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77. Ministerratssitzung am Freitag, den 11.6.19481

Anwesend 2:
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef der Staatskanzlei Dr. Haberer
Tagesordnung 3:
  • 1. Geschäftsordnung der Landesregierung
    • 1a) Umbenennung des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
    • 1b) Eingliederung des Landesdenkmalamtes in das Ministerium für Unterricht und Kultus
    • 1c) Unterstellung der chemischen und Nahrungsmittel – Untersuchungsämter unter das Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt
    • 1d) Überwachung des Güterund Warenverkehrs (Bildung der Wirtschaftspolizei und Zuständigkeitsabgrenzung zur Wirtschaftskontrolle beim Ministerium für Wirtschaft und Verkehr)
  • 2. Zuständigkeitsverteilung in Bau- und Bodenfragen zwischen den Ministerien für Gesundheit und Wohlfahrt, Wiederaufbau, Wirtschaft und Verkehr
  • 3. Besprechung der Vorschläge des Arbeitsministers betr. Gewerbeaufsicht (Bildung selbständiger Gewerbeaufsichtsämter)
  • 4. Angliederung von Gemeinden der Kreise Birkenfeld und Kusel an das Saargebiet
  • 5. Umgemeindung der Gemeinde Kirrberg nach Homburg/Saar
  • 6. Notstandsgebiet im Kreise Saarburg
  • 7. Marshallplan (Organisationsfragen)
  • 8.a) Wirtschaftskontrolle bei der Post
  • 8.b) Requisitionen im Regierungsbezirk Mainz
  • 8.c) Austausch der Haushaltspläne mit anderen Landesregierungen. Informationen über Staatsleistungen an die Kirchen
  • 9. Personalien
  • 10. Exportbonus
  • 11. Währungsreform
  • 12. Ernährungsfragen
  • 13. Fleischauflage
  • 14. Landtag am 16. Juni 1948
  • 15. Hausverwaltungen

1Ausfertigung (korr.) in Best. 860 Nr. 9606 und in Best. 700,169 Nr, 138, S. 243-265; Durchschlag in Best. 860 Nr. 8188 und in Nr. 2975 (korr.), S. 67-89. Anlagen: 1. Schreiben des MinPräs vom 11.6.1948 an den GenGouv betr. Viehentnahme aus dem Tierbestand des Landes; 2. TO; 3. Vermerk des Arbeitsministers vom 10.6.1948 betr. Maßnahmen bei der Währungsreform zur Regulierung der Gelder der Arbeitslosenversicherung und der LVA; 4. Vermerk des Arbeitsministers vom 9.6.1948 über einen Anruf des Finanzministers betr. den Landesstock der Arbeitsverwaltung; 5. Schreiben des Innenministers vom 17.12.1947 an den MinPräs betr. die Zuständigkeit für eine mögliche Zusammenfassung aller chemischen und Nahrungsmitteluntersuchungsämter des Landes in einem Amt unter staatlicher Leitung (mit Schreiben des Haushaltsund Finanzausschusses vom 21.10.1947 an den MinPräs und Antwortschreiben des Ministers für Landwirtschaft und Ernährung vom 4.12.1947 an den Haushaltsund Finanzausschuss) (Best. 700,169 Nr. 138, S. 267-285; in Best. 860 Nr. 9606 und in Nr. 2975, S. 91-93: nur Nr. 1, in Nr. 8188: nur Nr. 1 und Nr. 2)
2Keine Angaben dazu in der in Best. 700,169 Nr. 138, S. 243 überlieferten Fassung.
3Die ursprüngliche TO (Best. 700,169 Nr. 138, S. 271; Best. 860 Nr. 8188) sah nur TOP 1-8 vor. Außerdem war demnach vorgesehen, für den Fall, dass TOP 7 wegen Verhinderung des Sachverständigen Armbruster nicht behandelt werden könnte, „a) das Landesgesetz über die Anwendung der Rechtsanwaltsordnung, b) das Landesgesetz über die Vereinigung der staatlichen Ausführungebehörden für Unfallversicherung und der Gemeinde-Unfallversicherungsverbände“ zu behandeln.

