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78. Ministerratssitzung am Dienstag, den 15.6.19481

Anwesend :
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef der Staatskanzlei Dr. Haberer
1Ausfertigung (korr.) in Best. 860 Nr. 9606 und in Best. 700,169 Nr. 138, S. 227-231; Durchschlag (korr.) in Best. 860 Nr. 8188 und in Nr. 2975, S. 95-99. Anlagen: 1. TO für die Plenarsitzung des LT RLP am 16.6.1948 im großen Saale des Rathauses zu Koblenz; 2. Gesetz zur Sicherung der Arbeitsplätze, insbes. vor Massenentlassungen (Best. 860 Nr. 9606; Best. 700,169 Nr. 138, S. 233-241).
Tagesordnung:
  • A. Besuch des Ministerpräsidenten Hoffmann, Saarbrücken
  • B. Währungsreform
  • C. Besprechung der Tagesordnung über die Sitzung des Landtags vom 16.6.48
  • D. Gesetz zur Sicherung der Arbeitsplätze

A. Besuch des Ministerpräsidenten Hoffmann, Saarbrücken

Vor Eintritt in die Tagesordnung berichtet der Ministerpräsident über den in der letzten Sitzung des Ministerrats avisierten Besuch des Ministerpräsidenten Hoffmann, Saarbrücken. „Dieser hat erklärt“, so führt Ministerpräsident Altmeier aus, „daß er von einer Fahrt nach Engers (Verwandte) kommend die Gelegenheit benutzen wolle, mir einen Besuch zu machen, um bei dieser Gelegenheit die Grenzregulierungen zu besprechen 2, weil sich in verschiedenen Gemeinden wie Kirrberg 3, Amtsbürgermeisterei Nonnweiler, Eichelscheiderhof 4 die Notwendigkeit hierzu ergeben hätte.

Ich (Ministerpräsident Altmeier) habe zunächst klargestellt:

a) Wir sind bei der Schaffung des Saargebietes und bei den Grenzfestsetzungen nicht gefragt worden. Es handelt sich hierbei vielmehr um ein Diktat der Siegermächte.

b) Daraus ergibt sich für die Landesregierung die Unmöglichkeit, jetzt zusätzlich und dadurch freiwillig Gebiete abzutreten.

Ministerpräsident Hoffmann erwiderte, daß er diesen politischen Standpunkt verstehe und würdige, andererseits dürfe man aber die Menschen, die dadurch betroffen würden, nicht zugrunde gehen lassen. Er beabsichtige in keiner Weise eine einseitige Gebietsabgabe zu propagieren, sondern er glaube, daß man im Wege des Gebietsaustausches alle Wünsche befriedigen könne.

Ich ersuchte Ministerpräsident Hoffmann diesbezügliche Vorschläge schriftlich einzureichen, wobei dann nach Vorliegen derselben gegebenenfalls eine gemeinsame Grenzbesichtigung vereinbart werden könnte.

Weiterhin besprach ich mit Hoffmann bei dieser Gelegenheit die Unmöglichkeit, daß Rheinland-Pfalz Milch aus den Grenzkreisen nach dem Saargebiet liefert 5, während diese Milch der eigenen Bevölkerung fehlt. Ministerpräsident Hoffmann hatte Verständnis dafür und sagte eine sofortige Überprüfung der ihm unbekannten Lieferungen zu.“

2Zuletzt 77. MRS am 11.6.1948, TOP 4.
3Vgl. 77. MRS am 11.6.1948, TOP 5.
4Best. 860 Nr. 2065.
5Johannes Hoffmann (1890-1967), vor 1914 Studium der Theologie in Trier, Innsbruck und Freiburg, 1914-1918 Militärdienst, nach 1918 Studium der Volkswirtschaft in Berlin, anschließend journalistischer Tätigkeit, 1929-1935 Chefredakteur der „Saarbrücker Landeszeitung“, 1935-1945 Emigration über Luxemburg nach Frankreich, 1941 Flucht aus einem bretonischen Internierungslager über Portugal bis nach Brasilien, 1945 Rückkehr nach Deutschland, 1947-1955 Ministerpräsident des Saarlandes (Küppers, Johnannes Hoffmann). – Zur Frage der Milchlieferungen an das Saarland vgl. Best. 860 Nr. 956, S. 89 und S. 91.

