1947 Protokollübersicht2026-03-30T15:58:03+02:00
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25. Ministerratssitzung 25.4.1947

25. Ministerratssitzung am Freitag, den 25.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn

Es fehlten die Minister Feller, Dr. Haberer, Röhle und Steffan.

Tagesordnung
  • A. Gutachten über den Entwurf der Verfassung für Rheinland-Pfalz

A. Gutachten über den Entwurf der Verfassung für Rheinland-Pfalz

Beschluß

Der Ministerpräsident stellte fest, daß der Ministerrat beschlußfähig sei. Nach Vortrag des Ministerpräsidenten beschloß der Ministerrat einstimmig, sich dem in der Sitzung der Beratenden Landesversamm-lung vom 25.4.47 mit 70 : 31 Stimmen abgegebenen Gutachten über den Entwurf der Verfassung für Rheinland-Pfalz anzuschließen und diesen Entwurf dem Herrn Generalgouverneur für Rheinland-Pfalz zur Genehmigung vorzulegen 2. Desgleichen schließt sich der Ministerrat dem Beschluß des Landtags an, wonach bei der Volksabstimmung über die Verfassung gleichzeitig über den Abschnitt 3 der Verfassung gesondert abzustimmen ist 3 und beauftragt den Ministerpräsidenten, auch diese Entschließung dem Herrn Generalgouverneur vorzulegen 4.

1Durchschlag in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 4535, S. 175, Nr. 8186 sowie in Best. 700,155 Nr. 62, S. 261. Über Beginn und Ende der Sitzung liegen keine Angaben vor.
2Vgl. die namentliche Schlußabstimmung über den Verfassungsentwurf für Rheinland-Pfalz am 25.4.1947 (BLV, Drucks. Nr. 16, S. 57 f.).
3Abschnitt III: „Schule, Bildung, Kulturpflege“ (BLV, Drucks. Nr. 13, S. 5-7). Der Vor-schlag einer separaten Abstimmung wurde von der CDU-Fraktion eingebracht (BLV, Drucks. Nr. 16, S. 39). Hintergrund waren die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen den Parteien, welche die Beratungen über die Frage eines konfessionellen bzw. überkon-fessionellen Schulsystems geprägt hatten. Vgl. dazu die Einleitung, S. #, und 108. MRS am 21.12.1948, TOP J.
4Die Verfassung des Landes Rheinland-Pfalz wurde am 18.5.1947 ausgefertigt; ihre amt-liche Veröffentlichung erfolgte am 24.5.1947 (GVBl. I 1947, S. 209-224).

1947, April 47|

26. Ministerratssitzung 30.4.1947

26. Ministerratssitzung am Mittwoch, den 30.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden, Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger

Dr. Süsterhenn erschien erst zum Abschluß der Sitzung.

Tagesordnung
  • 1. Bautätigkeit an den staatlichen Gebäuden
  • 2. Behördenorganisation (Landesarbeitsämter; Landeswirtschaftsamt; Kreisernährungsämter; Landwirtschaftsschulen)
  • 3. Ministerialzulage
  • 4. Bereinigungswesen
  • 5. Regierungsarbeit und Wahlkampf

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 8186, Nr. 4535, S. 177-183 und in Best. 700,155 Nr. 62, S. 263-269. Anlagen: 1. Auszug aus dem Protokoll der Landrätekonferenz vom 27.11.1945; 2. Resolution der unter Vorsitz von RPräs Boden zusammengetroffenen Landrätekonferenz vom 27.11.1945 zum Flüchtlingsaufnahme-Beschluss der Potsdamer Konferenz (Best. 860, Nr. 9601; Nr. 8186; Nr. 4535, S. 185-187 und 189-192).

