsident Dr. Eichenlaub teilgenommen haben.3 Nach einer Aussprache hierüber wurde beschlossen, den letzten Absatz in dem Beschluß des gestrigen Ministerrates zu ändern, so daß der Beschluß nunmehr nachstehenden Wortlaut hat:
„Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz betrachtet es als ihre oberste Pflicht, die auch von der Militärregierung gewünschte rechtliche und verwaltungsmäßige Einheit des neuen Landes zu begründen und mit allen Mitteln zu wahren. Der vom Oberregierungspräsidenten Dr. Eichenlaub gemachte Vorschlag einer Geschäftsordnung für die Arbeit der Provinzialregierung der Pfalz4 bis zum Inkrafttreten der Landesverfassung wird von der Landesregierung einmütig abgelehnt, da er einen Versuch darstellt, die Einheit des neuen Landes zu zerreißen. Darüber hinaus hat die Landesregierung mit schärfster Mißbilligung davon Kenntnis genommen, daß das Oberregierungspräsidium Neustadt die Arbeit der Landesregierung sabotiert und insbesondere den pfälzischen Ministern bewußt Schwierigkeiten hinsichtlich der Durchführung ihrer Arbeit in den Weg legt. Die Landesregierung wird gegen diese Machenschaften mit den schärfsten Maßnahmen vorgehen, die verantwortlichen Beamten abberufen und sie darüber hinaus disziplinarisch zur Rechenschaft ziehen. Der Minister Dr. Haberer wird ermächtigt, als Beauftragter des Ministerrates in Neustadt alle Maßnahmen zu ergreifen, die zur Durchführung der Anordnungen der Landesregierung erforderlich sind.”5
Weiter wurde beschlossen, daß die Landesregierung am Montag, den 13. Januar 1947 nach Neustadt fährt, um mit der Provinzialregierung zu verhandeln.6 Präsidialdirektor Dr. Rick und Dr. Happ sollen schon vorher nach Neustadt fahren, um die Verhandlungen vorzubereiten.
B. Wiederaufbau des Katholischen Lesevereins
Der Herr Ministerpräsident legte den Plan für den Wiederaufbau des Katholischen Lesevereins vor, wodurch die Möglichkeit geschaffen werden soll, der Landesversammlung eine bessere Unterbringung zu bieten.7 Zu der Angelegenheit soll der Leiter des Wiederaufbauamtes, Herr Mansfeld,8 noch gehört werden.9
8. Ministerratssitzung 10.1.1947
8. Ministerratssitzung am Freitag, den 10.1.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Präsidialdirektor Dr. Rick
Es fehlten die Minister Junglas, Dr. Lotz, Dr. Süsterhenn.
- A. Presseberichterstattung zur Pfalzfrage
- B. Landesverordnung über Lohnausfallunterstützung
A. Presseberichterstattung zur Pfalzfrage3
Minister Dr. Haberer gab Kenntnis von zwei Veröffentlichungen in der rheinpfälzischen Zeitung4 und dem Mainzer Anzeiger5 und legte den Entwurf einer amtlichen Erwiderung vor. Nach längerer Beratung wurde der endgültige Text der amtlichen Verlautbarung festgelegt und es wurde beschlossen, den Herrn Gouverneur zu bitten, die Ver-öffentlichung in Neustadt anzuordnen (siehe Anlagen).6
B. Landesverordnung über Lohnausfallunterstützung
Anliegende Landesverordnung wurde eingehend beraten und ihre Annahme einstimmig beschlossen.7
9. Ministerratssitzung 13.1.1947
9. Ministerratssitzung am Montag, den 13.1.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- Präsidialdirektor Dr. Rick
Es fehlte Minister Junglas.3
- A. Beschlüsse zur Verwaltung der Pfalz
A. Beschlüsse zur Verwaltung der Pfalz4
Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt:
- Es wird davon Abstand genommen, dem Oberregierungspräsidenten Dr. Eichenlaub schon jetzt den Titel „Oberpräsident” zuzulegen, um für die künftige Gestaltung der pfälzischen Verwaltung durch die Verfassung kein Präjudiz zu schaffen.