B. Währungsreform 6

Ministerialrat Dr. Dahlgrün gab einen Überblick über die beabsichtigte Währungsreform, wobei insbesondere die Fragen hinsichtlich der Barbestände der öffentlichen Kassen etc. eingehend erörtert wurden. 7

6Zuletzt 77. MRS am 11.6.1948, TOP 11.
7Fortgang 79. MRS am 18.6.1948, TOP 2.

C. Besprechung der Tagesordnung über die Sitzung des Landtags vom 16.6.48 8

Der Ministerpräsident legte die von ihm in der letzten Sitzung des Ministerrats angekündigte Rede über die Londoner Konferenz 9 für die Sitzung des Landtags vor, die ohne Veränderungen einstimmig gebilligt wurde. 10

Die von Minister Bökenkrüger vorgelegte Erklärung wurde ebenfalls mit einigen Ergänzungen bzw. Streichungen angenommen. 11

Die vorgesehene Erklärung des Ministers Stübinger 12 lag nicht vor. Minister Stübinger gab sie in ihren Grundzügen bekannt. Sie wird insbesondere die Viehauflage behandeln und dabei von dem Schreiben ausgehen, welches der Ministerrat am 11.6.1948 der Militärregierung zugeleitet hat. 13

Bei den Regierungserklärungen ist man der Auffassung, den Fraktionen eine zustimmende Resolution vorzuschlagen, wobei der Wirkung wegen auf eine Aussprache verzichtet werden soll.

8Siehe oben Anm. 1, Anlage Nr. 1.
9Vgl. 74. MRS am 25.5.1948.
10LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 684-688; Best. 860 Nr. 967, S. 217-232 sowie S. 248-253.
11LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 680 f.
12LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 681-684.
13Zuletzt 77. MRS am 11.6.1948, TOP 14.b). – Fortgang 79. MRS am 18.6.1948, TOP 1

D. Gesetz zur Sicherung der Arbeitsplätze

Der allgemeine Gewerkschaftsbund hat einen Gesetzesvorschlag gemacht 14 mit dem Ziele, angesichts der bevorstehenden Währungsreform eine Kündigungssperre für drei Monate einzuführen. Wie aus einer Drucksache des Landtags hervorgeht, haben die Kommunisten diesen Vorschlag der Gewerkschaften abgeschrieben mit der Erweiterung des Schutzes auf sechs Monate 15. Minister Bökenkrüger weist darauf hin, daß die bevorstehenden Kontrollratsbestimmungen einen Kündigungsschutz bereits vorsehen, weil die Arbeitsämter zustimmen müssen. Er wird beauftragt, die Rechtslage sofort zu überprüfen und gegebenenfalls noch vor Beginn der Landtagssitzung eine Gesetzesvorlage einzubringen.

Anmerkung: Diese Gesetzesvorlage wurde später dem Landtag zugeleitet (Drucks. 461) 16. Eine Beschlußfassung des Ministerrats war nicht mehr möglich, dagegen wurde die Zustimmung der Minister einzeln herbeigeführt.

Im übrigen wurden die verschiedenen Punkte der Tagesordnung des Landtags eingehend beraten.

14Siehe oben Anm. 1, Anlage Nr. 2.
15Best. 860 Nr. 4066.
16Das Gesetz wurde am 17.6.1948 vom LT beschlossen und am 21.6.1948 ausgefertigt (LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 727-730 und S. 741; GVBl. I 1948, S. 241 f.; vgl. Best. 860 Nr. 4066 und Nr. 4095 sowie Best. 930 Nr. 4642). – Fortgang 98. MRS am 22.9.1948, TOP A.