84. Ministerratssitzung 2.7.1948

84. Ministerratssitzung am Freitag, den 2.7.19481

Anwesend :
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef der Staatskanzlei Dr. Haberer
1Ausfertigung in Best. 860 Nr. 9607 und (korr.) in Best. 700,169 Nr. 138, S. 25-33; Durchschlag (korr.) in Best. 860 Nr. 8188 und in Nr. 2975, S. 169-177. Anlage: Drei Mitteilungen der Militärgouverneure der westlichen Zonen: 1. betr. Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung zur Erarbeitung einer Verfassung für einen deutschen Einheitsstaat; 2. Auftrag an die Ministerpräsidenten der betr. Zonen zur Überprü-fung der gegenwärtigen Ländergrenzen; 3. Grundsätze der Beziehungen zwischen der zu schaffenden deutschen Regierung und den Alliierten Behörden (Best. 860 Nr. 9607; 700,169 Nr. 138, S. 35-45).
Tagesordnung:
  • 1. Zweite Landesverordnung zur Sicherung der öffentlichen Finanzen
  • 2. Bautätigkeit in den Städten Koblenz und Mainz
  • 3. Ministerpräsidentenkonferenz am 1. Juli 1948 in Frankfurt
  • 4. Zulagen und Zuteilungen an das deutsche Personal bei Dienststellen der Militärregierung

1. Zweite Landesverordnung zur Sicherung der öffentlichen Finanzen2

Der Finanzminister legte die Zweite Landesverordnung zur Sicherung der öffentlichen Finanzen vor3 , die nach kurzer Aussprache einstimmig genehmigt wurde. Sie ist sofort an die Militärregierung weiterzuleiten. 4

2Zur Ersten LVO zur Sicherung der Währung und der öffentlichen Finanzen vgl. 83. MRS am 30.6.1948, TOP 1.
3Vgl. Best. 860 Nr. 3585, hier: S. 15-25.
4Die LVO wurde am 29.8.1948 ausgefertigt (GVBl. I 1948, S. 316). – Fortgang 89. MRS am 11.8.1948, TOP 2.

2. Bautätigkeit in den Städten Koblenz und Mainz 5

Unter Bezugnahme auf ein Schreiben des Oberbürgermeisters der Stadt Koblenz vom 2.7.48 wurde die besondere Lage dieser beiden Städte hinsichtlich der durchzuführenden Bauvorhaben eingehend besprochen.6 Finanzminister Dr. Hoffmann wies darauf hin, daß bei beiden Städten eine gemeinsame Besprechung mit einer anschließenden Überprüfung der derzeitigen Bauvorhaben notwendig sei, damit aus der Fülle dieser Bauvorhaben diejenigen herausgesucht und gegebenenfalls finanziert würden, deren Vollendung am schnellsten durchzuführen sind. Sobald in einiger Zeit Klarheit über die zukünftige Lage des Landes besteht, soll dann über die Fortführung der für den Augenblick einzustellenden Bauvorhaben entschieden werden. 7

5Zuletzt 75. MRS am 3.6.1948 TOP, 7.c).
6Vgl. Best. 920 Nr. 2979 und Nr. 2980 sowie Best. 930 Nr. 2769.
7Fortgang betr. Wiederaufbauverband Mainz 90. MRS am 18.8.1948, TOP E.

3. Ministerpräsidentenkonferenz am 1. Juli 1948 in Frankfurt 8

Der Ministerpräsident berichtete eingehend über den Verlauf der Konferenz der Ministerpräsidenten mit den drei Oberbefehlshabern, die am 1. Juli in Frankfurt/Main stattgefunden hatte sowie über die anschließende interne Sitzung der Ministerpräsidenten, wobei beschlossen wurde, […]