- Der Ministerrat ist nach den Erklärungen des Oberregierungspräsidenten Dr. Eichenlaub einstimmig der Überzeugung, daß die künftige loyale Verwaltungstätigkeit des Oberregierungspräsidenten gewährleistet ist. Er ist auch überzeugt, daß er die ihm unterstellten Beamten und Angestellten zu gleicher loyaler Zusammenarbeit anhalten wird.5 Er nimmt daher Abstand von der Durchführung des letzten Absatzes des Kabinettsbeschlusses vom 7.1.1947 in der Erwartung, daß zwischen Dr. Eichenlaub und den pfälzischen Ministern, insbesondere Herrn Dr. Haberer, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Interesse des Landes und der Pfalz stattfindet.6
- Der anliegenden Geschäftsordnung wird zugestimmt.7
10. Ministerratssitzung 17.1.1947
10. Ministerratssitzung am Freitag, den 17.1.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Junglas
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- Präsidialdirektor Dr. Rick
- Präsidialdirektor Gräfe
- A. Unterbringung der Landesversammlung
- B. Ansprache an die Beamten und Angestellten der Landesregierung
- C. Kritische Presseberichterstattung
- D. Schwerarbeiterzulagen und Reisemarken
- E. Gehaltsbezüge der Minister, Ministerialdirektoren und -dirigenten
- F. Bezeichnung der Minister
- G. Reise nach Rastatt
- H. Bezeichung und Abgrenzung der Ministerien
- I. Vorgänge im Hause Bethesda
- J. Freiwerdende Beamtenwohnungen
- K. Verhandlungen mit dem Zentralausschuß für Ernährung in Baden-Baden
- L. Stand der Treibstoffzuteilung
- M. Universität Mainz: Fall Boudriot
A. Unterbringung der Landesversammlung
In Anwesenheit von Präsidialdirektor Gräfe3 wurde ein von dem staatlichen Wiederaufbauamt ausgearbeitetes Projekt für die Unterbringung der Landesversammlung besprochen, das der Leiter des Wiederaufbauamtes, Herr Architekt Mansfeld, an Hand der Zeichnungen eingehend erörterte4. Der Bau soll zwischen dem früheren Oberpräsidium5 und den Stallungen des alten Schlosses unter Benutzung des vorhandenen Mauerwerkes errichtet werden. Der Plan sieht auch Räume für die Büros des Landtages, Küchenvorrichtungen und Speisesäle vor. Das Projekt kann in drei Bauabschnitte eingeteilt werden. Es wurde kein endgültiger Beschluß gefaßt; die Angelegenheit soll zunächst mit der Militärregierung besprochen werden6.
11. Ministerratssitzung 27.1.1947
11. Ministerratssitzung am Montag, den 27.1.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Junglas
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- A. Unterredung mit der Militärregierung
- B. Vertretung der Minister
- 1. Abgrenzung einzelner Ministerien
- C. Verwaltung der Pfalz und Verfassungsfrage
- 2. Stellungnahme zur Ernährungslage
- 3. Stellungnahme zur Verfügung Nr. 194 über Errichtung einer höheren Verwaltungsakademie in Speyer
- 4. Festsetzung der Dienstbezüge der Minister, Ministerialdirektoren und Ministerialdirigenten
- 5. Erlass von Landesverordnungen
- 6. Errichtung eines Gebäudes für die Landesversammlung von Rheinland-Pfalz
A. Unterredung mit der Militärregierung
Der Ministerpräsident berichtete zunächst über seine Unterredung vom 25.1. mit dem Generalgouverneur Hettier de Boislambert und dem Generaladministrator Laffon;3 insbesondere erwähnt er die Rechtsanordnungen, die von dem Generaladministrateur gewünscht werden und die sich in der Hauptsache auf juristisches Gebiet beziehen.4 Die Militärregierung drängt darauf, daß die Bereinigung in positive Gesetzesform gebracht werde. Insbesondere soll die Durchsiebung der Leute, die sich heute noch in den deutschen Gefangenenlagern befinden, beschleunigt werden.5