1. Geschäftsordnung der Landesregierung

Der Entwurf einer Geschäftsordnung für die Landesregierung 4, der mit Schreiben der Staatskanzlei vom 2. März 1948 vorgelegt wurde 5, ist in der heutigen Sitzung des Ministerrats einstimmig mit folgenden Abänderungen bzw. Ergänzungen verabschiedet worden 6:

4Zuletzt 69. MRS am 2.4.1948, TOP 2.
5Vgl. 67. MRS am 4.3.1948, TOP 1.
6Vorlage in Best. 860 Nr. 6960; als Termin für die 77. MRS ist darauf irrtümlich der 10.6.1948 angegeben. Vgl. auch Nr. 6959.

§ 2 erhält folgende Neufassung:

„Staatskanzlei

(1) Zur Unterstützung des Ministerpräsidenten, in seiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt und Vorsitzender der Landesregierung, besteht die Staatskanzlei.

(2) Der Ministerrat trifft nähere Bestimmungen über Stellung und Aufgaben des Chefs der Staatskanzlei.“

§ 6 lautet:

„Aufbau der Ministerien

(1) An der Spitze jedes Ministeriums steht der Minister. Ständiger Vertreter des Ministers ist der Staatssekretär bzw. der Ministerialdirektor. Im übrigen wird der Vertreter durch den Minister bestimmt.

(3) Die Ministerien gliedern sich in Abteilungen unter je einem Abteilungsleiter, die Abteilungen in Referate.

(4) Jedes Ministerium hat einen Organisationsplan sowie eine Geschäftsund Registraturordnung aufzustellen. Diese sind der Staatskanzlei und den übrigen Ministerien mitzuteilen.“

§ 7 lautet:

„Selbständigkeit der Minister

(1) Im Rahmen der Richtlinien des Ministerpräsidenten (§ 1) leiten die Minister ihren Geschäftsbereich selbständig und unter eigener Verantwortung gegenüber dem Landtag (Art. 104 der Verfassung).

(2) Die Minister führen folgende Bezeichnung:

‚Rheinland-Pfalz

Ministerium des Innern

Ministerium der Justiz

Ministerium für Unterricht und Kultus

Ministerium für Wirtschaft und Verkehr

Ministerium für Finanzen

Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Ministerium der Arbeit

Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt

Ministerium für Wiederaufbau.‘

§ 8: Beteiligung der übrigen Ministerien

Bei Angelegenheiten, die den Geschäftsbereich mehrerer Ministerien berühren, hat das federführende Ministerium die übrigen von Anfang an zu beteiligen. Insbesondere ist der Minister des Innern bei allen Fragen der Organisation der staatlichen Verwaltungsbehörden und bei allen Beamtenangelegenheiten (§ 25) und das Finanzministerium bei allen Maßnahmen zu beteiligen, die eine finanzielle Auswirkung haben.“

§ 10: Erlaß von Vorschriften

Der Abschnitt (6) erhält folgende Neufassung:

„(6) Landesgesetze werden im Gesetzund Verordnungsblatt (Art. 113 der Verfassung) verkündet. Landesverordnungen und Landesverfügungen können in anderer Weise veröffentlicht werden.“

„§ 12: Vertretung der Minister

Ist ein Minister verhindert an einer Sitzung des Ministerrats teilzunehmen, so kann er mit seiner Vertretung seinen ständigen Vertreter (§ 6 Abs. 2) oder einen sonstigen Beamten seines Ministeriums ausdrücklich beauftragen. Der Beauftragte hat kein Stimmrecht.

§ 18: Niederschriften

(1) Über die Sitzungen des Ministerrats ist eine Niederschrift aufzunehmen. Sie muß den wesentlichen Gang der Beratung sowie die von dem Ministerrat gefaßten Beschlüsse enthalten. Die Niederschrift ist von dem Chef der Staatskanzlei, der damit die Verantwortung für die Richtigkeit übernimmt, zu unterzeichnen.

(2) Von der Niederschrift erhält jeder Minister eine Ausfertigung. Eine Ausfertigung der einzelnen Beschlüsse geht an die zuständigen Fachministerien.

(3) Widersprüche gegen die Richtigkeit der Niederschrift sind bei der Staatskanzlei anzubringen.“

§ 19: Behandlung kleiner Anfragen

In Abs. 1 wird hinter die Worte „leitet die Staatskanzlei” das Wort „unverzüglich” eingefügt.

§ 24: Zuständigkeit für beamtenrechtliche Maßnahmen

Abs. 4 muß heißen:

„(4) Einstellungen und Beförderungen dürfen nur im Rahmen des genehmigten Stellenplanes vorgenommen werden.