1948, Juli 48|

85. Ministerratssitzung 6.7.1948

85. Ministerratssitzung am Dienstag, den 6.7.19481

Anwesend :
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef der Staatskanzlei Dr. Haberer
Tagesordnung:2
  • A. Verordnung über Körperschaftssteuer, Kapitalverkehrssteuer, Wechselsteuer und Bestandsaufnahme
  • B. Personelles
  • C. Raumverteilung
  • 1. Landesgesetz über Arbeitslosenversicherung
  • 2. Landesgesetz über Arbeitslosenfürsorge
  • D. Landesverordnung betr. Änderung von Rechtsvorschriften über die endgültige Fürsorgepflicht (4.) und Landesverordnung betr. Richtlinien und Rahmenrichtsätze zur Bemessung der Fürsorgeleistung (5.)
  • E. Eierauflagen
  • F. Landesverordnung über die teilweise Lockerung der Bewirtschaftung der gewerblichen Erzeugnisse
  • G. Postverwaltung
  • H. Ministerpräsidentenkonferenz am 1. Juli 1948 in Frankfurt/M (7.)
  • I. Preiserhöhungen bei Milch und Butter

1Ausfertigung in Best. 860 Nr. 9608 und in Best. 700,169 Nr. 139, S. 301-315 (mit Notizen Altmeiers S. 319 f); Durchschlag in Best. 860 Nr. 8189 und in Nr. 2975, S. 179-193. Anlagen: 1.TO; 2. Gesetz über Arbeitslosenfürsorge; 2. Gesetz über Arbeitslosenversicherung; 3. LVO über Körperschaftssteuer, Wechselsteuer und Bestandsaufnahme (Nr. 1 in Best. 860 Nr. 9608, in Nr. 8189 und in Best. 700,169 Nr. 139, S. 317 und S. 319; Nr. 2: nur in Best. 860 Nr. 9608; Nr. 3: nur in Best. 700,169 Nr. 139, S. 321-335).
2Von den ursprünglich vorgegebenen sieben Punkten wurde TOP 3 „Gemeindewahlen im September 1948“ erst in der 86. MRS vom 14.7.1948 behandelt; TOP 6 „Wirtschaftsfragen“ wurde auf verschiedene Einzelpunkte verteilt.

A. Verordnung über Körperschaftssteuer, Kapitalverkehrssteuer, Wechselsteuer und Bestandsaufnahme

Außerhalb der Tagesordnung legte Finanzminister Dr. Hoffmann die Verordnung über Körperschaftssteuer, Kapitalverkehrssteuer, Wechselsteuer und Bestandsaufnahme3 vor. Er erläuterte das Gesetz im einzelnen und wies darauf hin, daß es sich im wesentlichen dem Steuersatz der Bizone angleiche, bis auf Artikel IV § 2 Abs. 3. Im Gegensatz zur Bizone wurde der Mindestbetrag auf 5,– DM als Vorauszahlung festgesetzt, während die Bizone 2,– DM verzeichnet.

Minister Dr. Hoffmann teilte mit, daß aufgrund des Gesetzes über den Erlaß von Steuervollmachten4 die notwendige Genehmigung vom Haushalts- und Finanzausschuß bereits gestern erteilt worden sei.

Der Ministerrat stimmte einstimmig der vorgelegten Verordnung zu.5

3Siehe oben Anm. 1, Anlage Nr. 3, sowie Best. 860 Nr. 3620.
4Erstes Gesetz über Steuervollmacht vom 21.9.1948 (GVBl. I 1948, S. 333), ursprünglich unter dem Titel „Gesetz zur Änderung des Einkommensteuergesetzes vom 27.2.1939 in der Fassung der Bekanntmachung der Landesregierung vom 13.9.1947“ vom LT in seiner Sitzung am 28.6.1948 beraten und angenommen (Best. 860 Nr. 4069, S. 1; vgl. LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 746-761; zur Änderung des Titels vgl. ebd., S. 761).
5Die LVO wurde […]
1948, Juli 48|