12. Ministerratssitzung 31.1.1947
12. Ministerratssitzung am Freitag, den 31.1.1947 1
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Junglas
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- Ministerialdirektor Dr. Rick
- Ministerialdirektor Dr. Becker 2
- unbekannt LG-Direktor Rotberg
- A. Geschäftsordnung für die Verwaltung der Pfalz
- 1. Beschlußfassung über ein Gesetz zur Sicherung der Ernährung
- 2. Stellungnahme zu der Einsetzung von Treuhändern in den Fällen der Anordnung 52
- 3. Stellungnahme zur Verfügung Nr. 194 über Errichtung einer höheren Verwaltungsakademie
- 4. Bericht über die Universität Mainz
- 5. Beamtenfragen
- 6. Erlaß von Landesverordnungen
A. Geschäftsordnung für die Verwaltung der Pfalz 3
1. Beschlußfassung über ein Gesetz zur Sicherung der Ernährung 5
Zu Beginn der Sitzung wurde dem Ministerrat Kenntnis gegeben von der Entscheidung des Herrn Gouverneurs hinsichtlich der vorläufigen Geschäftsordnung für die Verwaltung der Pfalz. 4 Alsdann wurden die einzelnen Punkte der Tagesordnung besprochen:
Minister Dr. Süsterhenn legte aufgrund der Besprechungen der letzten Ministerratssitzung den anliegenden Entwurf einer Landesverordnung zum Schutz der Volksernährung vor, die sich nicht auf strafrechtlicher, sondern ernährungspolitischer Grundlage aufbaut. 6 Landgerichtsdirektor Dr. Rotberg 7 gab in einem längeren Referat Erläuterungen zu dieser Verordnung, die als eine Zusammenstellung aller Vorschriften, die bisher auf diesem Gebiete herausgegeben wurden, angesehen werden kann. Diese Verordnung enthält insbesondere Strafbestimmungen für diejenigen landwirtschaftlichen Betriebe, die bewußt die getroffenen Maßnahmen sabotieren und damit eine ausreichende Ernährung der Bevölkerung in Frage stellen. Landgerichtsdirektor Dr. Rotberg beschäftigte sich eingehend mit der Bestellung eines Sonderkommissars und dessen Aufgaben, seine [!] Machtbefugnis und die [!] Art der Bestrafung.
Über die Einführung der Todesstrafe im § 2 8 entspann sich eine längere Erörterung. Der Ministerrat vertrat einmütig den Standpunkt, daß man in schärfstem Gegensatz zur nationalsozialistischen Auffassung auf die Rechtsnorm vor 1933 zurückgehen müsse, die die Todesstrafe […]
13. Ministerratssitzung 7.2.1947
13. Ministerratssitzung am Freitag, den 7.2.1947 1
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Junglas
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Ministerialdirektor Dr. Rick
Es fehlten die Minister Dr. Lotz und Dr. Süsterhenn.
- 1. Landesverordnung über die Entnazifizierung
- 2. Landesverordnung über die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts
- 3. Landesverordnung über die Beseitigung nationalsozialistischen Unrechts in der Strafrechtspflege
- 4. Stellungnahme zu dem Artikel der „Rhein-Zeitung” über die Bekämpfung der Wildschweinplage
- 5. Personal- und Materialbeschaffungsfragen
- A Unterredung mit Kommandant Stoebner
- 6. Verschiedenes (Protokolländerung; Wirtschaftskredite; Eingaben an die Beratende Landesversammlung)
Die Punkte 1, 2 und 3 der anliegenden Tagesordnung wurden wegen Abwesenheit des Justizministers Dr. Süsterhenn vertagt bis zur nächsten Ministerratssitzung am Dienstag, den 11.2.1947, nachmittag 2 Uhr 2.
