1Durchschlag in Best. 860 Nr. 9602 und in Best. 700,169 Nr. 135, S. 373-381. Abweichende Fassungen des ersten Abschnittes zum ersten TOP (siehe unten Anm. #) sowie des dritten Abschnittes unter dem zweiten TOP (siehe unten Anm. #) in der Fassung in Best. 860 Nr. 8187 (Durchschlag). Anlagen: 1. Vorschläge [des Ministerrats] zur Abgrenzung der Befugnisse zwischen der französischen Militärregierung und den verfassungsmäßigen Organen des Landes Rheinland-Pfalz vom 14.8.1947 (Best. 860 Nr. 9602; Best. 700,169 Nr. 135, S. 383-389); 2. Schreiben des MinPräs Altmeier vom 14.8.1947 an den GenGouv Hettier de Boislambert (Best. 860 Nr. 9602; Best. 700,169 Nr. 135, S. 391-393); 3. „Niederschrift über die am heutigen Tage in Trier aus Anlaß der Rückgliederung des Kreises Saarburg an das Land Rheinland-Pfalz statt gefundenen Verhandlungen“ (Best. 860 Nr. 9602, mit Vermerk „Drucksache 45“); 4. Schreiben des Chefs des Staatsministeriums vom 11.8.1947 an MinPräs Altmeier betr. Hilfsmaßnahmen für die Grenzgebiete (Kreise Saarburg und Prüm) (ebd.; Best. 700,169 Nr. 135, S. 395-397); 5. Abkommen – vom 25. Juni 1947 – zur Errichtung einer Betriebsvereinigung der südwestdeutschen Eisenbahnen (Drucksache; Best. 860 Nr. 9602); 6. TO und Vermerk (Haberer) zur Abänderung des TOP 5 (ebd. und Nr. 8187; Best. 700,169 Nr. 135, S. 399).
2Das Thema war in der zuerst vorgegebenen TO unter dem TOP 5: „Mitteilungen“ eingeordnet, wurde dann aber entsprechend einem Vermerk des Chefs des Staatsministerium unter Verweis auf die von ihm als Anlage (Nr. 4.) beigefügte Stellungnahme vom 11.8.1947 „abgeändert in“: „5.) Die Möglichkeit von Hilfsmaßnahmen für die zerstörten Grenzgebiete“.
A. Abgrenzung der Kompetenzen zwischen der französischen Militärregierung und der deutschen Verwaltung
[Version I] 3
Unter Bezugnahme auf die Beschlüsse in der Sitzung vom 5.8.47 4 berichtet der Ministerpräsident von Besprechungen mit der Militärregierung 5. Die in der Sitzung vom 5.8. beschlossenen Vorschläge werden entsprechend diesen Besprechungen redaktionell – wie aus der anliegenden Anlage Nr. 1 und dem Begleitschreiben, Anlage Nr. 2, hervorgeht, abgeändert und einstimmig angenommen. 6
[Version II] 7
Der Ministerpräsident berichtet über eine mit Kapitän Foucry 8 gehabte Rücksprache bezüglich Einreichung der Vorschläge über die Abgrenzung der Kompetenzen zwischen der französischen Militärregierung und der deutschen Verwaltung 9. Die Aussprache ergab eine weitgehende Zustimmung zu den deutschen Vorschlägen. Herr Foucry hat jedoch geraten, man möge sich auf die rein materiellen Grenzen beschränken und Erörterungen grundsätzlicher Art vermeiden; auch hatte Foucry geraten, den Ton der Eingabe umzustellen. Die Denkschrift wird in abgeänderter Form – wobei Verschärfungen abgelehnt wurden – vom Ministerrat einstimmig gebilligt. 10 Die grundsätzlichen Darlegungen sollen in Begleitschreiben niedergelegt werden. 11 Auch hier herrscht Einmütigkeit. 12
3Der folgende Absatz fehlt in der Fassung in Best. 860 Nr. 8187.
4Zuletzt 36. MRS am 5.8.1947, TOP A.
5Siehe unten Anm. 9.
6Siehe oben Anm. 1, Anlagen Nr. 1 und Nr. 2. – Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP I.
7Nur in Best. 860, Nr. 8187.
8Pierre Foucry war enger Mitarbeiter des GenGouv; stellvertretend für ihn führte er die ersten Besprechungen mit Altmeier nach dessen Ernennung zum MinPräs; regelmäßig nahm er an den übrigen Besprechungen teil (vgl. Best. 860 Nr. 9586; Pieroth, Parteien, S. 142 und S. 256; Hudemann, Sozialpolitik, S. 292, Anm. 49 und S. 493, Anm. 82).
9Außer den Besprechungen vom 12.7.1947 und 22.7.1947 konnte kein Protokoll zu diesem Punkt nachgewiesen werden (Best. 860 Nr. 9586, Bl. 132-138, hier: Bl. 134 und Bl. 137). Weitere Besprechungen sind für den 2.9.1947 und den 17.9.1947 belegt (vgl. Best. 860 Nr. 1007, S. 399).