1. Bautätigkeit an den staatlichen Gebäuden 2

Minister Feller griff auf die Vorgänge in der letzten Kabinettssitzung zurück, in der er gebeten wurde, eine Übersicht über die Bautätigkeit für die fiskalischen Bauten zu geben. Im einzelnen nahm Ministerialrat Gräfe zu den vorliegenden Beschwerden wie folgt Stellung:

Wenn im vorigen Jahre die Arbeit besser vonstatten ging, so lag dies insbesondere daran, daß lediglich ein einheitliches Bauprogramm für ganz Koblenz vorlag, und zwar unter deutscher Leitung. Die Schwierigkeiten heute bestehen in der Zweiteilung des Programms, also einem Programm für den französischen und den deutschen Sektor. Seinerzeit stand die gesamte Bauleitung unter deutschem Einfluß, während heute für das französische Bauprogramm eine eigene Bauleitung eingesetzt ist. Hinzu kommt, daß auf Grund einer Verfügung des Gouverneurs vom 14.2.47 die französischen Bauten die Priorität haben 3. Ministerialrat Gräfe führt weiter aus, daß die Durchführung des deutschen Bauvorhabens nur unter ungeheuren Schwierigkeiten durchgeführt werden könne und insbesondere starke Hemmungen dadurch einträten, daß seitens der Militärregierung alles vorhandene Material und auch das neu hinzukommende restlos beschlagnahmt würde. Auch die Arbeiter würden ihnen entzogen und für das französische Programm eingesetzt. Aus diesem Grunde sah sich die deutsche Bauleitung gezwungen, die verbleibenden Arbeiter auf zwei Bauten zu konzentrieren, und zwar auf das Hochhaus und das alte Oberpräsidium. Im Hochhaus können in 14 Tagen 19 Räume bezogen werden, im alten Oberpräsidium ebenfalls in 14 Tagen 20 Räume. Es muß aber unbedingt erreicht werden, daß die Arbeiter neu verpflichtet werden, da nach der Frostperiode 800 Arbeiter nicht zurückgekommen sind. An sich sind wir ebenso wie das Arbeitsministerium gegen eine Verpflichtung. Wir kommen aber in diesem Falle nicht daran vorbei 4. Sehr wesentlich ist auch das Transportproblem. Wir müssen erreichen, daß die Arbeiter mindestens zum Wochenende zu ihren Familien gebracht werden können, sonst sinkt die Arbeitsleistung stark ab. Von den zur Verfügung stehenden Lastwagen werden 18 für das französische Programm benötigt, die restlichen 15 sind uns zugeteilt worden. Ministerialrat Gräfe […]

1947, April 47|

27. Ministerratssitzung 13.5.1947

27. Ministerratssitzung am Dienstag, den 13.5.1947 1

Anwesend:
  • Ministerpräsident Dr. Boden
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung:
  • A. Schreiben des Ministerpräsidenten vom 3.12.1945 zur Aufnahme von Flüchtlingen aus den Ostgebieten
  • B. Wahlpropaganda der Landesregierung betr. die Annahme der Verfassung
  • C. Betriebsrätegesetz
  • D. Erlaß von Landesverordnungen

A. Schreiben des Ministerpräsidenten vom 3.12.1945 zur Aufnahme von Flüchtlingen aus den Ostgebieten

Minister Röhle bezieht sich auf das Protokoll der Kabinettssitzung vom 30.4.47, letzter Absatz, den er zu berichtigen bittet 2. Er habe nicht gesagt, daß das Schreiben vom 3.12.45 nicht vorhanden sei. Er würde gegebenenfalls unter Eid aussagen, daß eine Kopie eines solchen Schreibens bei den Akten existiert habe. Der Ministerpräsident widerspricht Herrn Minister Röhle und weist darauf hin, daß er in der Sitzung vom 30.4. mit Bestimmtheit behauptet habe, wenn ein solches Schreiben herausgegangen wäre, dann müsse es ihm bekannt sein, da nach dem damaligen Geschäftsgang alle Vorlagen des Regierungsrats Schmitz nur durch seine – Röhles – Hand dem Regierungspräsidenten zugeleitet worden seien. In der letzten Sitzung des Ministerrats habe Minister Röhle ausdrücklich erklärt, er könne sich an dieses Schreiben nicht erinnern. Erst ein oder zwei Tage später sei Minister Röhle dann zu ihm – Ministerpräsident – gekommen, habe ihm erklärt, daß die Kopie eines solchen Schreibens existiert habe, und zwar sei es ihm von dem jetzigen Ministerialrat Gräfe etwa Anfang 1946 gezeigt worden.

