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32. Ministerratssitzung am Dienstag, den 15.7.19471

Anwesend:
  • Ministerpräsident Altmeier
  • Minister Bökenkrüger
  • Minister Feller
  • Minister Dr. Hoffmann
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Neumayer
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn,
  • Chef des Staatsministeriums a.D. Dr. Haberer
Tagesordnung:
  • A. Verhältnis der Minister und Regierungsparteien zueinander
  • B. Verhandlungen des MinPräs mit der Militärregierung (1.)
  • C. Demontage
  • D. Beamtenernennungen
  • E. Mitteilungen des Ministerpräsidenten (2.)
  • F. Vertretung des Ministerpräsidenten
  • G. Zuteilung des Verkehrsressorts an das Wirtschaftsministerium
  • H. Wagen- und Benzinfrage
  • I. Fragebogen der Minister
  • J. Materialbeschaffung
  • K. Information der Öffentlichkeit über die Arbeit der Landesregierung
  • L. Münchener Ministerpräsidentenkonferenz
  • M. Flüchtlingsprobleme
  • N. Umzug von Ministerien in das frühere Oberpräsidium
  • O. Besetzung der Stellen des Oberpräsidenten und des Vizepräsidenten der Pfalz (3)
  • P. Übergangsgelder für Provinzialdirektoren
  • Q. Generaldirektor der Landeszentralbank (3)
  • R. Stellenbesetzungen in den Ministerien und weitere Personalangelegenheiten
  • S. Statistisches Landesamt
  • T. Vorlagen aus der Zeit des Übergangskabinetts
  • U. Wiedereinstellung von zurückgekehrten Kriegsgefangenen
  • V. Ernährungslage (4.)

1Ausfertigung in Best. 860 Nr. 9602 und in Best. 700,169 Nr. 135, S. 509-519; Durchschlag in Best. 860 Nr. 8187 (auf 1. Seite oben rechts handschr. vermerkt: „Eidesformel“). Anlagen: 1. TO; 2. Erläuterung zum TOP 2 (Best. 860 Nr. 9602; Best. 700,169 Nr. 135, S. 521 und S. 523).

A. Verhältnis der Minister und Regierungsparteien zueinander

Ministerpräsident Altmeier 2 appelliert zunächst an das Vertrauen der Minister untereinander. Man müsse sich mit aller Offenheit und Kameradschaft begegnen. Das Verhalten im Ministerrat müsse beispielgebend sein für das Toleranzabkommen, das die Parteien untereinander abgeschlossen haben 3. Der Ministerpräsident bittet auch seinerseits um Vertrauen und wechselt mit den Ministern den Handschlag zu kameradschaftlicher Zusammenarbeit.

Minister Steffan führt dann in kurzen Worten aus, daß es für ihn und seine Kollegen von der SPD selbstverständlich sei, in echter Kameradschaft die gemeinsame schwere Aufgabe zu lösen. Es seien ihm jedoch Nachrichten zugegangen, daß in einer CDU-Versammlung in Neuwied die gehässigsten Angriffe gegen seine Ministerkollegen von der SPD und die SPD selbst gestartet worden seien. Das sei keine Basis für Zusammenarbeit. Minister Dr. Süsterhenn, der als Sprecher auf der erwähnten CDU-Delegiertentagung in Neuwied anwesend war, erklärt, daß während seiner Anwesenheit in keiner Weise irgendwelche Angriffe gegen die SPD oder die Minister der SPD erfolgt seien. Minister Steffan nimmt von dieser Erklärung Kenntnis.

B. Verhandlungen des MinPräs mit der Militärregierung

Sodann gibt der Ministerpräsident einen umfassenden Bericht über seine Verhandlungen mit der Militärregierung 4. Die Frage des Abiturs sei geprüft und dabei eine Angleichung an den derzeitigen gesetzlichen Zustand aufgrund der Verfassung bald in Aussicht gestellt 5. Minister Dr. Süsterhenn gibt bekannt, daß seine Verhandlungen vor allem das Ziel hätten, für durchgefallene Schüler durch eine nachträgliche Korrektur, d.h. Wiederholung des Examens, etwaige Härten auszugleichen.