4. Stellungnahme zu dem Artikel der „Rhein-Zeitung” über die Bekämpfung der Wildschweinplage
Der Ministerpräsident erläutert zunächst den Sachverhalt unter Bezug auf den Artikel, der vor Weihnachten in der „Rhein-Zeitung” erschienen ist und in dem der deutschen Verwaltung schwere Vorwürfe wegen der mangelhaften Bekämpfung der Wildschweinplage gemacht werden 3. Der Ministerpräsident hat damals sofort eine eingehende Untersuchung dieser Angelegenheit veranlaßt und verliest nunmehr die Stellungnahme der Forstabteilung. Abschrift dieses Berichtes ist als Anlage beigefügt 4. Aufgrund dieser eingehenden Sachdarstellung erachtet der Ministerrat einstimmig die in der Presse gegen die Verwaltung erhobenen Beschuldigungen für nicht berechtigt. Angesichts dieses Sachverhalts bedauert der Ministerrat, daß durch das Schreiben des Herrn Gouverneurs vom 29.1.47 – Section Production Végétale Bi. Nr. 30 – erneut der gleiche Vorwurf erhoben und der deutschen Verwaltung schlechter Wille vorgeworfen wird mit dem Zusatz, daß diese allein für diesen Stand der Dinge verantwortlich ist 5. Der Ministerrat beschließt einstimmig im Hinblick auf das Ansehen der deutschen Verwaltung und ihre Verantwortlichkeit gegenüber der Bevölkerung, den Herrn Generalgouverneur auf diesen Sachverhalt aufmerksam zu machen. Die Bekämpfung der Wildschweinplage läßt auch heute noch in Rheinland-Pfalz 6 viel zu wünschen übrig 7. Nach der Mitteilung der pfälzischen Minister liegen dort die Verhältnisse insofern günstiger, als französische Offiziere gemeinsam mit deutschen Jägern oder Forstbeamten, denen sie Gewehre und Munition für die Jagd stellen, Treibjagden auf Schwarzwild veranstalten 8. Solche Treibjagden finden zwar auch in Rheinland-Hessen-Nassau statt. Die von dem Herrn Gouverneur seit langem gewünschte planmäßige Bekämpfung des Schwarzwildes scheitert aber daran, daß auch heute noch weder Waffen noch Munition zur Verfügung stehen, woran die deutsche Verwaltung nicht schuld ist 9. Der Ministerrat benutzt aber die Gelegenheit, den Herrn Generalgouverneur nochmals dringend zu bitten, im Interesse der Volksernährung, für die die Entwicklung der Wildschweinplage katastrophale Ausmaße annimmt, dieser Frage auch weiterhin die größte Aufmerksamkeit […]
14. Ministerratssitzung 11.2.1947
14. Ministerratssitzung am Dienstag, den 11.2.1947 1
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn, LG-Direktor Rotberg
Es fehlte Minister Junglas.
- 1. Neuregelung des Gnadenrechts
- 2. Entwurf einer Landesverordnung zur Ergänzung des Gesetzes über die Verschollenheit, die Todeserklärung und die Feststellung der Todeszeit vom 4.7.1939
- 3. Landesverordnung zur Ergänzung der Verordnung über die Bewilligung von Zahlungsfristen
- 4. Entwurf einer Landesverordnung über die Einstellung der Verzinsung hinterlegter Gelder
- 5. Landesverordnung über Gerichtsverfassung und Verfahren
- 6. Stillstand der Rechtspflege
- 7. Landesverordnung zur Beseitigung nationalsozialistischen Unrechts in der Strafrechtspflege
Innenminister Steffan eröffnete die Sitzung, da der Ministerpräsident infolge dienstlicher Verhinderung erst zwei Stunden später erschien.
1. Neuregelung des Gnadenrechts
Landgerichtsdirektor Dr. Rotberg begann mit der Neuregelung des Gnadenrechts 2. Es handelt sich hier um eine Zuständigkeitsregelung auf dem Gebiete des Gnadenrechts, die die Präsidialregierung bereits am 2.10.46 angenommen hatte. Diese Regelung ist damals in der Form eines Präsidialerlasses ergangen 3 und soll nun auf Wunsch der Militärregierung in eine Landesverordnung umgewandelt werden. Die gleichlautende Anordnung für die Pfalz soll außer Kraft treten 4.
Der Ministerrat hat sich einstimmig damit einverstanden erklärt, daß der am 2.10.46 durch die Präsidialregierung angenommene Präsidialerlaß über die Neuregelung des Gnadenrechts nunmehr für das ganze Land einheitlich gleichlautend als Landesverordnung verkündet wird 5.
2. Entwurf einer Landesverordnung zur Ergänzung des Gesetzes über die Verschollenheit, die Todeserklärung und die Feststellung der Todeszeit vom 4.7.1939 6
Nach diesem Gesetz über die Verschollenheit vom Juli 1939 7 kann jemand für tot erklärt werden, der im Kriege vermißt ist. Es genügt, daß ein Jahr seit Beendigung des Krieges abgelaufen ist, dann wird das Verfahren in Gang gesetzt. Es ist aber zweifelhaft, ob das „Kriegsende” mit dem Waffenstillstand oder mit dem […]