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53. Ministerratssitzung am Mittwoch, den 12.11.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bockenkrüger
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Neumayer
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
  • Chef der Staatskanzlei Dr. Haberer

Es fehlte entschuldigt Minister Feller. 2

Tagesordnung:
  • A. Kartoffelversorgung
  • B. Abberufung des Landrats Schellhaaß aus Kaiserslautern
  • C. Razzien in Rheinhessen
  • D. Waggongestellung
  • E. Ministerpräsidentenkonferenz
  • F. Demontage
  • G. Pfalzaktion
  • H. Wohnungsgeld Dr. Boden
  • I. Gästehaus der Landesregierung

1Ausfertigung in Best. 860 Nr. 9604 und in Best. 700,169 Nr. 136, S. 263-271; Durchschlag in Best. 860 Nr. 8187. Anlagen: 1. Schreiben des MinPräs vom 8.11.1947 an den GenGouv betr. Kartoffelversorgung; 2. desgl. vom 10.11.1947 (Best. 860 Nr. 9604 und Nr. 8187; Best 700,169 Nr. 136, S. 273-281).
2Der Vermerk über das Fehlen von Minister Feller maschinenschr. nachgetragen in Best. 860 Nr. 8187.

A. Kartoffelversorgung

Der Ministerpräsident berichtet über seine am 7.11. in Begleitung des Justizministers Dr. Süsterhenn und des Landwirtschaftsministers Stü-binger mit dem Generalgouverneur gehabte Rücksprache bezüglich der Ausgabe des zweiten Zentners. 3 Der Gouverneur ließ keinen Zweifel darüber eintreten, daß er einen Stop zwischen dem ersten und zweiten Zentner nicht eintreten lassen würde. Während der Besprechung wurde ihm telefonisch von dem Gouverneur Widmer aus Südwürttemberg mitgeteilt, daß die zugesagten 10.000 t Kartoffeln aus Württemberg sofort angeliefert würden. 4

Trotz unserer Einwendungen, daß entsprechend dem Versprechen der Landesregierung zunächst einmal der erste Zentner über das ganze Land gleichmäßig verteilt sein müßte, was in diesem Augenblick in den verschiedenen Städten – insbesondere der Pfalz – noch nicht der Fall sei, erklärte der Gouverneur, daß er auf der sofortigen Durchführung seiner Anordnung vom 3.11., laut welcher mit der Ausgabe des zweiten Zentners sofort begonnen werden muß, bestehen müsse. Die Situation, wie sie sich aufgrund dieser Unterredung ergab, ist in zwei Schreiben an den Gouverneur vom 8.11. und 10.11. (Anlage 1 und 2) 5 zusammengefaßt.

Das heute aus Württemberg eingetroffene Telegramm, laut welchem die Württembergischen Dienststellen erst liefern wollen, wenn die eigene Versorgung durchgeführt ist, ist sofort dem Gouverneur zu unterbreiten. 6