2Zum Regierungswechsel von Boden zu Altmeier vgl. die Einleitung, S. #.
3Koalitionsabkommen zwischen CDU und SPD vom 8.7.1947 (Best. 860 Nr. 9589; Brommer, Quellen, S. 469-472). Vgl. die entsprechenden Beratungen des Landesvorstandes und der Fraktion der CDU vom 1.7.1948 und vom 8.7.1948 (Best. 860 Nr. 9589).
4Vgl. das Protokoll zur Besprechung am 12.7.1947 (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 136-138). Zur Überlieferung der Protokolle dieser Besprechungen vgl. Anm. 3 zur 2. MRS am 5.12.1946, TOP A.
5Vgl. Ruge-Schatz, Umerziehung, S: 86-90 und Schaaf, Schulpolitik, S. 325 f. Im Protokoll der Besprechung des MinPräs mit Vertretern der Militärregierung am 12.7.1947 heißt es hierzu von französischer Seite: „So sei z.B. die Verordnung wegen des Abiturs zu einem Zeitpunkt erfolgt, als Verfassung bzw. die Auswirkungen derselben noch nicht bestanden. Die Militärregierung werde noch im Laufe dieser Woche in ihrem Schoße eine Angleichung an den derzeitigen Zustand, wie er durch die Verfassung geboten ist, vornehmen und wahrscheinlich noch diese Woche das Kultusministerium hinzuziehen“ (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 137 f.). Vgl. 39. MRS am 28.8.1947, TOP 1/17 und TOP 1/18.

C. Demontage

Zur Frage der Demontage übergehend 6 weist er darauf hin, daß in der Delegiertentagung in Neuwied darauf aufmerksam gemacht worden sei, daß Zwangsbeschlagnahmungen des Rohbims zum Zwecke des Exportes ausgesprochen oder angekündigt seien 7. Wenn unser ganzer Rohbims ins Ausland geliefert werden soll, ist natürlich die gesamte Industrie im Neuwieder Becken in Frage gestellt 8.

D. Beamtenernennungen

Es wurde beschlossen, die Frage der Beamtenernennungen usw. durch eine Aussprache zwischen Staatsministerium und Innenministerium im Sinne der Koalitionsabmachungen zu klären 9. Ein daraus resultierender Vorschlag soll auf der nächsten Kabinettssitzung besprochen werden. Die Ernennungen während der Zeit des Rumpfkabinetts 10 sollen auf ihre Gültigkeit nachgeprüft werden.

6Zuletzt 24. MRS am 18.4.1947, TOP 6. In der Besprechung des MinPräs mit Vertretern der Militärregierung am 12.7.1947 hatten letztere die Passage der Regierungserklärung, welche die Absicht zur Bemühung um Reduktion der Demontagen enthielt, kritisiert (Brommer, Quellen, S. 475 f.).
7Siehe hierzu die Eingabe des Verbandsvorsitzenden der Rheinischen Bimsbaustoffwerke Reinhard vom 30.6.1947 an den MinPräs bzw. den Minister für Wirtschaft (Best. 950 Nr. 15248). Laut Verfügung des GenGouv vom 20.6.1947 wurden der rheinischen Bimsindustrie Lieferungen an das Ausland zur Kompensation für von dort erhaltene Waren auferlegt. Laut Reinhard handelte es sich dabei um: „1. Lieferung von 20.000 t Rohbims nach Belgien und Holland, Lieferzeit: drei Monate, 2. Lieferung von 4.000 t Rohbims zur Verfügung des Sonderbeauftragten der rheinischen Bimsindustrie, Herrn Nied, Andernach […]. Diese Lieferung hat monatlich zu erfolgen.” Reinhard wandte sich vor allem gegen die geplanten Dauerlieferungen, die „für die Existenz der rheinischen Bimsindustrie eine ganz ungeheuerliche Gefahr” darstellen würden. Vgl. ebd. Nr. 15139 und Best. 441 Nr. 46116.
8Vgl. Antwortschreiben des Wirtschaftsministers vom 14.7.1947 sowie einen für den Wirtschaftsminister erstellten Vermerk vom 6.8.1947 über eine Besprechung mit den zuständigen französischen Stellen. Demzufolge hatte man seitens der Militärregierung zugesichert, daß es sich bei der Lieferauflage um eine einmalige Aktion handeln würde (Best. 950 Nr. 15286). – Fortgang 33. MRS am 22.7.1947, TOP C
9Siehe oben Anm. 3.
10Bezug: Übergangskabinett, das der am 13.6.1947 gewählte MinPräs Boden bis zur Herstellung einer mehrheitsfähigen Koalition führte (Heyen, Wilhelm Boden, S. 193 f.).