86. Ministerratssitzung 14.7.1948

86. Ministerratssitzung am Mittwoch, den 14.7.19481

Anwesend :
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Staatssekretär Dr. Steinlein2
Tagesordnung:
  • 1. Gemeindewahlgesetz
  • 2. Tagesordnung des Landtags
  • 3. Landesverordnung über die teilweise Lockerung der Bewirtschaftung der gewerblichen Erzeugnisse
  • 4. Aufhebung der Bezirkswirtschafts- und Wirtschaftsämter
  • 5. IG-Farben
  • 6. Landesgesetz über die Lockerung des Lohnstops
  • 7. Zweites Gesetz über Steuervollmachten
  • 8. Freigabe von Wein
  • 9. Weinabgabe von 40 Pfennig pro Liter
  • 10. Übertragung von Befugnissen zum Erlaß von Rechtsverordnungen auf den Minister für Wirtschaft und Verkehr
  • 11. Verrechnung der Kopfquote auf die Unterstützungsbeträge
  • 12. Bewilligung von Beihilfen an Kriegsgefangene
  • 13. Bewilligung von Flüchtlingsbeihilfen

1Ausfertigung in Best. 860 Nr. 9608 und in Best. 700,169 Nr. 139, S. 255-265; Durchschlag in Best. 860 Nr. 8189 und (korr.) in Nr. 2975, S. 195-205. Anlagen: 1. TO für die 33. LT-Sitzung im großen Saale des Rathauses zu Koblenz; 2. Gesetz über die Lockerung des Lohnstops; 3. Schreiben des Ministers für Wirtschaft und Verkehr vom 14.7.1948 an den Ministerrat betr. LVO zur Übertragung von Befugnissen zum Erlass von Rechtsverordnungen auf den Minister für Wirtschaft und Verkehr mit Entwurf der LVO (1. ÜVO); 4. Zweites Gesetz über Steuervollmachten; 5. LVO über die Behandlung von steuerrechtlichen Verbindlichkeiten nach dem Umstellungsgesetz; 6. LVO zur Überleitung der Gewerbesteuer und der Grundsteuer; 7. Erlass des Ministers für Wirtschaft und Verkehr betr. die Einstellung der Tätigkeit der Bezirkswirtschaftsämter und der Wirtschaftsämter (undatiert) (Best. 700,169 Nr. 139, S. 266-299; nur Nr. 1-3 in Best. 860 Nr. 9608).
2Die Anwesenheit Steinleins ergibt sich aus dem weiteren Protokolltext.

1. Gemeindewahlgesetz3

Dem vom Innenministerium vorgelegten Entwurf eines Gemeindewahlgesetzes wurde zugestimmt und die sofortige Überweisung an den Landtag beschlossen. Die mit Schreiben vom heutigen Tage seitens des Justizministeriums gemachten Bemerkungen zu diesem Gesetz konnten im Ministerrat nicht mehr behandelt werden, da die heutige Zuleitung zum Zwecke der ersten Lesung in der morgigen Landtagssitzung dieses unmöglich machte. Der Justizminister wird diese Einwände dementsprechend bei der Einbringung des Gesetzentwurfes zur Berücksichtigung in den Ausschußverhandlungen übergeben. 4

3Zuletzt 80. MRS am 22.6.1948, TOP 6.
4Der Minister der Justiz hatte mit Schreiben vom 14.7.1948 erhebliche Änderungswünsche vorgelegt (Best. 860 Nr. 4076, S. 61-75). Nach Vorlage beim LT (LT RLP 1. WP., Drucks. Abt. II, Nr. 506) wurde der Entwurf zunächst vom Hauptausschuss in seiner Sitzung am 27. und 28. Juli 1948 in Bad Ems behandelt (Protokoll in Best. 860 Nr. 4076, S. 81-88). – Fortgang […]
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87. Ministerratssitzung 27.7.1948

