22. Ministerratssitzung 3.4.1947

22. Ministerratssitzung am Donnerstag, den 3.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden, Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung: 2
  • 1. Raum- und Organisationsfragen der Ministerien
  • 2. Landesverordnungen (1. Landesverordnung über Maßnahmen auf dem Gebiete des Pachtrechts; 2. Landesverordnung über Sonn- und Feiertage und ihren Schutz in Rheinland-Pfalz; 3. Landesverordnung über Eintritt in den Ruhestand bei den richterlichen Beamten; 4. Landesverordnung über Rückerstattung öffentlicher Unterstützungen an die Angehörigen gefangener oder vermisster deutscher Soldaten)
  • 3. Verschiedenes (1. Aufwandsentschädigung für Beamte und Angestellte der Ministerien; 2. Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln; 3. Bezahlung der Fahrgelder für Kriegsversehrte nach Bretzenheim; 4. Bezahlung der Gehälter für die Angestellten der Bereinigungskommission; 5. Einnahmensverluste für Weinhändler)

1Durchschlag in Best. 860 Nr. 9601 (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“), Nr. 8186, Nr. 4535, S. 129-133, Best. 700,155 Nr. 62, S. 227-231 (ohne Zeichnung) und in Best. 700,177 Nr. 654, S. 27-29. Anlage: TO in Best. 700,155 Nr. 62, S. 225.
2Die vorgegebene TO enthielt nur TOP 1 und TOP 2. Unter TOP 2 waren außer den in der Kabinettssitzung behandelten und beschlossenen Verordnungen noch weiterhin aufgeführt: LVO über die Verstaatlichung der Polizei (vgl. 24. MRS am 18.4.1947, TOP 2) und LVO über Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts betr. die Betreuung der Kriegsopfer (vgl. 28. MRS am 29.5.1947, TOP 2).

1. Raum- und Organisationsfragen der Ministerien

a) zur Raumfrage 3: Der Ministerpräsident beabsichtigt, bei der endgültigen Zusammenstellung das Staatsministerium, Innenministerium und Finanzministerium in einem Hause unterzubringen, und zwar im alten Oberpräsidium am Rhein. Minister Dr. Haberer macht den Vorschlag, mit dem Landwirtschaftsministerium zusammenzuziehen, und zwar in den vierten Stock des Hochhauses, der ausreiche für beide Ministerien 4. – Das Arbeitsministerium soll nach Verschmelzung der Landesarbeitsämter Rheinland und Pfalz 5 in der Krankenkasse untergebracht werden. – Das Kultusministerium sowie das Wohlfahrtsministerium sollen im Hause verbleiben. – Das Justizministerium soll im Gallusbau untergebracht werden. Die Frage, ob die Herren Minister mit ihren nächsten Mitarbeitern am Sitze des Ministerpräsidenten konzentriert werden sollten, wurde verneint, vielmehr ihr Verbleiben bei ihren Ministerien für ratsam gehalten. Es sollen aber in der nächsten Kabinettssitzung Vorschläge für die Festlegung von bestimmten Tagen gemacht werden, an denen die Minister ständig anwesend sein werden 6.

b) Organisationsfragen 7:

1. Äußere Organisation: Sämtliche Minister führen Klage darüber, daß die Militärregierung zu stark in die Befugnisse der einzelnen Ministerien eingreifen würde, obwohl von Seiten der Militärregierung immer wieder betont worden sei, daß die deutsche Verwaltung selbständig sein müsse. In jedem Falle unterstehen die Herren Minister lediglich den Anweisungen der Leiter der entsprechenden vorgesetzten französischen Dienststellen und nicht deren nachgeordneten Stellen. Anschließend […]

1947, April 47|

23. Ministerratssitzung 15.4.1947

23. Ministerratssitzung am Dienstag, den 15.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden, Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung
  • 1. Rundfunkrede des Ministers Feller
  • 2. Entnazifizierungsgesetz
  • 3. Maschinenaktion
  • 4. Zuleitung von Protokollauszügen

1Durchschlag in Best. 860 Nr. 9601 (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“), Nr. 4535, S. 129-153, Nr. 8186, in Best. 700,155 Nr. 62, S. 227-251 (ungez.) und Best. 700,177 Nr. 654, S. 17-26.