E. Mitteilungen des Ministerpräsidenten

Bei Punkt 2 der Tagesordnung „Mitteilungen des Ministerpräsidenten” wird die Frage der Vorstellung der neuen Minister bei der französischen Militärregierung erörtert. Der Ministerpräsident gibt bekannt, daß er bei seinem Besuch dem Herrn Gouverneur gegenüber die nicht vorgestellten Minister damit entschuldigt habe, daß diese im Moment nicht greifbar gewesen seien.

F. Vertretung des Ministerpräsidenten 11

Als Vertreter des Ministerpräsidenten wird Innenminister Steffan einmütig bestimmt.

Um den Geschäftsgang unter den einzelnen Ministerien zu erleichtern, wird eine zahlenmäßige Reihenfolge bestimmt, die durchaus nicht den Wertgradmesser für das einzelne Ministerium sein soll, sondern mehr historisch bedingt ist. Es wird folgende Reihenfolge festgesetzt:

    Nr. 1 Inneres

    2 Justiz

    3 Kultus

    4 Wirtschaft und Verkehr

    5 Finanzen

    6 Landwirtschaft und Ernährung

    7 Arbeit

    8 Wiederaufbau

    9 Gesundheit und Wohlfahrt.

G. Zuteilung des Verkehrsressorts an das Wirtschaftsministerium 12

Über die Zuteilung des Verkehrsministeriums an das Wirtschaftsministerium entspinnt sich eine lebhafte Diskussion. Minister Feller führt verschiedene Gesichtspunkte an, die es ihm geboten erscheinen lassen, das Verkehrsministerium wieder mit dem Wiederaufbauministerium zu vereinen. Demgegenüber werden eine Reihe sachlicher Argumente vorgebracht, die erfordern, daß Wirtschaft und Verkehr zusammengehören. Schließlich wird beschlossen, daß die Minister für Wiederaufbau und Wirtschaft sich noch einmal über dieses Problem unterhalten und in der nächsten Kabinettssitzung berichten 13.

11Vgl. Brommer, Allparteienregierung, S. 142.
12Zuletzt 11. MRS am 27.1.1947, TOP 1; vgl. Brommer, Allparteienregierung, S. 143.
13Fortgang 33. MRS am 22.7.1947, TOP 2.

H. Wagen- und Benzinfrage

Sodann wird die Wagen- und Benzinfrage angeschnitten 14. Es soll vor allen Dingen darauf geachtet werden, daß jeder Minister einen Dienstwagen bekommt. Auch eine Auswechslung von Dienstwagen der Landräte und Regierungspräsidenten wird in Aussicht genommen. Minister Steffan und der Chef des Staatsministeriums, Dr. Haberer, werden sich dieser Aufgabe unterziehen. Den Ministern werden folgende Benzinmengen monatlich zugestanden 15:

Ministerpräsident 1.000 Liter

Die Minister Neumayer, Dr. Hoffmann, Bökenkrüger, Stübinger und Feller 900 Liter

Die Minister Steffan u. Dr. Süsterhenn 700 Liter

Minister Junglas 600 Liter

Dr. Haberer erhält 900 Liter monatlich.