1Durchschlag (maschinenschr. „gezeichnet Dr. Boden“) in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 8186, Nr. 4535, S. 193-195 und in Best. 700,155 Nr. 62, S. 271-273.
2Zuletzt 26. MRS am 30.4.1947, TOP 5

B. Wahlpropaganda der Landesregierung betr. die Annahme der Verfassung

Auf Veranlassung des Innenministers nimmt der Ministerrat zu den seitens der Minister der SPD und der KPD vorgetragenen Einwendungen über die Wahlpropaganda der Landesregierung für die Annahme der Verfassung, angeordnet durch einen Erlaß des Ministerpräsidenten vom 9.5.47, 3 wie folgt Stellung:

Der Ministerpräsident vertritt seinen Standpunkt, daß er gemäß § 1 der Geschäftsordnung für die vorläufige Landesregierung („Der Ministerpräsident bestimmt die Richtlinien der Politik”) nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet sei, für die Annahme der Verfassung und nur hierfür, nicht etwa auch für die Abstimmung über die Schulfrage 4, die Bevölkerung aufzufordern. An dieser auch von der Militärregierung gebilligten Auffassung müsse er grundsätzlich festhalten. Nach eingehender Beratung erklärt er sich jedoch bereit, um auch in dieser Frage eine Einmütigkeit des Ministerrats herbeizuführen, die weitere Verteilung dieses Propagandamaterials durch sofortige Anweisung an alle damit beauftragten Stellen einstellen zu lassen 5.

3Auch der Erlass selbst bezeichnet das zur Verteilung bestimmte Material […]
1947, Mai 47|

28. Ministerratssitzung 29.5.1947

28. Ministerratssitzung am Donnerstag, den 29.5.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Dr. Boden
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung
  • 1. Errichtung eines Konjunkturforschungsinstitutes
  • 2. Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts über die Betreuung der Kriegsopfer
  • 3. Ernährungslage
  • 4. Bezüge der ausscheidenden Minister

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 8186, Nr. 4535, S. 197-199, in Best. 700,155 Nr. 62, S. 275-277, und in Best. 700,177 Nr. 654, S. 15-16.

1. Errichtung eines Konjunkturforschungsinstitutes

Minister Dr. Haberer legt eine Landesverordnung über die Errichtung eines Konjunkturforschungsinstitutes vor 2 und bittet um möglichst sofortige Verabschiedung, die Zustimmung der Militärregierung liege vor. Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß es sich um eine Organisationsfrage innerhalb eines Ministeriums handele, zu deren Durchführung im Wege einer Verfügung der Ressortminister allein zuständig ist 3.

2. Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts über die Betreuung der Kriegsopfer

Minister Röhle bittet um Verabschiedung der Landesverordnung über Vereinheitlichung des Verwaltungsrechts über die Betreuung der Kriegsopfer 4. Der Ministerpräsident hält es für zweckmäßig, Beratung und Verabschiedung dieser Landesverordnung bei den Etatsberatungen vorzunehmen, die im Laufe des Juni durchgeführt werden müssen 5.

2Zuletzt 11. MRS am 27.1.1947, TOP 1, sowie Best. 950 Nr. 11351.
3Mit Datum vom 15.5.1947 erließ Minister Haberer die Lvfg. über die Bildung eines Institutes für Wirtschaftsforschung (GVBl. I 1947 S. 350).
4Dieser TOP war bereits auf der TO für die 22. MRS am 3.4.1947 vorgesehen, aber nicht behandelt worden.
5Entwurf mit Begründung in Best. 910 Nr. 6035, Nr. 4738 und Nr. 4760; vgl. Best. 900 Nr. 403; Hudemann, Sozialpolitik, S. 475-500, bes. S. 483-486; Brommer, Landesregierung, S. 535. Das Vorhaben wurde zunächst am 29.7.1947 im LT vorgestellt (LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 41; ebd., Abt. II, Nr. 35). Da aufgrund der damit gegebenen finanziellen Belastungen (Hudemann, Sozialpolitik, S. 484) weder mit einer Zustimmung des Finanzministers noch der Militärregierung zu rechnen war, schlug der Sozialpolitische LT-Ausschuss vor, die für Hessen-Pfalz existierende Regelung vom 12.12.1945 (Amtliche Mitteilungen des Oberregierungspräsidiums Hessen-Pfalz 1945/1946, S. 1) auf dem Verordnungswege auf das ganze Land auszudehnen (vgl. auch Best. 860 Nr. 4337, S. 1-2). Die daraus resultierende „Rechts[an]ordnung über die Neuregelung der Versorgung der Opfer des Krieges und ihrer Hinterbliebenen“ wurde in der 59. MRS am 30.12.1947, TOP D, vorgelegt und beschlossen, musste aber aus rechtlichen Gründen noch in die Form einer Gesetzesvorlage gebracht werden. Auf der Grundlage dieses neuen Entwurfes (LT RLP, 1. WP., Drucks. Abt. II, Nr. 237) wurde die Maßnahme als „Gesetz zur vorläufigen Versorgung der Kriegsopfer und ihrer […]
1947, Mai 47|