1. Rundfunkrede des Ministers Feller

Minister Dr. Haberer ergriff das Wort und nahm Stellung zu einer Rundfunkrede, die Minister Feller am 10.4.47 im Radio Koblenz über die Verfassung von Rheinland-Pfalz gehalten hat 2:

Am 10. April hielt Herr Minister Feller am Rundfunk einen Vortrag über das Verfassungswerk. Ich will Herrn Feller das Recht nicht bestreiten, zu den Verfassungsfragen im Sinne seiner Partei öffentlich das Wort zu nehmen 3; es liegt mir auch fern, hier auf die sachliche Seite der Verfassungsprobleme einzugehen, denn diese Probleme zu lösen ist nicht Aufgabe des Ministerrates. Was mich veranlaßt, hier vor Ihnen eine Erklärung abzugeben, ist vielmehr die Art und der Ton der Kritik, die Herr Minister Feller an den Persönlichkeiten übt, die verantwortlich zeichnen für den Verfassungsentwurf, der der Beratenden Landesversammlung vorgelegt wurde. Mitglieder der Kommission zur Erstellung eines Entwurfs waren: Dr. Süsterhenn, Dr. Biesten 4 und Dr. Haberer. Diese drei Mitglieder gehören der CDU an. Es waren weiterhin beteiligt die Herren Röhle und Dr. Kemmeter 5 von der SPD und Dr. Hofer 6 von der kommunistischen Partei. Herr Minister Feller möge sich von seinem Parteigenossen Dr. Hofer darüber unterrichten lassen, in welchem Geiste und mit welchem einheitlichen Schaffenswillen, von dem alle Mitglieder der Kommission erfaßt waren, gearbeitet wurde, um eine brauchbare, dem Land und Volk entsprechende Verfassungsgrundlage vorzubereiten 7. Es erscheint notwendig, diese harmonische Zusammenarbeit trotz der unzweifelhaft vorhandenen und auch offen ausgesprochenen Auffassungsunterschiede hervorzuheben: denn ich glaube annehmen zu dürfen, daß die Kritik des Herrn Minister Feller nicht nur mich, nicht nur die Kommissionsmitglieder der CDU, sondern in gleicher Weise auch die Herren der anderen Parteien außerordentlich bis zur Empfindung der persönlichen Beleidigung frappiert hat. Von den Männern, die Herr Minister Feller in seiner Ansprache glossiert mit den Worten Heines: „Ich kenne das Wort, ich kenne den Text, ich kenne auch die Verfasser“ sind drei Mitglieder dieses Kabinetts. Die Herren Dr. Süsterhenn, Röhle und ich. Dieses Kabinett hat sich Kameradschaftlichkeit gelobt, die doch das Versprechen umschließt, auch dort ritterlich zu sein, wo Meinungsverschiedenheiten zu Tage treten. Wenn ein im politischen Kampf so erfahrener Mann wie Herr Minister Steffan diese Kameradschaft fordert und selbst gelobt, so […]

1947, April 47|

24. Ministerratssitzung 18.4.1947

24. Ministerratssitzung am Freitag, den 18.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden, Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung
  • 1. Landesverordnung über Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaft
  • 2. Landesverordnung über die Verstaatlichung und den Aufbau der Polizei
  • 3. Landesverordnung über die Änderung des Säumniszuschlages
  • 4. Stand der Baumaßnahmen am alten Oberpräsidium
  • 5. Rundfunkansprache des Ministers Feller
  • 6. Maschinenabgabe

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860, Nr. 9601, in Nr. 8186, in Nr. 4535, S. 155-159, und in Best. 700,155 Nr. 62, S. 255-259. Anlagen: 1. Erklärung des Ministers Feller (Durchschläge in: Best. 860 Nr. 9601; handschr. gezeichnet das Exemplar in Nr. 4535, S. 161; Best. 700,155 Nr. 62, S. 253); 2. Vortragsmanuskript zur Rundfunkrede von Minister Feller vom 10.4.1947 (Durchschlag in Best. 860 Nr. 4535, S. 163-167); 3. Erklärung von Minister Dr. Haberer, undatiert, abgegeben in der MRS vom 15.4.1947 (Durchschlag in Nr. 4535, S. 169-173; siehe oben Protokoll zur 23. Sitzung am 15.4.1947).