Das den Ministern zugeteilte Benzin soll nach Möglichkeit von den Ministern selbst verwaltet werden. Wie groß die Mengen sein werden, soll nach einem vom Verkehrsminister auszuarbeitenden Vorschlag festgesetzt werden. Dem Kommissar für die politische Bereinigung soll ein gesondertes Kontingent an Benzin zur Verfügung gestellt werden 16.

I. Fragebogen der Minister

Es wird beschlossen, für die Personalakten die Fragebogen der Minister 17 einzunehmen.

14Zuletzt betr. Wagen 20. MRS am 18.3.1947, TOP 5. Vgl. Brommer, Allparteienregierung, S. 147 f.
15Vgl. 4. MRS am 17.12.1946, TOP A.
16Fortgang 33. MRS am 22.7.1947, TOP 3.
17Bezug: Fragebögen zur Entnazifizierung

J. Materialbeschaffung

Die Materialbeschaffung, die bisher eine Angelegenheit des Wirtschaftsministeriums gewesen ist, wird in die Zuständigkeit des Staatsministeriums gelegt.

K. Information der Öffentlichkeit über die Arbeit der Landesregierung

Mit dem Vorschlag des Herrn Ministerpräsidenten, von Zeit zu Zeit über die Arbeit der Landesregierung in Broschürenform der Bevölkerung Aufklärung zu geben, z.B. Herausgabe der Verfassung, der Regierungserklärung, des Toleranzabkommens, ist man allgemein einverstanden.

L. Münchener Ministerpräsidentenkonferenz

Der Ministerpräsident Altmeier teilt mit, daß der Empfang der von der Münchener Ministerpräsidentenkonferenz gewählten Kommission durch den Kontrollrat noch nicht akut sei. Es wird beschlossen, daß anstelle des Ministerpräsidenten a.D. Dr. Boden, Ministerpräsident Altmeier Mitglied dieser Kommission sein solle 18.

M. Flüchtlingsprobleme

Bezüglich einer Tagung am 24.7. in Bad Segeberg, auf der Flüchtlingsprobleme behandelt werden 19, wird in Anbetracht dessen, daß auch für das Land die Flüchtlingsfrage akut werden wird, gebilligt, daß der Minister für Wohlfahrt und der Landeskommissar für das Flüchtlingswesen 20 an dieser Tagung teilnehmen 21.

18Zum Scheitern des Bemühens der Kommission um einen Empfang beim Alliierten Kontrollrat vgl. Best. 860 Nr. 1980
19Zuletzt 30. MRS am 11.6.1947, TOP B.
20Landeskommissar für das Flüchtlingswesen (auch: „Regierungsflüchtlingskommissar“) war von 1946-1948 Dr. Josef Junges (Best. 860P Nr. 736; Brommer, Quellen, S. 164 und S. 488). Vgl. Best. 930, Nr. 3036 und Nr. 4232.
21Unterlagen zum Verlauf der Konferenz konnten nicht ermittelt werden. – Fortgang 33. MRS am 22.7.1947, TOP B.

N. Umzug von Ministerien in das frühere Oberpräsidium

Ministerpräsident Altmeier berichtet, daß das Staats- und Innenministerium aller Voraussicht nach am 1.8. den bereits geplanten Umzug in das frühere Oberpräsidium 22 vollziehen könnten und daß zu diesem Zeitpunkt die noch verbleibenden Dienststellen auf Oberwerth 23 die bisher genutzten Räume beziehen könnten. Ein Antrag Minister Fellers, ihm ebenfalls sofort Räume im Oberpräsidium zuzuteilen, wird abgelehnt, da sonst alle Ministerien auseinandergerissen würden, es wird aber zugesagt, daß von den fernerhin zu erstellenden Räumen dortselbst dem Wiederaufbauministerium solche bevorzugt zugeteilt werden 24.