29. Ministerratssitzung 3.6.1947

29. Ministerratssitzung am Dienstag, den 3.6.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Dr. Boden
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger

Dr. Süsterhenn erschien erst zum Schluß der Sitzung.

Tagesordnung
  • A. Ernährungslage
  • B. Ministerpräsidentenkonferenz in München
  • C. Landespressestelle

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 8186, in Nr. 4535, S. 201-207, in Best. 700,155 Nr. 62, S. 279-287, und in Best. 700,177 Nr. 654, S.11-14. Druck: Brommer, Quellen, S. 447-451.
2Über den Beginn der Sitzung liegen keine Angaben vor.

A. Ernährungslage

Ministerpräsident Dr. Boden eröffnete die Sitzung, indem er Minister Stübinger bat, in Anbetracht der veränderten Ernährungslage einen Bericht über seine Verhandlungen mit der Militärregierung zu erstatten und Vorschläge darüber zu machen, was bis zum Anschluß an die neue Ernte zur Sicherung der Ernährung getan werden könne 3.

Minister Stübinger: Das schwierigste Problem ist das der Brotversorgung. Ich habe seinerzeit im Landtag erklärt 4, daß unsere Brotversorgung sichergestellt ist bis zum 1. Juni. Unser Ablieferungssoll betrug 151.600 t Brotgetreide. Mit diesen Mengen sollte die Versorgung bis zum 15.5. bzw. 1.6.47 sichergestellt sein. Diese Menge ist fast restlos abgeliefert worden 5. Über diese Situation waren wir uns zusammen mit der Militärregierung völlig klar. Nachdem sich vor etwa 14 Tagen die ersten Schwierigkeiten zeigten, sahen der Ministerpräsident und ich uns veranlaßt, bei dem Herrn Generalgouverneur darauf aufmerksam zu machen 6, daß unsere Getreidevorräte lediglich noch vier Wochen ausreichen würden. Das war zwei oder drei Tage vor der Wahl. Der Gouverneur war sehr erstaunt und erklärte im Beisein von Kommandant Ribeyrol 7 und Generalsekretär Landron 8, zu irgendwelchen Besorgnissen bestehe kein Anlaß und Stokkungen würden nicht eintreten. Ich habe dem Gouverneur erklärt, daß ich nicht die Absicht hatte, Kritik zu üben, aber ich wollte doch darauf aufmerksam machen, daß nur noch für drei Wochen Brotgetreide vorhanden sei. Nach einigen Tagen habe ich mich in Ludwigshafen und Worms erkundigt, welche Einfuhren getätigt worden seien. Ich erfuhr dann, dass größere Mengen an Mais und amerikanischem Getreide eingetroffen seien. Ich sah mich dann veranlaßt, in der Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, daß die Brotversorgung sichergestellt sei. Vor etwa acht Tagen wurde nun der Zentralausschuß für Ernährung in Baden-Baden zusammengerufen 9. Dort wurde den deutschen Vertretern erklärt, daß sich gewisse Schwierigkeiten ergeben hätten. Wir selbst hatten bereits festgestellt, daß sich in den größeren Städten Schlangen bildeten 10. Man teilte uns mit, daß Schwierigkeiten dadurch eingetreten seien, daß die Einfuhren nicht wie erwartet eintrafen. Man sehe sich daher gezwungen, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen. Heute vor acht Tagen wurde in […]