10Vgl. Anlage Nr. 1 zur 36. MRS am 5.8.1947 und Anlage Nr. 1 zur oben protokollierten Sitzung (Best. 700,169 Nr. 135, S. 409-423 und S. 383-389).
11Siehe oben Anm. 1, Anlage Nr. 2 (Best. 700,169 Nr. 135, S. 391-393). Dieser Fassung des Begleitschreibens des MinPräs vom 14.6.1947 (auch in Best. 860 Nr. 1007, S. 473 f.) ging eine kürzere Version vom 6.8.1947 voraus (es fehlen darin die konkreten Bezüge auf die Dienstnote Nr. 2677 zum Aufbau des Schulwesens und auf die Verordnung Nr. 102 über die Neuorganisation der Amtsgerichte), worin der MinPräs den GenGouv um einen Termin bat, an dem die Angelegenheit mit dem gesamten Ministerrat besprochen werden sollte (ebd., S. 491).
12Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP I.
B. Bestrafung der Mitarbeiter des Landesernährungsamtes 13
In diesem Zusammenhang gibt Minister Stübinger bekannt, daß die Militärregierung mitgeteilt habe, daß wegen schlechter Erfassung der Vieh- und Fleischbestände als Strafe die Mitarbeiter des Landesernährungsamtes 14 am Freitag (Feiertag), 15 Samstag und Sonntag arbeiten müßten. 16 Der Ministerrat erklärt dieses Vorgehen als unzulässige Einmischung in die deutsche Zuständigkeit. 17 Der Ministerrat ermächtigt Minister Stüber, bei der Militärregierung entsprechende Vorstellungen zu erheben. Wenn keine zufriedenstellende Erklärung erzielt würde 18, müsse sich der Ministerpräsident einschalten. 19
13Zuletzt betr. Ernährungslage 32. MRS am 15.7.1947, TOP V.
14Zu Organisation und Aufgaben dieser Behörde vgl. Best. 940 Nr. 63, Nr. 91-94, Nr. 99-100, Nr. 103, Nr. 518-522 und Nr. 755-756. Erster Leiter war Heinrich Groß (vgl. Anm. 8 zur 42. MRS am 12.9.1947, TOP B sowie 72. MRS am 7.5.1948, TOP 6c).
15Bezug: Maria Himmelfahrt; hier: Freitag, der 15.8.1947.
16Vgl. den entsprechenden Aktenvermerk für den Minister vom 12.8.1947 mit Bezug auf ein deutschfranzösisches Treffen am gleichen Tag (Best. 940 Nr. 112, S. 309). Ein Protokoll ist nicht nachweisbar, lediglich ein am gleichen Tag gefertigter Vermerk zu einer Besprechung am 11.8.1947, in deren Verlauf Oberst Vincent die deutschen Beamten sehr ungehalten anging (ebd., S. 319-321). Dabei wurde auch oben erwähnte Maßnahme angedroht: „In Bezug auf die Lieferrückstände in Fleisch, sowohl für Armee als auch für Zivil, befahl Herr Oberst Vincent, daß das Referat Vieh und Fleisch sowohl am Freitag, Samstag als auch am Sonntag voll arbeiten müßte, wenn bis zu diesem Zeitpunkt nicht sämtliche Rückstände aufgeholt seien. Herr Oberst Vincent erklärte, daß er nicht gewillt sei, weiterhin hinzunehmen, daß seine Anweisungen nicht befolgt werden. Das gleiche gilt auch für die Fleischreferenten von den Außenstellen Kaiserslautern und Trier […]“ (ebd., S. 321). Generell bestand auf Seiten der Militärverwaltung die Neigung, die Probleme der Versorgung und insbes. bei der Erfüllung der verlangten Kontingente auf Versagen der Beamten der dafür zuständigen deutschen Stellen zurückzuführen. Eine Anweisung der Militärregierung vom 16.7.1946 an die Presse definierte deren Rahmen in Betreff der Berichterstattung über Probleme der Lebensmittelversorgung entsprechend: „Die Kritik muß die Unvollkommenheit des gegenwärtigen Systems betonen und darf die unzureichende Menge der Rationen nicht der französischen Verwaltung anlasten.“ (Pieroth, Parteien, S. 190). Vgl. auch die zahlreichen Aktenvermerke vom März-November 1947 über die teilweise erregt geführten Besprechungen von Mitarbeitern des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung bzw. des Landesernährungsamtes mit Vertretern der Militärregierung in Best. 940 Nr. 112, S. 253-321, sowie TOP L dieser Kabinettssitzung.
17Textliche Abweichung in Best. 860 Nr. 8187: „Der Minsterrat erklärt […] und ermächtigt Minister Stübinger, entsprechende Vorstellungen zu erheben“.
18In Best. 700,169 Nr. 135, S. 373: „werde“.
19Zur Kritik der Militärregierung an der Arbeitsverwaltung vgl. Best. 930, Nr. 5770. – Fortgang betr. Ernährungslage allgemein unten TOP L.