§ 25: Referat für Beamtenfragen

Abs. a) muß heißen:

„Allgemeine Beamtenund Behördenangestelltenfragen (Beamtengesetz, Polizeibeamtengesetz, Grundsätze über Einstellung, Anstellung und Beförderung von Beamten, Tarifordnung für Angestellte – TOA – Tarifordnung für Arbeiter – TOB – Richtlinien über Nebentätigkeit der Beamten, Dienstzeit, Zivilversorgung, Beamtenverbände)“

§ 26: Besoldungsfragen

In Abs. (2) wird in der zweitletzten Reihe das Wort „die” durch „der” ersetzt.

§ 27: Führung der Personalakten

Der 2. Abs. wird wie folgt geändert:

„(2) Über die Beamten und Angestellten der in § 24 Abs. 1 und 2 bezeichneten Art werden bei der Staatskanzlei Hilfsakten geführt.“

§ 28: Ernennungsvorschläge

„Vorschläge für die Ernennung der Beamten und Angestellten des höheren Dienstes sind unter Verwendung eines Formblattes durch den Minister vorzulegen.“

§ 30: Verteilung der Eingänge

„Die an die Landesregierung ohne Bezeichnung des Ministeriums gerichteten Sendungen werden von der Haupteingangsstelle nach Feststellung des zuständigen Ministeriums an dieses weitergeleitet. Über die Öffnung und Verteilung der bei den Ministerien eingehenden Sendungen trifft jeder Minister selbständig Regelung, wobei jedoch die folgenden Grundsätze zu beachten sind.“

§ 53 erhält folgende Neufassung:

„Ausfertigung von Gesetzen und Verordnungen

(1) Von dem endgültigen Text eines Gesetzes werden durch die Staatskanzlei drei Ausfertigungen hergestellt. Die Staatskanzlei ist für die Richtigkeit dieser Ausfertigungen verantwortlich. Die erste Ausfertigung wird entsprechend Art. 113 Abs. 1 der Verfassung von dem Ministerpräsidenten unter dem Datum der Ausfertigung wie folgt gezeichnet:

‚Koblenz, den …

Der Ministerpräsident

(Name)‘

Mit dieser Ausfertigung ist die nach der Verordnung Nr. 95 des französischen Oberkommandierenden erforderliche Genehmigung durch Schnur und Siegel zu verbinden. Alsdann geht diese Ausfertigung zum Gesetzesarchiv, das bei der Staatskanzlei zu führen ist.

(2) Die zweite Ausfertigung, deren Übereinstimmung mit der ersten vom Chef der Staatskanzlei zu bestätigen ist, geht über die Schriftleitung des Gesetzund Verordnungsblattes zur Druckerei.

(3) Die dritte Ausfertigung, deren Übereinstimmung mit der ersten gleichfalls vom Chef der Staatskanzlei zu bestätigen ist, geht zu dem federführenden Ministerium und wird dort zu den Vorgängen genommen.

(4) Abs. 1 bis 3 gelten entsprechend für Landesverordnungen. Soweit sie durch einen Minister oder mehrere Minister gemeinschaftlich erlassen werden, werden sie unter dem Datum der Ausfertigung wie folgt gezeichnet:

‚Koblenz, den …..

Ministerium …

von Rheinland-Pfalz

(Name)‘

§ 64: Geheimsachen

Abs. 2 erhält folgenden Zusatz: „ihre Weitergabe ist zu quittieren.”

Im § 71: „Genehmigung“ wird Abs. 2 gestrichen

§ 72 lautet:

„Sonstige Abwesenheit

Jeder bei der Landesregierung Beschäftigte, der innerhalb der Dienststunden abwesend ist, hat in seinem Büro zu hinterlassen, wann er voraussichtlich zurück ist, möglichst auch, wo er in eiligen Fällen zu erreichen ist.“

§ 73: Krankheit

„Alle bei der Landesregierung Beschäftigten haben von Erkrankungen ihren Dienstvorgesetzten mit tunlichster Beschleunigung unter Angabe der voraussichtlichen Krankheitsdauer Mitteilung zu machen. Bei Erkrankungen von über drei Tagen ist eine ärztliche Bescheinigung einzureichen.“

Im § 74: „Urlaub“

fällt Abs. 2 weg.

§ 82: Fahrbereitschaft

„Den gemeinsamen Bedürfnissen der Landesregierung dient eine Fahrbereitschaft.“

Die §§ 83 und 84 werden gestrichen.