87. Ministerratssitzung am Dienstag, den 27.7.19481

Anwesend :
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef derStaatskanzlei Dr. Haberer
  • Staatssekretär Schmidt
  • Staatssekretär Dr. Steinlein
1Von diesem Protokoll existiert neben den Ausfertigungen in Best. 860 Nr. 9608 (mit Durchschlägen in Nr. 8189 und in Nr. 2975, S. 207-209) und im NL Altmeier (Best. 700,169 Nr. 139, S. 235-237) noch eine zweite Version, welche als Wortprotokoll den Verlauf der Aussprache der Ministerratsmitglieder über die Frankfurter Dokumente festhält (ebd. S. 239-253). Abdruck unter TOP C*.
Tagesordnung:
  • A. Personelles
  • B. Landrat Spiess
  • C. Aussprache über den Bericht des Ministerpräsidenten über die Konferenzen der Ministerpräsidenten

A. Personelles

Es wurde beschlossen Frau Oberregierungsrat Detzel2 aus dem Arbeitsministerium sowie Ministerialrat Dr. Giesen3 aus dem Finanzministerium die Urkunden betreffend die Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit auszuhändigen.

Bei dieser Gelegenheit wies der Ministerpräsident auf die Notwendigkeit hin, daß die einzelnen Ministerien die Anstellungsverhältnisse ihrer Beamten überprüfen und die Vorschläge für die Aushändigung von Urkunden auf Lebenszeit schnellstens bei der Staatskanzlei einreichen. Es handelt sich dabei keineswegs um die Berufung neuer Beamten, sondern um die Klarstellung solcher Fälle, wo aufgrund der früheren Ernennungen die entsprechenden Angaben in den Urkunden aus irgendwelchen Gründen unterblieben sind.

2Maria Detzel (1892-1965), Handelsschule, 1918-1924 Hauptversorgungsamt Koblenz, 1927-1933 im Reichsbund der Kriegsopfer Geschäftsführerin für den Regierungsbezirk Koblenz, 1938-1944 Sekretärin, seit 1939 in einer Koblenzer Süßmosterei, 1944 verhaftet, Juli 1945 Einstellung bei der Bezirksregierung Koblenz als Regierungsrätin, 1946 kommissarische Leitung des Landesversorgungsamtes bei der Abteilung Arbeit und Wohlfahrt der Präsidialregierung Rheinland-Hessen-Nassau und Ernennung zur Oberregierungsrätin, 1948 Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit, 1954 Ernennung zur Regierungsdirektorin, 1957 Pensionierung, 1945 Vertreterin der SPD im Koblenzer Bürgerrat, 1946 Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion bis 1962, zeitweise SPD-Fraktionsvorsitzende, Vorstandsmitglied des Bundes für Körperbehinderte, Trägerin der Freiherr-vom-Stein-Plakette und des Bundesverdienstkreuzes (Best. 860P Nr. 293; Best. 860Z Nr. 209; Hudemann, Sozialpolitik, S. 488).
3Vgl. 79. MRS am 18.6.1948, TOP 2 mit Anm. 6. Dr. Richard Giesen (1900-1972), 1918 Militärdienst, 1920-1923 Studium der Volks- und Rechtswissenschaft an den Universitäten Köln und Freiburg mit Promotion, anschließend Tätigkeit in der Kommunalverwaltung, bis 1933 als Geschäftsführer des Verbandes katholischer kaufmännischer Vereine in Krefeld, Mitglied und Stadtbezirksvorsteher der Zentrumspartei in Krefeld, 1928-1933 stellv. bzw. kommissarischer Leiter der Arbeitsämter Krefeld und Neuss, 1933 Kündigung und Verhaftung, anschließend sechs Jahre lang Angestellter beim Arbeitsamt Koblenz, 1939-1945 Militärdienst, im Dezember 1945 Angestellter bei der Regierung Koblenz, ab 1.1.1946 zunächst als RR, dann als ORR bei der Präsidialregierung Rheinland-Hessen-Nassau, 1947 MinR im Ministerium für Wirtschaft und Finanzen bzw. im Finanzministerium, 1950 Versetzung zum Oberfinanzpräsidium Koblenz, 1952 Ernennung zum Leiter des Landesamtes für Soforthilfe, später Leiter der Außenstelle Koblenz des […]
1948, Juli 48|
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