3Zuletzt 52. MRS am 5.11.1947, TOP 1. Vgl. die Niederschrift dieser Besprechung (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 119-121).
4Best. 860 Nr. 9586, Bl. 119 f. Das Land Württemberg-Hohenzollern, das laut Vortrag des MinPräs in der Besprechung mit dem GenGouv am 7.11.1947 über einen Überschuss von 50.000 to. Kartoffeln verfügte (ebd.), hatte bereits bei der Sitzung des Zentralausschusses für Ernährung am 31.10.1947 die Übernahme von 7.000 Tonnen Kartoffelauflage (2.000 für die Armee, 5.000 für Berlin) zugunsten von Rheinland-Pfalz zugesagt (Best. 940 Nr. 95, S. 535).
5Siehe oben Anm. 1, Anlagen Nr. 1 und Nr. 2. In seinem Schreiben vom 8.11.1947 an den GenGouv (auch in Best. 860 Nr. 1111, S. 565-571) trug Altmeier seine Bedenken nochmals vor, insbes. im Hinblick auf die Diskrepanz von Proberodungen und darauf beruhenden Ertragsschätzungen und effektiven Ernteresultaten, unterbreitete aber zugleich Vorschläge, um die Erfüllung des Befehles realisierbar zu machen. So berichtete der MinPräs, dass Minister Stübinger am selben Tage verabredungsgemäß in die Pfalz gefahren sei, um dort vor Ort gemeinsam mit dem ORPräs die Landräte zur Rechenschaft zu ziehen, deren Kreise bisher in der Ablieferung versagt hätten. Gleichzeitig würden Landwirtschaftsprüfer aus rheinischen Kreisen in die Pfalz fahren, um mit der Polizei Hofkontrollen vorzunehmen. Der Justizminister habe telegraphisch alle Oberstaatsanwälte des Landes aufgefordert, bei Bewirtschaftungsdelikten mit aller Schärfe vorzugehen und die sich aus der Verordnung zum Schutze der Volksernährung ergebenden Möglichkeiten restlos auszuschöpfen. Dem gleichen vermittelnden Zweck diente das Schreiben vom 10.11.1947 zur Frage der Saatkartoffelverteilung (ebd., S. 587-591). Mit Schreiben vom 8.11.1947 unterrichtete der MinPräs die Regierungspräsidenten von der Anordnung der Militärbehörden vom 3.11.1947 (die Landräte waren bereits direkt durch das Landesernährungsamt informiert worden). Altmeier bemerkte „bei dieser Gelegenheit“ auch, „daß die Erfüllung der bisherigen Auflagen seitens einer größeren Zahl von Kreisen zur besten Zufriedenheit erfolgt“ sei, „während andere Kreise kläglich versagten und man bei einzelnen Kreisen geradezu von einer Sabotage sprechen“ müsse. Ferner hob der MinPräs hervor, dass die Militärregierung nicht nur von ihm verlangt habe, „bei säumigen Landräten ein Exempel zu statuieren“, vielmehr habe der GenGouv „auch ausdrücklich erwähnt, daß er jeden Beamten, der seiner Verpflichtung in der gegenwärtigen schwierigen Ernährungssituation nicht nachkomme, internieren lassen werde.“ (Best. 860 Nr. 1003, S. 27).
6Best. 860 Nr. 1111, S. 141. Zur Situation im Herbst-Winter 1947 vgl. ebd., S. 123-292, S. 365-431 und S. 441-453. – Fortgang 55. MRS am 2.12.1947, TOP D.

B. Abberufung des Landrats Schellhaaß 7 aus Kaiserslautern

Der Ministerpräsident berichtet, daß nach telefonischen Mitteilungen des Ministers Stübinger und des Oberregierungspräsidenten Bögler beim Kreislandwirtschaftsamt Kaiserslautern erhebliche Mißstände festgestellt wurden, insbesondere seien die Auflagen an die Bürgermeister nicht herausgegangen. Nach einer vorsichtigen deutschen Schätzung wären mindestens 11.000 t Kartoffeln zu erfassen gewesen, von denen bis zum Tage der Revision nur 2.800 t erfüllt wären.

Der Ministerrat ist sich darüber im klaren, daß es sich lediglich um eine Abberufung, nicht aber um eine Absetzung bzw. Suspendierung handele und daß Oberregierungsrat Schellhaaß 8 in anderer Position, insbesondere in der Justiz, wieder zu verwenden ist. 9

C. Razzien in Rheinhessen

Minister Steffan berichtet über durchgeführte Razzien in Alzey. 10 Minister Junglas macht den Vorschlag, die durchzuführenden Haussuchungen von deutschen Polizeibeamten und nicht von Franzosen durchführen zu lassen. Dieser Vorschlag findet allseitige Zustimmung. Minister Steffan wird beauftragt, die notwendigen Maßnahmen hierzu zu ergreifen. 11

7Vorlage: „Schellhaas“. Otto Schellhaaß (*1884), Studium der Rechtswissenschaft in München, Kiel, Erlangen, Berlin und Würzburg, 1911-1914 nach Referendar- und Assessorexamen als Assessor und Rechtsanwalt tätig, 1915 Militärdienst, 1916 schwerkriegsbeschädigt, 1918-1919 Hilfsarbeiter bei der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern, 1919-1920 Amtsanwalt am Amtsgericht Kaiserslautern. 1920-1921 Staatsanwalt in Kaiserslautern, 1921-1945 Amtsrichter in Kaiserslautern, am 16.4.1945 Ernennung zum LR für den Landkreis Kaiserslautern, 1946 ORR, 1949 Pensionierung (Best. 860P Nr. 10729).
8Vorlage: „Schellhaas“.
9Fortgang 56. MRS am 9.12.1947, TOP C.
10Vgl. 50. MRS am 28.10.1947, Beschluss Nr. 7; Rohtenberger, Hungerjahre, S. 183.
11Vgl. den entsprechenden Aktenvermerk vom 12.11.1947 (Best. 860 Nr. 1111, S. 133) sowie allgemein zur Bekämpfung von Schwarzmarkt und Tauschhandel und zu anderen Aufgaben der polizeilichen Wirtschaftskontrolle Best. 880 Nr. 1676-1677, Nr. 1711 und Nr. 1752. – Fortgang 54. MRS am 25.11.1947, TOP A.