Ein neuer § 83 lautet:

„Abweichende Geschäftsordnungsbestimmungen einzelner Ministerien treten mit Bekanntgabe dieser Geschäftsordnung außer Kraft.“

1.a) Umbenennung des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

Der Ministerrat beschließt, das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft nunmehr zu benennen: „Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.”

1.b) Eingliederung des Landesdenkmalamtes in das Ministerium für Unterricht und Kultus

Der Antrag des Kultusministeriums vom 12.11.1947 wird abgelehnt. Es verbleibt bei dem bisherigen Zustand. 7

1.c) Unterstellung der chemischen und Nahrungsmittel – Untersuchungsämter unter das Ministerium für Gesundheit und Wohlfahrt

Der Antrag des Gesundheitsund Wohlfahrtsministerium wird abgelehnt. Es verbleibt bei dem bisherigen Zustand. 8

1.d) Überwachung des Güterund Warenverkehrs 9 (Bildung der Wirtschaftspolizei 10 und Zuständigkeitsabgrenzung zur Wirtschaftskontrolle beim Ministerium für Wirtschaft und Verkehr 11)

Der Punkt wird von der Tagesordnung abgesetzt.

7Das Landesdenkmalamt entstand 1946 aus der eigenständigen, unmittelbar dem Kultusminister unterstellten Behörde des Provinzialkonservators zunächst für Rheinland-Hessen-Nassau, dann des Landeskonservators für das neue Land Rheinland-Pfalz. Vgl. Schreiben des Landeskonservators vom 24.2.1948, worin er sich gegen die damals per Organisationserlass beschlossene Eingliederung in das Ministerium verwahrte (Best. 910 Nr. 3429) sowie die Denkschrift zur Einrichtung eines Landesdenkmalamtes Rheinland-Pfalz, die der Landeskonsverator mit Schreiben vom 11.12.1946 dem Kultusminister vorlegte (ebd.). Vgl. ferner Best. 417 Nr. 515 sowie die Tätigkeitsberichte der Behörde in der Anfangszeit in der Reihe „Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz“, Jg. 1-3, 1945/1946-1948/1949 (Mainz 1950).
8Das chemische Untersuchungsamt Mainz unterstand dem dortigen Regierungspräsidium; die Ämter in Speyer, Worm, Ludwigshafen und Koblenz waren städtische Einrichtungen. Vgl. dazu oben Anm. 1, Anlage Nr. 5.
9Zuletzt 42. MRS am 12.9.1947, TOP G.
10Zuletzt 49. MRS am 24.10.1947, TOP 1.
11Zur Einrichtung des Amtes für Wirtschaftskontrolle vgl. 35. MRS am 1.8.1947, TOP H.

2. Zuständigkeitsverteilung in Bauund Bodenfragen zwischen den Ministerien für Gesundheit und Wohlfahrt, Wiederaufbau, Wirtschaft und Verkehr

Der Punkt wird von der Tagesordnung abgesetzt. 12

3. Besprechung der Vorschläge des Arbeitsministers betr. Gewerbeaufsicht (Bildung selbständiger Gewerbeaufsichtsämter)

Der Punkt wird von der Tagesordnung abgesetzt. 13

12Zuletzt 49. MRS am 24.10.1947, TOP 2.
13Zuletzt 42. MRS am 12.9.1947, TOP E. Vgl. Best. 880 Nr. 696 und Nr. 2524.

4. Angliederung von Gemeinden der Kreise Birkenfeld und Kusel an das Saargebiet 14

Der Ministerrat hat von den durch die Militärregierung angeordneten territorialen Veränderungen Kenntnis genommen 15. Er billigt die Vereinbarungen über die technischen Modalitäten, die damit zwischen den Vertretern der Verwaltungskommission des Saarlandes und der Landesregierung getroffen worden sind. 16

5. Umgemeindung der Gemeinde Kirrberg nach Homburg/Saar 17

Die Landesregierung lehnt es ab, in Verhandlungen wegen der Umgemeindung der Gemeinde Kirrberg nach dem Saargebiet einzutreten. Die Grenzziehung ist ohne Mitwirkung der Landesregierung durch Diktat der Besatzungsmacht verfügt worden. Die Landesregierung lehnt es ab, dieses Diktat durch irgendeine freiwillige Mitwirkung noch zu erweitern. Das wäre der Fall, wollte man in eine Diskussion über eine Ausgemeindung der Gemeinde Kirrberg aus dem Verband des Landes Rheinland-Pfalz eintreten. 18