1947, Juni 47|

30. Ministerratssitzung 11.6.1947

30. Ministerratssitzung am Mittwoch, den 11.6.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Dr. Boden
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung
  • A. Ernährungslage
    • 1 Bericht über die Münchener Tagung der Ministerpräsidenten
  • B. Flüchtlingsproblem
    • 2 Bericht über die Rückgliederung der Gemeinden aus dem Kreise Saarburg etc.
    • 3 Beschlußfassung über die endgültige Wortfassung der Landesverordnung zum Schutz der Volksernährung
    • 4 Übernahme von Ausfallbürgschaften durch das Land Rheinland-Pfalz bei Holzlieferungen
    • 5 Personalie
    • 6 Ferngespräche der Minister

A. Ernährungslage

Ministerpräsident Dr. Boden eröffnete die Sitzung, indem er drei Telegramme aus dem Ludwigshafener Gebiet verlas, die sämtlich die außerordentlich schwierige Ernährungslage zum Inhalt hatten 2. Minister Stübinger erklärte, daß alles zur Sicherstellung der Ernährung getan würde. Es dürfe aber nicht übersehen werden, daß wir im Vergleich mit der englischen und amerikanischen Zone hier noch die besseren Rationssätze hätten 3. Er sei aber erstaunt darüber, daß die rheinischpfälzischen Zeitungen seinen Rechenschaftsbericht im Landtag nur mangelhaft wiedergegeben hätten 4.

Minister Dr. Süsterhenn schlägt ergänzend vor:

  1. 1. den wesentlichen Inhalt der Ausführungen des Ministers Stübinger auch jetzt noch bekanntzugeben, da diese Ausführungen noch nichts an Aktualität verloren hätten,
  2. 2. Vergleichsziffern aus den anderen Zonen der Öffentlichkeit bekanntzugeben,
  3. 3. Abschrift der Telegramme an die Militärregierung zu leiten.

    Minister Stübinger wird diese Telegramme im Landtag in einem Allgemeinbericht des Ernährungsausschusses verwenden 5.

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860 Nr. 9601, in Nr. 8186, in Best. 700,155 Nr. 62, S. 290-295, und in Best. 700,177 Nr. 654, S. 7-10.
2Zuletzt 29. MRS am 3.6.1947, TOP A. Die Telegramme konnten nicht nachgewiesen werden. Vgl. 3. MRS vom 10.12.1946, TOP D sowie die Ausführungen Stübingers in der Sitzung des Präsidialernährungsausschusses Pfalz am 10.3.1947 (LASp Best. H 13 Nr. 97, S. 54 ff.). Die Versorgung speziell der Pfalz blieb im ganzen Jahr 1947 kritisch, wie u. a. einem Vermerk für den Minister für Ernährung und Landwirtschaft vom 11.9.1947 zu entnehmen ist, der zum Versuch eines Tauschgeschäfts von Wein aus der Pfalz gegen Kartoffeln aus Gemeinden des Hunsrücks Stellung nimmt (Best. 940 Nr. 49, S. 361). Ähnlich ein Schreiben Minister Stübingers vom 11.7.1947 über „die schwierige Lage der Kartoffelversorgung, besonders in einigen Städten der Pfalz“, an die Fraktion der DP im LT (ebd. S. 369). Vorausgegangen war eine entsprechende Anfrage der DP-Fraktion, die in ihrem Schreiben vom 25.6.1947 behauptete, dass der zwischen Pirmasens und Koblenz verkehrende Eilzug von ärmeren Bevölkerungskreisen benutzt werde, um im Tausch, z. B. gegen Schuhe, im Hunsrück und sogar noch im Kreis Mayen Kartoffeln zu erwerben (ebd. […]
1947, Juni 47|

31. Ministerratssitzung 12.6.1947

31. Ministerratssitzung am Donnerstag, den 12.6.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Dr. Boden
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung
  • A. Wahl zum Landtag
  • B. Enteignungsrecht
  • C. Betriebsrätegesetz

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860 Nr. 9601, Nr. 8186, in Best. 700,155 Nr. 62, S. 297 und in Best. 700,177 Nr. 654, S. 6.