D. Waggongestellung 12

Der Ministerpräsident kommt auf den in der Rheinzeitung vom Samstag, dem 8. November 1947 enthaltenen Artikel „Was ist Wahrheit” zu sprechen. 13 Im Anschluß hieran verliest er ein von Landrat Dr. Hammes aus Bitburg eingegangenes Telegramm, welches besagt, daß am 8. und 10.11. keine Kartoffelverladungen wegen Nichtgestellung von Waggons in Ehrdorf haben stattfinden können. 14 Nach Auskunft des Bahnbeamten in Ehrdorf seien am heutigen Tage keine Waggons gestellt worden, weil Karusselle aus Trier transportiert werden muß-ten. Ministerialdirektor Calujek wird beauftragt, diese Sachlage zu klären:

    a) wieviel Waggons sind angefordert worden,

    b) wieviel Waggons wurden gestellt,

    c) wieviel Waggons wurden zum Transport der Karusselle benötigt?

Weiter liegt noch ein Schreiben des Landrats aus Wittlich vor, wonach ebenfalls die angeforderten Waggons nicht gestellt wurden, so daß also feststeht, daß trotz der Zusicherung der Eisenbahndirektion in Mainz, daß alle angeforderten Waggons geliefert worden seien, die Kartoffelversorgung wegen Transportschwierigkeiten nicht so vor sich gehen konnte, wie vorgesehen. 15 Unter Verwertung dieser beiden Telegramme soll eine Klärung in der Presse erfolgen, um damit den der Landesregierung gemachten Vorwurf zurückzuweisen. 16

12Zuletzt 52. MRS am 5.11.1947, TOP 1.
13Vgl. RZ vom 8.11.1947, S. 2: „Wo ist die Wahrheit?”. Der Artikel bezog sich auf Verlautbarungen der Eisenbahndirektionen Mainz und Trier sowie des Wirtschaftsministeriums, denen zufolge man nicht fehlende Waggons oder Schwierigkeiten im Straßentransport als Ursache für die Verzögerung der Versorgung mit Kartoffeln angeben könnte.
14Telegramm vom 12.11.1947 (Best. 860 Nr. 1111, S. 139); weitere Telegramme von dort datieren auf den 10.11.1947 und den 11.11.1947 (ebd., S. 381 und S. 385).
15Die in diesem Zusammenhang gesammelten Telegramme und Schreiben (Best. 860 Nr. 1111, S. 381-393) stammen aus den Kreisen Zell (25.11.1947 und 5.11.1947), Bernkastel (10.11.1947) und Daun (13.11.1947). Ein Telegramm des LR von Wittlich konnte erst für den Januar 1948 nachgewiesen werden (ebd., S. 81).
16Fehlende Transport-Kapazitäten prägten generell die Versorgungsproblematik im Herbst-Winter 1947. Vgl. Best. 860 Nr. 1111, S. 321 f., S. 325-348 und S. 365-393.

E. Ministerpräsidentenkonferenz

Der Ministerpräsident berichtet von einem Besuch des Staatssekretärs Dr. Brill, Wiesbaden. Dr. Brill 17 habe den Auftrag, mit verschiedenen Ministerpräsidenten in Verbindung zu treten wegen einer noch vor London stattfindenden Konferenz der Ministerpräsidenten. 18 Auf der Tagesordnung sollen zwei bis drei Punkte stehen, etwa

    1.) die völkerrechtliche Gestaltung Deutschlands, Vorbedingung zu einem Frieden ist die Schaffung einer deutschen Staatsgewalt. Eine provisorische Regierung muß zuvor geschaffen werden. Beauftragung verschiedener Staaten mit der Bildung einer deutschen Regierung. Herausstellung, daß diese Angelegenheit eine alleinige deutsche ist.

    2.) Herbeiführung eines Friedenszugeständnisses. Einreichung schriftlicher Vorschläge. Die Grenzfrage der einzelnen Länder darf nicht vom Gesichtspunkt eines Landes gesehen werden, sondern ist eine gesamtdeutsche Frage. Welche Sachverständigen werden zu den Verhandlungen zugezogen werden?