14Zuletzt 54. MRS am 25.11.1947, TOP 1.
15Ordonnanz Nr. 93 vom 6.6.1947 (Journal Officiel 1947, S. 765 f.). Vgl. 30. MRS am 11.6.1947, TOP 2.
16Vgl. die entsprechende Regierungsvorlage für den LT, die am 19.8.1948 behandelt, vom MinPräs aber zurückgezogen wurde (LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. II, Nr. 569; ebd., Abt. I, S. 912) sowie auch Best. 860 Nr. 2068, S. 55-61. Zum weiteren Verlauf vgl. ebd., S. 63-123. – Fortgang 90. MRS am 18.8.1948, TOP 1.
17Zuletzt 69. MRS am 2.4.1948, TOP F.
18Kirrberg wurde aufgrund der Verordnung Nr. 212 von General Koenig am 23.4.1949 an das Saarland abgetreten (vgl. Best. 860 Nr. 2066, S. 39-84). Die Übergabe der Verwaltungsund Grundakten zog sich bis 1952 hin (ebd., S. 85-173). In der 123. MRS am 20.4.1949, TOP 1 (Nr. 9611), betonte die Landesregierung, dass ihre Mitwirkung an dem entsprechenden Überleitungsverfahren keine Anerkennung desselben bedeute (vgl .Nr. 2066, S. 57 f.). – Fortgang 120. MRS am 30.3.1949, TOP 2.b) (Nr. 9611).

6. Notstandsgebiet im Kreise Saarburg 19

Der Punkt wird von der Tagesordnung abgesetzt.

7. Marshallplan (Organisationsfragen) 20

Der Punkt wird von der Tagesordnung abgesetzt, da Staatssekretär Dr. Steinlein und Prof. Dr. Armbruster durch Verhandlungen in Baden-Baden 21 nicht anwesend sein konnten. 22

8.a) Wirtschaftskontrolle bei der Post 23

Der Punkt wird von der Tagesordnung abgesetzt.

b) Requisitionen im Regierungsbezirk Mainz 24

19Zuletzt 69. MRS am 2.4.1948, TOP 10.
20Zuletzt 76. MRS am 8.6.1948, TOP 4.
21Bezug: Marshallplankonferenz in Baden-Baden am 9.6.1948 (vgl. oben 75. MRS am 3.6.1948, TOP 5).
22Fortgang 80. MRS am 22.6.1948, TOP 1.
23Zuletzt 69. MRS am 2.4.1948, TOP D. Vgl. BArch Best. Z 16 (Deutsches Postzentralamt in der französischen Zone).
24Vgl. 45. MRS am 29.9.1947, TOP 1/12, sowie Best. 860 Nr. 3558. Mit Schreiben vom 8.6.1948 hatte der MinPräs der Militärregierung unter Bezug auf einen gemeinsamen Beschluss der Länderregierungen der französischen Zone vom 17.3.1948 eine Aufstellung der in der Zeit vom 1.10.1947 bis zum 31.3.1948 in Privathaushalten durchgeführten Requisitionen vorgelegt, zusätzlich die bis zum 1.10.1947 durchgeführten Requisitionen aufgeführt und Maßnahmen zur Einschränkung und Regelung dieser Verfahrensweisen gefordert (Brommer, Quellen, S. 618 f.).

c) Austausch der Haushaltspläne mit anderen Landesregierungen. Informationen über Staatsleistungen an die Kirchen

Es ist zu überprüfen und festzustellen, inwieweit diese Fragen den zuständigen Ministerien zur selbständigen Erledigung zu überweisen sind.