A. Wahl zum Landtag

Der Ministerpräsident eröffnete die Sitzung und legte den Entwurf einer Ergänzungsverordnung über die Wahl zum Landtag von Rheinland-Pfalz vor 2. Dieser wurde nach Beratung einstimmig vom Ministerrat angenommen. Der Ministerpräsident erhielt gleichzeitig die Ermächtigung, dem Herrn Landtagspräsidenten diesen Entwurf zuzufertigen und ihm gleichzeitig als Wunsch der Landesregierung mitzuteilen, daß der Ministerrat die erste, zweite und dritte Lesung im Landtag begrüßen würde 3.

B. Enteignungsrecht

Der Beschluß über die Verleihung des Enteignungsrechts wurde vom Ministerrat einstimmig angenommen 4.

C. Betriebsrätegesetz

Auf das Betriebsrätegesetz 5 zurückkommend, berichtet Minister Dr. Süsterhenn, daß Herr Landgerichtsdirektor Dr. Rotberg nochmals eine eingehende Prüfung vorgenommen habe. Die Militärregierung müsse vom Arbeitsministerium veranlaßt werden, das Datum ihrer Genehmigung dem hiesigen Beschlußfassungsdatum anzupassen 6.

2Zuletzt 21. MRS am 25.3.1947, TOP 1; vgl.Best. 860 Nr. 4020, S. 21.
3Der Antrag (LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. II, Nr. 3) wurde in der LT-Sitzung am 13.6.1947 beschlossen (ebd., Drucks. Abt. I, S. 14). Die VO wurde gleichlautend mit verschiedenen Daten ausgefertigt: unter dem 13.6.1947 in der Nr. 20 des GVBl. I 1947 (S. 317) und unter dem 25.6.1947 in der vorherigen Ausgabe Nr. 19 (ebd., S. 301).
4Zur Durchführung vgl. Best. 950 Nr. 11427. Vgl. Brommer, Landesregierung, S. 545.
5Zuletzt 27. MRS am 13.5.1947, TOP C.
6Fortgang 104. MRS am 23.11.1948, TOP 11.

1947, Juni 47|

32. Ministerratssitzung 15.7.1947

32. Ministerratssitzung am Dienstag, den 15.7.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Neumayer
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn,
  • Chef des Staatsministeriums a.D. Dr. Haberer
Tagesordnung:
  • A. Verhältnis der Minister und Regierungsparteien zueinander
  • B. Verhandlungen des MinPräs mit der Militärregierung (1.)
  • C. Demontage
  • D. Beamtenernennungen
  • E. Mitteilungen des Ministerpräsidenten (2.)
  • F. Vertretung des Ministerpräsidenten
  • G. Zuteilung des Verkehrsressorts an das Wirtschaftsministerium
  • H. Wagen- und Benzinfrage
  • I. Fragebogen der Minister
  • J. Materialbeschaffung
  • K. Information der Öffentlichkeit über die Arbeit der Landesregierung
  • L. Münchener Ministerpräsidentenkonferenz
  • M. Flüchtlingsprobleme
  • N. Umzug von Ministerien in das frühere Oberpräsidium
  • O. Besetzung der Stellen des Oberpräsidenten und des Vizepräsidenten der Pfalz (3)
  • P. Übergangsgelder für Provinzialdirektoren
  • Q. Generaldirektor der Landeszentralbank (3)
  • R. Stellenbesetzungen in den Ministerien und weitere Personalangelegenheiten
  • S. Statistisches Landesamt
  • T. Vorlagen aus der Zeit des Übergangskabinetts
  • U. Wiedereinstellung von zurückgekehrten Kriegsgefangenen
  • V. Ernährungslage (4.)

1Ausfertigung in Best. 860 Nr. 9602 und in Best. 700,169 Nr. 135, S. 509-519; Durchschlag in Best. 860 Nr. 8187 (auf 1. Seite oben rechts handschr. vermerkt: „Eidesformel“). Anlagen: 1. TO; 2. Erläuterung zum TOP 2 (Best. 860 Nr. 9602; Best. 700,169 Nr. 135, S. 521 und S. 523).