O. Besetzung der Stellen des Oberpräsidenten und des Vizepräsidenten der Pfalz

Bezüglich der Besetzung des Oberpräsidenten und des Vizepräsidenten der Pfalz sowie des Generaldirektors der Landeszentralbank (Punkt 3 der Tagesordnung) wird folgender Beschluß gefaßt 25:

Der Ministerrat beschließt einstimmig, zum Oberregierungspräsidenten der Pfalz den Herrn Landtagsabgeordneten Franz Bögler 26 zu berufen und zu seinem Stellvertreter als leitenden RDir den Bgm der Stadt Ludwigshafen, Herrn Dr. Reichert 27 zu bestellen. Dieser Beschluß wird wirksam, wenn zu

1) seitens des Herrn Finanzministers Dr. Hoffmann bis einschließlich 17.7. kein Einspruch erfolgt,

2) die einzuholende Zusage des Herrn Dr. Reichert eingeht 28.

Was die Abberufung der Herren Dr. Eichenlaub und Koch betrifft, ist der Ministerrat einhellig der Auffassung, daß diese in ordentlicher Weise durch den Ministerpräsidenten persönlich erfolgt. Das Übergangsgeld soll ihnen gemäß Artikel 62 des Deutschen Beamtengesetzes gezahlt werden 29.

22Zuletzt 26. MRS am 30.4.1947, TOP 1.
23Bezug: Gebäude des Königlich Preußischen Lehrerinnenseminars in Koblenz-Oberwerth, Rheinau 3-4, in dem 1944 die Bezirksregierung Koblenz, dann Teile der Landesregierung, darunter Staatsministerium mit dem MinPräs und das Innenministerium, provisorisch untergebracht waren (Best. 860 Nr. 1426; Best. 700,155 Nr. 1; Dellwing/Liessem, Stadt Koblenz, S. 140 f.; Heyen, Rheinland-Pfalz, Bildseite S. 440-441).
24Fortgang 54. MRS am 25.11.1947, TOP C.
25Zuletzt 26. MRS am 30.4.1947, TOP 2. In der Besprechung des MinPräs mit der französischen Militärregierung am 12.7.1947 hatte letztere die Veröffentlichung der Ernennung des Abgeordneten Bögler zum ORPräs der Pfalz in pfälzischen Zeitungen sowie die beabsichtigte Ernennung von Dr. Boden zum Generaldirektor der Landeszentralbank in der AZM beanstandet. Vorzeitige Veröffentlichungen dieser Art würden die Militärregierung unter Druck setzen und damit eine Zusage erschweren bzw. unmöglich machen. Die Presse solle angewiesen werden, sich bei allen Personalveröffentlichungen auf die amtlichen Mitteilungen zu beschränken (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 136).
26Franz Bögler (1902-1976), Besuch der Mittelschule in Metz, 1917-1919 Verwaltungslehre Stadtverwaltung Metz, 1919 Entlassung und Ausweisung aus Lothringen, 1919-1929 Verwaltungsangestellter bei der Stadtverwaltung Speyer, ab 1929 Bezirkssekretär der SPD Pfalz, 1933 Mitglied im bayerischen LT, 1933-1946 Emigration (Saargebiet, Tschechoslowakei, Frankreich, Schweiz), 1947 ORPräs der Pfalz 1947, 1949 in den Wartestand versetzt, 1967 Pensionierung, Vizepräsident der BLV, 1947-1963 MdL, 1951-1961 LT-Vizepräsident, 1946-1965 Bezirksvorsitzender der SPD Pfalz, 1951-1964 Vorsitzender des Bezirkstages der Pfalz, 1959-1961 stellv. SPD-Fraktionsvorsitzender im LT (Grass, Politiker-Porträts, S. 277 f.; Mehl-Lippert/Peckhaus, Abgeordnete, S. 157; Simon, Die Abgeordneten, S. 141 f.; Best. 860P Nr. 3597; NL Bögler in: LASp Best. V 52). Zu den Auseinandersetzungen Böglers mit der Militärregierung und der Regierung Altmeier vgl. Küppers, Staatsaufbau, S. 160-168.
27Dr. Ludwig Reichert (1894-1957), Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten München, Freiburg und Würzburg, Promotion, 1923 Regierungsassessor, 1925 Rechtsrat (Stadtsyndikus) in Ludwigshafen, Oberrechtsrat, 1945 CDU, MdBLV, 1946-1947 Präsident der BLV, 1945-1957 Bgm in Ludwigshafen, Vorstandsmitglied des Sparkassen- und Giroverbandes Pfalz, Kaiserslautern (Mehl-Lippert/Peckhaus, Abgeordnete, S. 261; Fisch, Dr. Ernst Albert Lotz (1946) und Dr. Ludwig Reichert (1946-1947), S. 22-38; Best. 860Z Nr. 758).
28Anstelle von Dr. Reichert wurde der bisherige Generalstaatsanwalt Dr. Ernst Doller zum Vizepräsidenten ernannt. Vgl. 33. MRS am 22.7.1947, TOP 1.
29Bezug: „Deutsches Beamtengesetz“ vom 26.1.1937 (RGBl. I 1937, S. 39-70). Mit Schreiben vom 10.7.1947 hatte ORPräs Eichenlaub dagegen protestiert, dass aufgrund des Koalitionsabkommens zur Begründung der Regierung Altmeier eine Umbesetzung der Posten an der Spitze der Provinzialregierung der Pfalz vorgenommen werden sollte. Für den Fall des Vollzugs dieser Vereinbarung kündigte er Klage vor dem Verfassungsgerichtshof an (Best. 860P Nr. 1637). – Fortgang 33. MRS am 22.7.1947, TOP 1.