9. Personalien

Es handelt sich darum, rechtliche Klarheit bei den Beamtenberufungen zu schaffen, wo in der Zeit nach dem 8. Mai 1945 durch das Fehlen von Urkunden, durch Berufungen durch die Militärregierung oder durch unklare Ausstellung von Berufungsurkunden Rechtsunklarheiten auftreten könnten. Zufolge des Beschlusses in der Sitzung des Ministerrats vom 8. Juni 1948 bedürfen einzelne Fälle einer individuellen Behandlung. Der Ministerrat beschloß aufgrund der vorliegenden Unterlagen in allen Fällen:

Oberregierungspräsident Bögler, Neustadt,

Regierungspräsident Dr. Rückert, Mainz, 25

Regierungspräsident Dr. Zimmer, Montabaur,

Regierungspräsident Dr. Steinlein, Trier,

Regierungspräsident Dr. Sommer, Koblenz, 26

ferner in allen Fällen der früheren Regierungspräsidenten

Altmeier, Montabaur

Steffan, Mainz,

des früheren Regierungsbzw. Oberregierungspräsidenten

Dr. Hoffmann, Neustadt,

des früheren Ministerialdirektors Bökenkrüger,

des Ministerialdirektors Dr. Ingendaay im Arbeitsministerium, 27

des früheren Landrats Dr. Haberer, Neustadt

durch Erteilung einer Urkunde den Genannten zu bestätigen, daß durch die Berufung in das Amt … (politischer Beamter) ein Beamtenverhältnis auf Lebenszeit begründet worden ist, welches in den Fällen Altmeier, Steffan, Dr. Hoffmann und Bökenkrüger durch die Berufung in das Amt eines Ministers zur Versetzung in den Wartestand zu diesem Termin geführt hat, wobei im übrigen die Vorschriften des § 44 des deutschen Beamtengesetzes von 1935 28 Anwendung finden.

Die Abstimmungen hierüber erfolgten einstimmig unter Stimmenthaltung des Ministerpräsidenten bzw. der Minister Steffan, Dr. Hoffmann, Bökenkrüger anläßlich der Beschlußfassung über ihren eigenen Fall.

Der Innenminister wurde beauftragt, die Fälle der im Amt befindlichen Landräte der nächsten Sitzung des Ministerrates zur Beschluß-fassung vorzulegen.

Die Fachminister werden hinsichtlich der in ihren Ministerien tätigen politischen Beamten um das Gleiche ersucht.

Weiterhin beschloß der Ministerrat einstimmig, daß die jetzt mit Zustimmung der Landesregierung und der Militärregierung im Amt befindlichen Richter und richterlichen Beamten des Justizministeriums eine Urkunde erhalten unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit, soweit eine solche Urkunde bisher noch nicht erteilt worden ist. Der Fall des Landgerichtsrats Micha 29, Kaiserslautern, ist hiervon ausgenommen. Hier bedarf es der vorherigen Überprüfung nach der politischen Seite.

25Dr. Georg Rückert (*1901), 1928-1932 jurist. Hilfsarbeiter bei der Stadtverwaltung Darmstadt, 1932/1933 Bgm der Gemeinde Ober-Ingelheim, 7.4.1933 Entlassung, 20.6.1945 Berufung zum Bgm der Stadt Ingelheim, 1947 RP in Mainz, 1966 Pensionierung (Best. 860P Nr. 5062).
26Dr. Wilhelm Sommer (*1891), nach Ablegung der Reifeprüfung Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg und Bonn, 1913 Ernennung zum Gerichtsreferendar, 1915-1918 Militärdienst, 1920 Gerichtsassessor bei Staatsanwaltschaft und Amtsgericht Bonn, 1923-1925 RAss und Justitiar bei der Regierung in Köln und dem Landratsamt in Bonn, 1925-1927 RR und Abteilungsleiter beim Polizeipräsidium in Köln, 1927 stellv. Polizeipräsident in Mönchengladbach, 1928-1933 Polizeidirektor in Hamm /Westf., im März 1933 Versetzung in den einstweiligen Ruhestand, 26.6.-14.8.1933 Dezernent bei der Regierung in Lüneburg, anschließend Entlassung aus dem Staatsdienst, 1934-1945 Rechtsberater, 1940-1945 Militärdienst (Reserve), am 20.6.1945 RVPräs bei der Regierung Koblenz, zum 15.5.1946 RP (Best. 860P Nr. 1455). Vgl. die von PräsDir Rick zur Einführung von Sommer als RP und von RVPräs Kremmler am 29.5.1946 gehaltene Rede (Best. 700,155 Nr. 57, S. 91-94).
27Vorlage: „Ingenday“.
28Bezug: Deutsches Beamtengesetz vom 26.1.1937 (RGBl. I 1937, S. 39-70). § 44 regelte die Versetzung in den Wartestand.
29Vorlage: „Mischa“. Dr. Alexander Franz Micha (*1909), 1932-1935 Gerichtsreferendar, nach dem Assessorexamen aus politischen Gründen nicht zum Richterdienst zugelassen, 9.12.1935-16.11.1937 als Notarsund Rechtsanwaltsvertreter in Krefeld und Wuppertal tätig, am 16.11.1937 als Hilfsrichter in die Pfalz versetzt, am 1.4.1940 Anstellung als Amtsgerichtsrat in Kirchheimbolanden, am 6.7.1945 Ernennung zum ORR am Regierungspräsidium Pfalz in Neustadt, Leiter des Präsidialbüros, am 7.7.1945 Ernennung zum LG-Direktor, am 31.8.1945 auf eigenen Wunsch von seinem Amt entbunden, da er sich wieder ganz dem Richteramt widmen wollte, 1949 Antrag auf Entlassung aus dem Dienst zwecks Wechsel nach Nordrhein-Westfalen, am 1.1.1950 Übernahme in den Justizdienst des Landes Nordrhein-Westfalen (Best. 860P Nr. 2936; LASp Best. H 14 Nr. 2159).