A. Verhältnis der Minister und Regierungsparteien zueinander

Ministerpräsident Altmeier 2 appelliert zunächst an das Vertrauen der Minister untereinander. Man müsse sich mit aller Offenheit und Kameradschaft begegnen. Das Verhalten im Ministerrat müsse beispielgebend sein für das Toleranzabkommen, das die Parteien untereinander abgeschlossen haben 3. Der Ministerpräsident bittet auch seinerseits um Vertrauen und wechselt mit den Ministern den Handschlag zu kameradschaftlicher Zusammenarbeit.

Minister Steffan führt dann in kurzen Worten aus, daß es für ihn und seine Kollegen von der SPD selbstverständlich sei, in echter Kameradschaft die gemeinsame schwere Aufgabe zu lösen. Es seien ihm jedoch Nachrichten zugegangen, daß in einer CDU-Versammlung in Neuwied die gehässigsten Angriffe gegen seine Ministerkollegen von der SPD und die SPD selbst gestartet worden seien. Das sei keine Basis für Zusammenarbeit. Minister Dr. Süsterhenn, der als Sprecher auf der erwähnten CDU-Delegiertentagung in Neuwied anwesend war, erklärt, daß während seiner Anwesenheit in keiner Weise irgendwelche Angriffe gegen die SPD oder die Minister der SPD erfolgt seien. Minister Steffan nimmt von dieser Erklärung Kenntnis.

B. Verhandlungen des MinPräs mit der Militärregierung

Sodann gibt der Ministerpräsident einen umfassenden Bericht […]

1947, Juli 47|

33. Ministerratssitzung 22.7.1947

33. Ministerratssitzung am Dienstag, den 22.7.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Neumayer
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef des Staatsministeriums Dr. Haberer
Tagesordnung 2
  • 1. Bericht des Ministerpräsidenten über Angelegenheiten der Pfalz
  • 2. Frage des Verkehrsministeriums
  • 3. Wagen- und Benzinzuteilung der Minister
  • 4. Dienstbezüge der Minister usw.
  • A. Besetzung des Postens des Regierungspräsidenten in Montabaur (6.) und weitere Ernennungen
  • B. Konferenz über Flüchtlingsausgleich (9.)
  • C. Demontage (7.)
  • D. Brennstoffversorgung (8.)
  • E. Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Staatsministerium und Innenministerium hinsichtlich der Beamtenfragen (5.)
  • F. Sitzungen der Landtagsausschüsse
  • G. Titel von Dr. Wuermeling

1Ausfertigung in Best. 700,169 Nr. 135, S. 485-493 und in Best. 860 Nr. 9602; Durchschlag in Best. 860 Nr. 8187 und in Best. 700,177 Nr. 654, S. 1-5. Anlagen: 1. TO; 2. LVO zur Regelung der Dienstbezüge der leitenden Beamten der Zentral- und Mittelbehörden des Landes mit Begleitschreiben von Finanzminister Dr. Hoffmann an den Min-Präs vom 17.7.1947 und Begründung (Best. 860 Nr. 9602; Best. 700,169 Nr. 135, S. 507 und S. 495-501, mit Notizen des MinPräs zum Finanzbedarf der Regierung ebd., S. 503 und 505).
2Auf der vorgegebenen TO als TOP 10: Mitteilungen.

1. Bericht des Ministerpräsidenten über Angelegenheiten der Pfalz

Ministerpräsident Altmeier gibt zunächst einen kurzen Bericht über die Einführung des Abgeordneten Bögler als Oberregierungspräsident der Pfalz 3 und des Generalstaatsanwalts Dr. Doller als Oberregierungs-Vizepräsident 4. Der Ministerpräsident berichtet in diesem Zusammenhang, daß die französische Militärregierung an der Einführung nicht teilgenommen habe und zwar – wie sie mitgeteilt habe – mit Rücksicht auf die durch die angenommene Verfassung eingetretene veränderte Lage, wonach diese Berufungen eine deutsche Angelegenheit sei 5.

