
27. Ministerratssitzung 13.5.1947
27. Ministerratssitzung am Dienstag, den 13.5.1947 1
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Junglas
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- A. Schreiben des Ministerpräsidenten vom 3.12.1945 zur Aufnahme von Flüchtlingen aus den Ostgebieten
- B. Wahlpropaganda der Landesregierung betr. die Annahme der Verfassung
- C. Betriebsrätegesetz
- D. Erlaß von Landesverordnungen
A. Schreiben des Ministerpräsidenten vom 3.12.1945 zur Aufnahme von Flüchtlingen aus den Ostgebieten
Minister Röhle bezieht sich auf das Protokoll der Kabinettssitzung vom 30.4.47, letzter Absatz, den er zu berichtigen bittet 2. Er habe nicht gesagt, daß das Schreiben vom 3.12.45 nicht vorhanden sei. Er würde gegebenenfalls unter Eid aussagen, daß eine Kopie eines solchen Schreibens bei den Akten existiert habe. Der Ministerpräsident widerspricht Herrn Minister Röhle und weist darauf hin, daß er in der Sitzung vom 30.4. mit Bestimmtheit behauptet habe, wenn ein solches Schreiben herausgegangen wäre, dann müsse es ihm bekannt sein, da nach dem damaligen Geschäftsgang alle Vorlagen des Regierungsrats Schmitz nur durch seine – Röhles – Hand dem Regierungspräsidenten zugeleitet worden seien. In der letzten Sitzung des Ministerrats habe Minister Röhle ausdrücklich erklärt, er könne sich an dieses Schreiben nicht erinnern. Erst ein oder zwei Tage später sei Minister Röhle dann zu ihm – Ministerpräsident – gekommen, habe ihm erklärt, daß die Kopie eines solchen Schreibens existiert habe, und zwar sei es ihm von dem jetzigen Ministerialrat Gräfe etwa Anfang 1946 gezeigt worden.
B. Wahlpropaganda der Landesregierung betr. die Annahme der Verfassung
Auf Veranlassung des Innenministers nimmt der Ministerrat zu den seitens der Minister der SPD und der KPD vorgetragenen Einwendungen über die Wahlpropaganda der Landesregierung für die Annahme der Verfassung, angeordnet durch einen Erlaß des Ministerpräsidenten vom 9.5.47, 3 wie folgt Stellung:
Der Ministerpräsident vertritt seinen Standpunkt, daß er gemäß § 1 der Geschäftsordnung für die vorläufige Landesregierung („Der Ministerpräsident bestimmt die Richtlinien der Politik”) nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet sei, für die Annahme der Verfassung und nur hierfür, nicht etwa auch für die Abstimmung über die Schulfrage 4, die Bevölkerung aufzufordern. An dieser auch von der Militärregierung gebilligten Auffassung müsse er grundsätzlich festhalten. Nach eingehender Beratung erklärt er sich jedoch bereit, um auch in dieser Frage eine Einmütigkeit des Ministerrats herbeizuführen, die weitere Verteilung dieses Propagandamaterials durch sofortige Anweisung an alle damit beauftragten Stellen einstellen zu lassen 5.
28. Ministerratssitzung 29.5.1947
28. Ministerratssitzung am Donnerstag, den 29.5.19471
- Ministerpräsident Dr. Boden
- Minister Feller
- Minister Dr. Haberer
- Minister Junglas
- Minister Dr. Lotz
- Minister Röhle
- Minister Steffan
- Minister Stübinger
- Minister Dr. Süsterhenn
- 1. Errichtung eines Konjunkturforschungsinstitutes
- 2. Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts über die Betreuung der Kriegsopfer
- 3. Ernährungslage
- 4. Bezüge der ausscheidenden Minister
1. Errichtung eines Konjunkturforschungsinstitutes
Minister Dr. Haberer legt eine Landesverordnung über die Errichtung eines Konjunkturforschungsinstitutes vor 2 und bittet um möglichst sofortige Verabschiedung, die Zustimmung der Militärregierung liege vor. Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß es sich um eine Organisationsfrage innerhalb eines Ministeriums handele, zu deren Durchführung im Wege einer Verfügung der Ressortminister allein zuständig ist 3.
2. Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts über die Betreuung der Kriegsopfer
Minister Röhle bittet um Verabschiedung der Landesverordnung über Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts über die Betreuung der Kriegsopfer 4. Der Ministerpräsident hält es für zweckmäßig, Beratung und Verabschiedung dieser Landesverordnung bei den Etatsberatungen vorzunehmen, die im Laufe des Juni durchgeführt werden müssen 5.