10. Exportbonus

Der Ministerpräsident besprach die Angelegenheit der Verteilung des Exportbonus aus dem IV. Quartal 1947 in Höhe von 161.976 $. Der Ministerrat hat beschlossen, mit den maßgebenden Stellen zu verhandeln, daß hiervon 100.000 $ abgezweigt werden, um pro Kopf des Normalverbrauchers möglichst schnell zusätzlich 100 g Margarine einzuführen und auszugeben. Die vom Provinzialrat aufgestellten Bestimmungen sind zu überprüfen und die weiteren Verhandlungen mit der Militärregierung sofort aufzunehmen Der Ministerrat lehnt es ab, eine Priorität für die Belegschaft der an der Ausfuhr beteiligten Exportfirmen durch Abzweigung eines Teilbetrages zur Einfuhr von Lebensmitteln für die Betriebe anzuerkennen, wie dies in den Vorschlägen des Exportrates in dessen Sitzung vom 10.6.1948 durch das Verlangen einer Abzweigung von 25% = 20.247 $ zur Beschaffung von Lebensmitteln für die Belegschaften zum Ausdruck gekommen war 30. Weil alle Prioritäten sowohl für Städte als auch für Betriebe in Übereinstimmung mit den Forderungen des Landtages und der Gewerkschaften abgelehnt werden, kommt auch in diesem Falle eine Priorität nicht in Frage.

30Ein Schreiben des GenGouv vom 12.1.1948 behandelt die Frage, welche Personen in den offenbar gerade erst eingerichteten Landesexportrat aufgenommen werden sollten; von den vorgeschlagenen wurden zwei – Rudolf Helferich und Baron Ludwig Heyl – vom GenGouv abgelehnt (Best. 860 Nr. 1951, S. 573). Weitere Unterlagen zu dieser Einrichtung konnten nicht nachgewiesen werden. Vgl. Vogel, Westdeutschland, Teil II, S. 79-97, bes. S. 94-97.

11. Währungsreform 31

Minister Bökenkrüger und anschließend Minister Hoffmann trugen Maßnahmen bei der Währungsreform zur Regelung der Gelder der Arbeitslosenversicherung und der Landesversicherungsanstalt vor 32. Es wurde dabei vereinbart, daß die Landesregierung aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung bzw. der Landesversicherungsanstalt 20 Mill. RM sofort erhält, die bei der Landeskasse zur Einzahlung kommen, wogegen sich die Landesregierung verpflichtet, das vorgestreckte Geld in neuer deutscher Mark wiederzugeben, sobald die Leistungen des Landesstockes 33 nicht mehr zur Erfüllung seiner Ausgaben ausreichen. 34

31Zuletzt 74. MRS am 25.5.1948, TOP 13. Vgl. auch 75. MRS am 3.6.1948, TOP 7.f).
32Siehe oben Anm. 1, Anlagen Nr. 3 und Nr. 4.
33Vgl. Anm. 1 zur 4. MRS am 17.12.1946.
34Vgl. Vermerk über Anruf des Finanzministers beim Arbeitsminister am 9.6.1948 betr. die im Landesstock der Arbeitsverwaltung verwahrten Landesgelder und ihre Umstellung infolge der Währungsreform und das Protokoll zu einer Besprechung des Arbeitsministers, Vertretern der LVA und der Landesarbeitsämter mit einem Vertreter der Militärregierung (Best. 860 Nr. 2361, S. 31-33 und S. 35-37). – Fortgang 78. MRS am 15.6.1948, TOP B.