2. Frage des Verkehrsministeriums 6

Minister Neumayer trägt vor, daß die in der letzten Ministerratssitzung beschlossene Besprechung zwischen ihm und Minister Feller stattgefunden habe, zu einem Ergebnis sei man indes nicht gelangt. Er vertrete nach wie vor die Ansicht, daß der Verkehr ein Teil der Wirtschaft sei und deshalb unbedingt beim Wirtschaftsministerium verbleiben müsse. In allen deutschen Ländern sei der Verkehr ebenfalls dem Wirtschaftsministerium angegliedert. Minister Feller führt aus, er sei der Ansicht, der Verkehr gehöre zum Wiederaufbau, da der Wiederaufbau ohne Transportmittel undenkbar sei. Seine Partei würde eine andere Entscheidung als Benachteiligung ansehen. Der Diskussion schließt sich eine Abstimmung an, die sieben Stimmen für die Zugehörigkeit von Wirtschaft und Verkehr, und eine Stimme für die Kombination Wiederaufbau und Verkehr ergibt; Minister Bökenkrü-ger enthält sich der Stimmabgabe

1947, Juli 47|

34. Ministerratssitzung 29.7.1947

34. Ministerratssitzung am Dienstag, den 29.7.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Neumayer
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef des Staatsministeriums a.D. Dr. Haberer
Tagesordnung
  • A. Tagesordnung des Landtags
  • B. Demontage
  • C. Landesgesetz zur Ausführung des Artikels 97 der Verfassung
  • D. Geschäftsordnung des Landtages
  • E. Gesetz zur Bildung vorläufiger Amtsvertretungen und die vorläufige Bestellung von Amtsbürgermeistern und Amtsbeigeordneten in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier
  • F. Entwurf eines Landesgesetzes zur Änderung der Bestimmungen über das Nachrücken von Kandidaten in den Kreisversammlungen
  • G. Bericht des Flüchtlingsausschusses
  • H. Gesetz zur Vereinheitlichung und Versorgung der Kriegsopfer
  • I. Erlaß eines Amnestiegesetzes
  • J. Gesetz über die Aufnahme von Anleihen und Krediten und die Übernahme von Bürgschaften für das Land Rheinland-Pfalz
  • K. Ferien des Landtags

1Ausfertigung in Best. 860 Nr. 9602 und in Best. 700,169 Nr. 135, S. 475-481; Durchschlag in Best. 860 Nr. 8187. Anlage: TO für die LT-Sitzung am 29. Juli 1947 (Best. 860 Nr. 9602; Best. 700,169 Nr. 135, S. 483).

A. Tagesordnung des Landtags

Der Ministerpräsident eröffnet die Sitzung. Es sollen die auf der Tagesordnung des Landtags stehenden Gesetzesentwürfe und die Art ihrer Erledigung besprochen werden. 2 Der Ministerpräsident weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Landesverordnung zur Vereinheitlichung der Versorgung der Kriegsopfer seitens des Arbeitsministers als Regierungsvorlage, ohne daß sie vorher im Ministerrat besprochen worden sei, dem Landtag zugewiesen worden war 3. Desgleichen beanstandet er die Weiterleitung des Gesetzesentwurfes über die Aufnahme von Anleihen und Krediten und die Übernahme von Bürgschaften für das Land Rheinland-Pfalz durch den Finanzminister an den Landtag ohne vorherige Fühlungnahme mit dem Ministerrat 4. Der Ministerpräsident weist mit allem Nachdruck darauf hin, daß für die Zukunft derartige Vorlagen zunächst im Ministerrat besprochen und dann durch das Staatsministerium dem Landtag zugeleitet werden. Minister Dr. Hoffmann führt aus, er habe die Vorlage über die Aufnahme von Anleihen und Bürgschaften nur aus dem Grunde unmittelbar dem Landtag übergeben, weil die Militärregierung eine sofortige Erledigung dieses Gesetzes gefordert [hatte] und das Gerücht im Umlauf war, der Landtag gehe in Ferien. Minister Bökenkrüger erklärt sein Vorgehen damit, daß nach seiner Information die Angelegenheit der Versorgung der Kriegsopfer zu wiederholten Malen im Kabinett besprochen worden sei. Deshalb sei er der Auffassung gewesen, die Sache könne unmittelbar dem Landtag zugewiesen werden 5.

2Vgl. dazu die Behandlung dieser Punkte in der Besprechung des MinPräs mit der Militärregierung am 26.7.1947 (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 129-130).
3Bezug: LT […]
1947, Juli 47|
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