P. Übergangsgelder für Provinzialdirektoren

Die Frage der Übergangsgelder der Provinzialdirektoren wird gesondert besprochen. Es soll kein Präzedenzfall geschaffen werden. Bestimmungen über das Deutsche Beamtengesetz hinaus sollen nicht anerkannt werden.

Q. Generaldirektor der Landeszentralbank

Als Generaldirektor der Landeszentralbank ist Herr Ministerpräsident a.D. Dr. Boden vorgesehen 30. Nach den gesetzlichen Bestimmungen vom 19.2.47 31 muß ein diesbezüglicher Vorschlag vom Finanzminister eingebracht werden. Finanzminister Dr. Hoffmann wird diesen Vorschlag im Laufe der Woche einreichen 32.

R. Stellenbesetzungen in den Ministerien und weitere Personalangelegenheiten

Wegen der weiteren Besetzung der einzelnen Ministerien wird folgender Beschluß gefaßt:

Die einzelnen Minister reichen bis spätestens Freitag, den 18.7.47 Vorschläge zur Besetzung ihres Ministeriums in den höheren Stellen ein. Dieser Beschluß wird einstimmig angenommen.

Finanzminister Dr. Hoffmann regt an, es bei dem einzigen Staatssekretär zu belassen und weitere nicht zu benennen. Die Frage wird in Verbindung mit der Besetzung der übrigen zweiten Stellen entschieden werden.

Die sofortige Beurlaubung des Herrn Dr. Lichter wird seitens des Ministerrats genehmigt und Minister Neumayer beauftragt, diese Beurlaubung auszusprechen 33. Minister Neumayer berichtet in diesem Zusammenhang, daß Herr Dr. von Poll 34 bereit sei, seine Arbeitskraft dem Wirtschaftsministerium zur Verfügung zu stellen. Er verzichte jedoch darauf, in das Beamtenverhältnis übernommen zu werden, er wünsche lediglich als Angestellter auf Sondervertrag eingestellt zu werden 35.

Auf Antrag Dr. Hoffmanns wird sich die nächste Sitzung des Kabinetts mit der Frage der Minister- und Beamtengehälter befassen 36.

Die von Minister Bökenkrüger geäußerten Wünsche bezüglich Versetzung von Fachleuten aus Hessen-Pfalz zur Landesregierung nach Koblenz werden vom Staatsministerium geprüft werden 37.