12. Ernährungsfragen 35

Ernährungsminister Stübinger trug das Verlangen der Militärregierung nach einer Auflage von 1700 t Obst vor, welches exportiert werden soll. Der Ministerrat lehnte eine derartige Auflage unter Hinweis darauf, daß es keines Exportes von einheimischem Obst bedarf, um dagegen andere Lebensmittel einzutauschen, ab.

Eine entsprechende Eingabe an die Militärregierung soll der Landwirtschaftsminister zur Weiterleitung an den Gouverneur vorlegen.

Weiterhin wurde beschlossen, den Landwirtschaftsminister zu veranlassen, die Anforderung der Weinauflage an Württemberg in Höhe von 1,4 Mill. Liter solange auszusetzen, bis Württemberg seinen Verpflichtungen für die Fettund Butterauflagen nachgekommen ist. Rückstände sind aus dem Monat Mai noch in Höhe von 75 t und aus dem Monat Juni in Höhe von 240 t = 315 t vorhanden. 36

13. Fleischauflage 37

Landwirtschaftsminister Stübinger gab aufgrund einer mündlichen Unterredung, die gestern bei der Militärregierung stattfand, bekannt, daß für den Monat Juli eine Fleischauflage in Höhe von

411 t für Militär

425 t für Berlin

1.340 t für die Zivilbevölkerung

zus. 2.176 t

gefordert worden sei.

Nach eingehender Besprechung wurde klargestellt, daß die Erfüllung der Zivilauflage für den Monat Juni in Höhe von 855 t bereits größte Schwierigkeiten bereitet und daß für den Monat Juli eine Auflage von höchstens 900 t zugestanden werden kann, die im übrigen restlos für die Verteilung an die Zivilbevölkerung auf der Basis von 200 g pro Normalverbraucher benötigt wird. Die Beschlüsse des Ministerrats sind zusammengefaßt in einem im Wortlaut beschlossenen Schreiben an die Militärregierung (Anlage 1). 38

35Zuletzt betr. Ernährung allgemein 76. MRS am 8.6.1948, TOP 8. Zuletzt betr. Obstversorgung 74. MRS am 25.5.1948, TOP 8.
36Fortgang unten TOP 13 und TOP 14.b).
37Zuletzt betr. Ernährung allgemein oben TOP 12. Zuletzt betr. Fleischauflage 76. MRS am 8.6.1948, TOP 8.
38Siehe oben Anm. 1, Anlage Nr. 1. – Fortgang betr. Ernährung allgemein unten TOP 14.b). Fortgang betr. Viehauflage 78. MRS am 15.6.1948, TOP C.

14. Landtag am 16. Juni 1948 39

Hinsichtlich der nächsten Sitzung des Landtags wurde beschlossen, daß

a) zu den Fragen der Londoner Konferenz, 40

b) der Ernährung, 41

c) des Streiks in Ludwigshafen 42

offizielle Erklärungen der Landesregierung abgegeben werden sollen und zwar

zu a) durch den Ministerpräsidenten,

zu b) durch den Ernährungsminister,

zu c) durch den Arbeitsminister.

Die Texte dieser Erklärungen sollen durch die Genannten vorbereitet und in der nächsten Sitzung des Ministerrats am Dienstag, den 15.6.48 vormittag 9.00 Uhr beschlossen werden.

3930. und 31. Sitzung des LT RLP (LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 679-706 und S. 710-741).
40Zuletzt 74. MRS am 25.5.1948, TOP A.
41Zuletzt betr. Ernährung allgemein oben TOP 13. Zuletzt betr. Ernährungsfragen oben TOP 12.
42Vgl. ebd. sowie 76. MRS am 8.6.1948, TOP 9.

15. Hausverwaltungen

Da die einzelnen Ministerien nicht in einem Haus untergebracht sind, wurde beschlossen, die Hausverwaltung des jeweiligen Dienstgebäudes einem im Haus befindlichen Ministerium zu übertragen, so im Hause Oberwerth dem Finanzministerium, im Hochhaus dem Landwirtschaftsministerium, im früheren Oberpräsidium dem Innenministerium, in der früheren Ortskrankenkasse dem Arbeitsministerium, im Schloß dem Wiederaufbauministerium.