© LAVWegweisendes aus Rheinland-Pfalz
Nachdem die Entflechtung der I.G. Farbenindustrie AG als „eines der Hauptziele alliierter Industriepolitik in Deutschland“[1] durch „Ausgründung“ von Werken wie der Hoechst AG, der Farbenfabrik Bayer AG und der BASF in der ersten Hälfte der 1950er Jahre erreicht wurde, stiegen die Konzerne durch das Wachsen der Petrochemie schon während dieser Neuordnungszeit stetig zu neuen wirtschaftlichen Höhen auf.[2] So brachte der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF, der in seiner Entwicklung durch die Explosionskatastrophe 1948 noch weit zurückgeworfen worden war, schon 1951 erstmals den durch eigene Wissenschaftler entwickelten Schaumstoff Styropor auf den Markt – ein Welterfolg! Auch für den heute weltgrößten Produzenten von technischen Gläsern und Glasartikeln, die traditionsreiche Firma Schott, wurden 1951 die Weichen für erneute wirtschaftliche Erfolge gestellt. Die Landesregierung förderte die Übernahme des Werks nach Mainz, welches am 10. Mai 1952 mit der ersten optischen Schmelze in Betrieb genommen werden konnte.[3]

223. Sitzung v. 20. Februar 1951, Best. 860 Nr. 9618
Ebenfalls 1951 erfolgte die Übernahme der Nürburgring GmbH, die zuvor zum überwiegenden Teil im Besitz des ehemaligen Deutschen Reiches, Preußens und der früheren Rheinprovinz gestanden hatte.[4] Vergleichbar mit weiteren Fällen, in denen Eigentumsfragen zwischen Bund und Ländern infolge der neuen Länderzuschnitte zu klären waren, musste auch für diese Angelegenheit zuerst eine bundesgesetzliche Regelung über die Rechtsverhältnisse des Reichsvermögens und der preußischen Beteiligungen ergehen.[5] Diese war jedoch wegen der grundsätzlichen finanziellen Auswirkungen auf Bund und Länder in höchstem Maße umstritten und ließ sich erst durch das sogenannte Vorschaltegesetz lösen.[6] Damit wurde anschließend unter anderem auch die Eigentümerschaft des Landes am international bedeutsamen Nürburgring ermöglicht. Beginnend mit dem ersten Sieg auf der Nordschleife durch den Italiener Alberto Ascari im Ferrari am 29. August 1951 setzte eine Blütezeit der 1927 eingeweihten Rennstrecke ein, mit der zugleich ein Stück Identität in der insgesamt strukturschwachen Region geschaffen wurde.[7]
Als gegen Ende des Jahres der 4. Landesparteitag der CDU in Koblenz stattfand, formulierte Altmeier in seiner Funktion als CDU-Landesvorsitzender das politische Selbstverständnis seiner Partei unter Einforderung eines neuen Selbstbewusstseins auch mit Blick auf die Existenzberechtigung des Landes: „Wir haben durch unsere Verfassung, deren Vorbildlichkeit allgemein anerkannt wird, durch unsere Gesetzgebung, die in zahlreichen Fällen der Bundesgesetzgebung als Muster gedient hat, durch eine saubere sparsame Verwaltung, durch den wirtschaftlichen und sozialen Aufbau den Beweis unserer Leistungsfähigkeit erbracht. Wir können auf kulturpolitische Leistungen zurückblicken, und wir sind gewillt, unsere Arbeit in dieser Richtung mit Tatkraft voranzutreiben. Wir fühlen die Verpflichtung, die christlichen Lebenswerte als obersten Grundsatz in unseren politischen Entscheidungen anzuerkennen. Wir fühlen unsere nationale Aufgabe als deutsches Grenzland im Westen. Wir grüßen die Deutschen an der Saar und stehen zu ihnen. Vom Rhein her, vom Deutschen Eck, senden wir dem deutschen Osten unseren Gruß. Es kommt der Tag, da wir wieder alle zusammen sind! Wir bekennen uns zur friedlichen Zusammenarbeit mit unseren Nachbarvölkern, vor allem mit Frankreich in einem geeinten Europa. Wir grüßen und danken dem Bundeskanzler und stehen in Vertrauen zu ihm; überzeugt, daß er sein Friedenswerk glücklich vollenden wird“.[8]