1. Landesverordnung über Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaft

Ministerialdirektor Dr. Rick erläutert die Landesverordnung und gibt bekannt, daß ihr Erlaß aufgrund einer Dienstnote von Capitain de Vaux aufgetragen worden sei 2. Seitens des Ministerrats wurden gegen den Erlaß erhebliche Bedenken geltend gemacht im Hinblick darauf, daß es sich um eine neue Institution handelt, die den Staat mit schätzungsweise RM 100 bis 200.000,– jährlich in Ausgaben neu belastet. Weiterhin wurde betont, daß ähnliche Einrichtungen auch schon vorhanden seien, die die von der Militärregierung gewünschten Auflagen erfüllen könnten. Der Ministerrat beschließt auf Vorschlag des Ministers Dr. Haberer, diesen zu beauftragen, die Angelegenheit nochmals mit Kommandant Harrioti, der nunmehr die Geschäfte des Kommandanten Stoebner übernommen hat, zu besprechen.

2. Landesverordnung über die Verstaatlichung und den Aufbau der Polizei 3

Bei der Verabschiedung erklärte Minister Feller, daß er sich der Stimmabgabe enthalten wolle. Im übrigen wurde die Verordnung vom Ministerrat einstimmig angenommen 4.

3. Landesverordnung über die Änderung des Säumniszuschlages 5

Die Verordnung wurde vom Ministerrat einstimmig angenommen 6.

2Entwurf in Best. 910 Nr. 6035. Die Dienstnote konnte nicht nachgewiesen werden.
3Zuletzt 19. MRS am 12.3.1947, TOP B. Dieser TOP war bereits auf der TO für die 22. MRS am 3.4.1947 vorgesehen, aber nicht behandelt worden.
4Rot angestrichen am linken Rand in Best. 860 Nr. 8186.
5Rot angestrichen am linken Rand in Best. 860 Nr. 8186.
6Entwurf und die vom GenGouv genehmigte Fassung in Best. 860 Nr. 1085, S. 357 bzw. S. 363. […]
1947, April 47|

25. Ministerratssitzung 25.4.1947

25. Ministerratssitzung am Freitag, den 25.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn

Es fehlten die Minister Feller, Dr. Haberer, Röhle und Steffan.

Tagesordnung
  • A. Gutachten über den Entwurf der Verfassung für Rheinland-Pfalz

A. Gutachten über den Entwurf der Verfassung für Rheinland-Pfalz

Beschluß

Der Ministerpräsident stellte fest, daß der Ministerrat beschlußfähig sei. Nach Vortrag des Ministerpräsidenten beschloß der Ministerrat einstimmig, sich dem in der Sitzung der Beratenden Landesversamm-lung vom 25.4.47 mit 70 : 31 Stimmen abgegebenen Gutachten über den Entwurf der Verfassung für Rheinland-Pfalz anzuschließen und diesen Entwurf dem Herrn Generalgouverneur für Rheinland-Pfalz zur Genehmigung vorzulegen 2. Desgleichen schließt sich der Ministerrat dem Beschluß des Landtags an, wonach bei der Volksabstimmung über die Verfassung gleichzeitig über den Abschnitt 3 der Verfassung gesondert abzustimmen ist 3 und beauftragt den Ministerpräsidenten, auch diese Entschließung dem Herrn Generalgouverneur vorzulegen 4.

1Durchschlag in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 4535, S. 175, Nr. 8186 sowie in Best. 700,155 Nr. 62, S. 261. Über Beginn und Ende der Sitzung liegen keine Angaben vor.
2Vgl. die namentliche Schlußabstimmung über den Verfassungsentwurf für Rheinland-Pfalz am 25.4.1947 (BLV, Drucks. Nr. 16, S. 57 f.).
3Abschnitt III: „Schule, Bildung, Kulturpflege“ (BLV, Drucks. Nr. 13, S. 5-7). Der Vor-schlag einer separaten Abstimmung wurde von der CDU-Fraktion eingebracht (BLV, Drucks. Nr. 16, S. 39). Hintergrund waren die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den Parteien, welche die Beratungen über die Frage eines konfessionellen bzw. überkon-fessionellen Schulsystems geprägt hatten. Vgl. dazu die Einleitung, S. #, und 108. MRS am 21.12.1948, TOP J.
4Die Verfassung des Landes Rheinland-Pfalz wurde am 18.5.1947 ausgefertigt; ihre amt-liche Veröffentlichung erfolgte am 24.5.1947 (GVBl. I 1947, S. 209-224).