    3.) Frage der Kriegsgefangenen. Internationale Kontrolle der Kriegsgefangenenlager unter Beteiligung von Deutschen. Jeder Zwang bei Arbeitsverträgen mit Kriegsgefangenen muß unterbleiben. 19

Zuvor soll aber eine Fühlungnahme der drei Ministerpräsidenten der französische Zone untereinander stattfinden, dann eine Besprechung mit der Militärregierung über die Möglichkeit der Beteiligung herbeigeführt werden.

Er – Ministerpräsident – habe nun vereinbart, zunächst die Auffassung des Ministerrats festzustellen und dann gegebenenfalls mit Dr. Brill Verhandlungen in Wiesbaden zu führen. Minister Dr. Hoffmann wird dem Ministerpräsidenten berichten.

17Hermann Louis Brill, Staatssekretär und Chef der großhessischen Staatskanzlei ab 1946, SPD. Vgl. Hedwig, Kabinettsprotokolle, S. XXII.
18Bezug: Londoner Sechs-Mächte-Konferenz vom 23.2.-6.3.1948 und vom 20.4.-2.6.1948. Die am Schluss verabschiedeten „Londoner Empfehlungen“ dokumentieren die Absicht der westlichen Alliierten zur staatlichen Konsolidierung Westdeutschlands. Auf die vor diesem Hintergrund diskutierte Frage der deutschen Staatlichkeit nimmt die im NL Altmeier dem Protokoll beiliegende Abschrift eines Briefwechsels des MinPräs von Württemberg-Baden, Dr. Maier, mit dem MinPräs von Sachsen-Anhalt, Dr. Hübener, vom 23. und 28.10.1947 Bezug (Best. 700,169 Nr. 136, S. 285-288), desgl. beiliegende Notizen Altmeiers (ebd., S. 283 und 290). Zur Londoner Konferenz vgl. 74. MRS am 25.5.1948.
19Vgl. dazu die Notizen im NL Altmeier (Best. 700,169 Nr. 136, S. 290).

F. Demontage 20

Der Ministerpräsident gibt bekannt, daß die CDU-Fraktion einen Antrag gestellt habe, für Freitag, den 14.11.47 den Landtag wegen der im Lande Rheinland-Pfalz durchzuführenden Demontage einzuberufen. Dieser Termin schiene ihm, da die Regierung über diese Angelegenheit überhaupt noch nichts zu sagen wüßte, verfrüht. Auch die Militärregierung, mit der er heute Verhandlungen gepflogen habe, sei der Meinung, daß man nichts überstürzen solle. 21 Er habe in dieser Frage um eine nochmalige Unterredung nachgesucht und erwarte Bescheid.

Von Staatspräsident Bock 22 sei angeregt worden, eine Besprechung der drei Ministerpräsidenten durchzuführen und anschließend bei General Koenig vorstellig zu werden.

Es wird der Beschluß gefaßt, daß vor Einberufung des Landtags, die in etwa acht bis zehn Tagen erfolgen soll, die Frage der Demontage zunächst mit den vier Fraktionsführern bzw. im wirtschaftspolitischen Ausschuß besprochen werden soll. 23