30Vgl. Best. 700,155 Nr. 52 sowie Brommer, Allparteienegierung, S. 141 f.
31Bezug: Das in der 16. MRS am 19.2.1947, TOP 1 behandelte Gesetz über die Errichtung einer Landeszentralbank (TOP 1).
32Fortgang 41. MRS am 5.9.1947, TOP 2.
33Zuletzt 5. MRS am 3.1.1947, TOP B. – Fortgang 35. MRS am 1.8.1947, TOP H.
34Dr. Friedrich von Poll (*1902), 1946 Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Koblenz (Best. 856 Nr. 110847).
35Fortgang 33. MRS am 22.7.1947, TOP A.
36Vgl. 11. MRS am 27.12.1947, TOP 4. und 33. MRS am 22.7.1947, TOP 4.
37Fortgang 33. MRS am 22.7.1947, TOP A

S. Statistisches Landesamt

Das Statistische Landesamt, das bisher dem Wirtschaftsministerium unterstellt war, soll dem Ministerpräsidenten (Staatsministerium) unterstellt werden, da es mit fast allen Ministerien zu tun habe 38.

T. Vorlagen aus der Zeit des Übergangskabinetts

Die aus der Zeit des Übergangskabinetts noch vorliegenden Vorlagen für Landesverordnungen sollen den einzelnen Ressortministern zur erneuten Stellungnahme 39 zurückgegeben werden. Lediglich die Vorlagen des Justizministeriums werden auf Antrag des Justizministers von diesem Beschluß nicht berührt.

U. Wiedereinstellung von zurückgekehrten Kriegsgefangenen

Die Frage über die Wiedereinstellung von zurückgekehrten Kriegsgefangenen in ihre alten Stellen ohne Bereinigung wird von Minister Junglas dahingehend beantwortet, daß wenig oder schwach Belastete vorbehaltlich der späteren Entscheidung des Bereinigungskommissars eingestellt werden können 40. Dr. Haberer gibt bekannt, daß er diese Angelegenheit der Militärregierung zur Entscheidung unverzüglich vorlegen werde 41.

V. Ernährungslage

Minister Stübinger gibt einen kurzen Überblick über die gegenwärtige Lage der Ernährung 42. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Anschluß an die neue Ernte erreicht wird. Dazu sei aber notwendig, daß alle Transportmittel ihm zur Verfügung gestellt werden und alle Kräfte zusammenstehen würden 43. Im einzelnen gibt er bekannt, daß die Kartoffelernte nicht sehr günstig sei. Die Getreideernte liege ungefähr 50% unter der des vergangenen Jahres. Es wird angeregt, der Bevölkerung unseres Landes zunächst vier Zentner Kartoffeln pro Kopf zuzuteilen und erst dann die uns auferlegte Auflage zu erfüllen. Dieses Problem wird in ca. zwei Monaten akut sein 44.

38Zuletzt 11. MRS am 27.1.1947, TOP 1.
39Vorlage: „Stellung“.
40Vgl. 17. MRS am 21.2.1947, TOP 4, sowie Best. 880 Nr. 10704.
41Fortgang 40. MRS am 3.9.1947, TOP F. Vgl. 94. MRS am 3.9.1948, TOP O.
42Zuletzt betr. LVO zum Schutz der Volksernährung 30. MRS am 11.6.1947, TOP A. Zuletzt betr. Ernährungslage 30. MRS am 11.6.1947, TOP 3.
43Vgl. die vom Minister für Landwirtschaft und Ernährung am 17.7.1947 erlassene Lvfg. über die Verkehrsregelung für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Lebensmittel, die der Bewirtschaftung unterliegen (Best. 950 Nr. 4952), die jedoch, im Unterschied zu einer früheren von MinPräs Boden erlassenen Lvfg. gleichen Titels vom 1.2.1947 (GVBl. I 1947, S. 37 f.) nicht veröffentlicht wurde.
44Fortgang betr. Landesernährungsamt 37. MRS am 12.8. 1947 , TOP B. Fortgang betr. Ernährungslage ebd., TOP L.