1947, April 47|

26. Ministerratssitzung 30.4.1947

26. Ministerratssitzung am Mittwoch, den 30.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden, Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger

Dr. Süsterhenn erschien erst zum Abschluß der Sitzung.

Tagesordnung
  • 1. Bautätigkeit an den staatlichen Gebäuden
  • 2. Behördenorganisation (Landesarbeitsämter; Landeswirtschaftsamt; Kreisernährungsämter; Landwirtschaftsschulen)
  • 3. Ministerialzulage
  • 4. Bereinigungswesen
  • 5. Regierungsarbeit und Wahlkampf

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 8186, Nr. 4535, S. 177-183 und in Best. 700,155 Nr. 62, S. 263-269. Anlagen: 1. Auszug aus dem Protokoll der Landrätekonferenz vom 27.11.1945; 2. Resolution der unter Vorsitz von RPräs Boden zusammengetroffenen Landrätekonferenz vom 27.11.1945 zum Flüchtlingsaufnahme-Beschluss der Potsdamer Konferenz (Best. 860, Nr. 9601; Nr. 8186; Nr. 4535, S. 185-187 und 189-192).

1. Bautätigkeit an den staatlichen Gebäuden 2

Minister Feller griff auf die Vorgänge in der letzten Kabinettssitzung zurück, in der er gebeten wurde, eine Übersicht über die Bautätigkeit für die fiskalischen Bauten zu geben. Im einzelnen nahm Ministerialrat Gräfe zu den vorliegenden Beschwerden wie folgt Stellung:

Wenn im vorigen Jahre die Arbeit besser vonstatten ging, so lag dies insbesondere daran, daß lediglich ein einheitliches Bauprogramm für ganz Koblenz vorlag, und zwar unter deutscher Leitung. Die Schwierigkeiten heute bestehen in der Zweiteilung des Programms, also einem Programm für den französischen und den deutschen Sektor. Seinerzeit stand die gesamte Bauleitung unter deutschem Einfluß, während heute für das französische Bauprogramm eine eigene Bauleitung eingesetzt ist. Hinzu kommt, daß auf Grund einer Verfügung des Gouverneurs vom 14.2.47 die französischen Bauten die Priorität haben 3. Ministerialrat Gräfe führt weiter aus, daß die Durchführung des deutschen Bauvorhabens nur unter ungeheuren Schwierigkeiten durchgeführt werden könne und insbesondere starke Hemmungen dadurch einträten, daß seitens der Militärregierung alles vorhandene Material und auch das neu hinzukommende restlos beschlagnahmt würde. Auch die Arbeiter würden ihnen entzogen und für das französische Programm eingesetzt. Aus diesem Grunde sah sich die deutsche Bauleitung gezwungen, die verbleibenden Arbeiter auf zwei Bauten zu konzentrieren, und zwar auf das Hochhaus und das alte Oberpräsidium. Im Hochhaus können in 14 Tagen 19 Räume bezogen werden, im alten Oberpräsidium ebenfalls in 14 Tagen 20 Räume. Es muß aber unbedingt erreicht werden, daß die Arbeiter neu verpflichtet werden, da nach der Frostperiode 800 Arbeiter nicht zurückgekommen sind. An sich sind wir ebenso wie das Arbeitsministerium gegen eine Verpflichtung. Wir kommen aber in diesem Falle nicht daran vorbei 4. Sehr wesentlich ist auch das Transportproblem. Wir müssen erreichen, daß die Arbeiter mindestens zum Wochenende zu ihren Familien gebracht werden können, sonst sinkt die Arbeitsleistung stark ab. Von den zur Verfügung stehenden Lastwagen werden 18 für das französische Programm benötigt, die restlichen 15 sind uns zugeteilt worden. Ministerialrat Gräfe […]

1947, April 47|
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