20Zuletzt 34. MRS am 29.7.1947, TOP B. Laut Aktenvermerk vom 17.8.1948 übergab die Militärregierung am 17.11.1947 eine Demontageliste, auf der das Land Rheinland-Pfalz mit 83 Betrieben vertreten war (Best. 860 Nr. 76, Bl. 109, Bl. 190, Bl. 216, Bl. 224 und Bl. 233; vgl. ebd., Bl. 179-183 die im Durchschlag enthaltene, undatierte Liste). Es handelte sich dabei um den Rheinland-Pfalz betreffenden Teil einer umfassenden Liste unter dem Titel „Usines Disponibles pour les Réparations“, die von der französischen Delegation beim Alliierten Kontrollrat am 10.10.1947 vorgelegt wurde (revidierte Fassung vom 30.10.1947 in Best. 860 Nr. 76, Bl. 149-158). Vgl. die Aufstellung vom 31.12.1948 (ebd., Bl. 110-114).
21Für den 12.11.1947 ist kein Protokoll einer Besprechung mit der Militärregierung nachweisbar, wohl aber für den 21.11.1947 (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 115-118; Brommer, Quellen, S. 543-546). Vgl. 54. MRS am 25.11.1947, TOP F.
22Lorenz Bock (1883-1948), Studium der Rechtswissenschaft an den Universitäten München und Tübingen, nach dem Ersten Weltkrieg von 1919-1933 als Rechtsanwalt in Rottweil tätig, als Abgeordneter des Zentrums Angehöriger des Gemeinderats von Rottweil und des LT, 1944 Verhaftung, nach dem Krieg Mitglied der CDU in Württemberg–Hohenzollern, Mitautor einer der beiden Verfassungsentwürfe. Am 8.5.1947 wurde Bock zum Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern gewählt; in der von ihm berufenen Regierung übernahm er zusätzlich das Ministerium der Finanzen. Sein Tod in der Nacht vom 3. auf den 4. August 1948 stand unter dem Eindruck des gescheiterten Versuches, die Militärregierung zur Aufgabe ihrer Demontagepolitik zu bewegen. Am 6.8.1948 trat die Landesregierung aus diesem Grunde zurück. Vgl. Weik, MdL, S. 38-42 und S. 100; Nüske, Neubeginn, S. 81-110; Raberg, Protokolle, S. XXV, Anm. 74.
23Fortgang 54. MRS am 25.11.1947, TOP F.

G. Pfalzaktion

Der Gouverneur hat den Ministerpräsidenten wegen der in der letzten Sitzung des Landtags von ihm abgegebenen Erklärung bezüglich separatistischer und autonomistischer Bestrebungen in der Pfalz zu sich gebeten. 24 Es wurde ihm aufgegeben, einen Bericht mit konkretem Material, was ihn zu seiner Erklärung veranlaßt habe, einzureichen. Es käme der französischen Militärregierung vor allem darauf an, den Sachverhalt zu klären und wo Übergriffe zu verzeichnen wären, sie unmöglich zu machen. Der Gouverneur habe erklärt, er habe im vergangenen Jahr das Land Rheinland-Pfalz gründen helfen und als Generalgouverneur wäre er da, um das Land zu verteidigen. Er habe immer offen seine Meinung gesagt, müsse aber jetzt den Vorwurf machen, ihn über diese Aktion vorher nicht unterrichtet zu haben.

Minister Dr. Hoffmann berichtet, daß die Militärregierung von Neustadt an den Oberregierungspräsidenten Bögler herangetreten sei, ebenfalls einen diesbezüglichen Bericht zu erstatten. Bögler habe einen Bericht gefertigt und auch einige Unterlagen dazu geliefert.

Es wird beschlossen, den Bericht des Oberregierungspräsidenten Bögler anzufordern und ihn als Grundlage für den dem hiesigen Gouverneur einzureichenden Bericht zu benutzen. 25

H. Wohnungsgeld Dr. Boden 26

Es wird beschlossen, den von Dr. Boden eingereichten Antrag, ihm ab 1.11. monatlich die RM 300,– übersteigenden Mietkosten zu erstatten, abzulehnen.

I. Gästehaus der Landesregierung

Da Ministerpräsident Altmeier das als Dienstwohnung des Ministerpräsidenten vorgesehene Haus Eichendorffstr. 28 27 nicht benutzt, wird beschlossen, dasselbe als Gästehaus der Landesregierung einzurichten, um dadurch einem dringenden Bedürfnis angesichts der Wohnungs- und Raumnot in Koblenz abzuhelfen (Konferenzen, einige Schlafzimmer etc.) 28.

24Zuletzt 52. MRS am 5.11.1947, TOP 2. Diese Unterredung ist nicht in den entsprechenden Protokollen (Best. 860 Nr. 9586) nachweisbar. Vgl. dazu die LT-Debatte am 6.11.1947 (LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 189-193).
25Vgl. das Protokoll der Besprechung zwischen MinPräs und GenGouv am 21.11.1047, TOP 3. (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 116 f.; Brommer, Quellen, S. 545). Zu separatistischen Tendenzen im Kreis Saarburg vgl. 67. MRS am 4.3.1948, TOP 15; zur Pfalz siehe 87. MRS am 27.7.1948, TOP C. – Fortgang 55. MRS am 2.12.1947, TOP F.
26Zuletzt 46. MRS am 3.10.1947, TOP 7.
27Bezug: Koblenz-Oberwerth.
28Fortgang 61. MRS am 28.1.1948, TOP K.