C. Saargebiet und Ostertalgemeinden (Rück- und Angliederung) 20
Die vorliegende Niederschrift über die Verhandlungen bezüglich Rückgliederung des Kreises Saarburg an das Land Rheinland-Pfalz wird vom Ministerrat ratifiziert und dem Landtag zugeleitet. 21 Bezüglich der Ostertalgemeinden wird beschlossen, daß, wie im Fall Saarburg, zunächst eine Besprechung zwischen Vertretern der Ostertalgemeinden und der Landesregierung stattfinden solle mit dem Ziele, die Aufstellung eines Entwurfes zu fertigen, der ebenfalls dem Ministerrat zugeleitet und dann dem Landtag übergeben werden soll. 22
20Zuletzt 36. MRS am 5.8.1947, TOP C.
21Vgl. Anm. 1, Anlage Nr. 3. Der LT ratifizierte das Abkommen am 28.8.1947 (LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. I, S. 46; GVBl. I 1947, S. 481 f.).
22Am 11.9.1947 wurde eine Vereinbarung zwischen der Verwaltungskommission des Saarlandes und der Regierung des Landes Rheinland-Pfalz, letztere vertreten durch die RPräs Steinlein (Trier) und Sommer (Koblenz; vgl. Anm. # zur 77. MRS am 1.6.1948, TOP 4) sowie MinR Walther, zur Angliederung der Gemeinden des Ostertals (Kreise Birkenfeld und Kusel) an das Saarland rückwirkend zum 24.6.1947 abgeschlossen (Best. 860 Nr. 2068, S. 19-25). Zur lokalen Umsetzung vgl. Best. 441 Nr. 43624. – Fortgang betr. Ostertalgemeinden 54. MRS am 25.11.1947, TOP 1.
D. Betr.: Hilfsmaßnahmen für den Kreis Saarburg 23
[Version I]
Der Ministerpräsident berichtet von notwendigen Hilfsmaßnahmen für die notleidenden Grenzgebiete. Er ersucht die Ressortminister, ihm hinsichtlich möglicher Sonderzuteilungen, insbesondere auf dem Gebiete des Wiederaufbaues, der Landwirtschaft und der Wirtschaft bis Donnerstagabend schriftlich zu berichten, da er beabsichtige, in den nächsten Tagen den Kreis Saarburg aufzusuchen.
Dabei sollen die Angaben und Mitteilungen der Denkschrift des Regierungspräsidenten von Trier entsprechend beachtet werden. 24
[Version II] 25
Der Ministerpräsident kommt in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit von Hilfsmaßnahmen für die zerstörten Grenzgebiete zu sprechen. Dabei verweist er auf eine vom Regierungspräsident Steinlein 26 gefertigte Denkschrift über die Lage im Kreise Saarburg. 27 Der Ministerrat ist sich einstimmig darüber klar, daß alles versucht werden müsse, um dort Hilfe zu schaffen und beschließt, entsprechende Schritte in die Wege zu leiten. 28
23Dieser Abschnitt fehlt in der Fassung in Best. 860 Nr. 8187. Zur wirtschaftlichen und politischen Lage im Kreis Saarburg vgl. das vom Staatsministerium zur Vorbereitung der Kabinettssitzung erstellte Rundschreiben mit Anlage für die Minister vom 11.8.1947 (Best. 860 Nr. 2063, S. 83-95) sowie Nr. 1295.
24Vermutlich Denkschrift vom 5.8.1947 mit Anlagen I und II (Best. 860 Nr. 2063, S. 75-81; die Anlagen III-V fehlen). Vgl. die im NL Steinlein zur Situation im Raum Trier 1945-1947 überlieferten Unterlagen (Best. 700,134 Nr. 1-3 und Nr. 12) sowie den politischen Lagebericht des Trierer RPräs vom 18.8.1947 für das 2. Quartal (Brommer, Quellen, S. 480-487, hier: S. 483-485).
25Nur in Best. 860, Nr. 8187.
26Dr. Wilhelm Steinlein (1901-1974), Rechtsanwalt, 1930-1936 Justitiar beim Landkreis Trier, seit 20.3.1945 RPräs in Trier, MdGK, 1946/1947 MdBLV, 1948 Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Verkehr, 1958-1969 Generaldirektor der Landesbank und Girozentrale Rheinland-Pfalz (Best. 860 Nr. 10789; vgl. Best. 700,134).
27Vgl. Anm. # zum vorigen Abschnitt.
28Zum Besuch des MinPräs im Kreise Saarburg vgl. 38. MRS am 20.8.1947, TOP 1.
Die vorgelegte Geschäftsordnung der Landesregierung 30 wird zur Überarbeitung zurückgezogen und zur Behandlung in die folgende Ministerratssitzung verwiesen. 31
F. Gesetz über Maßnahmen auf dem Gebiete des Pachtrechts 32
Auf Anregung des Ministers Steffan wird ein vom Ministerrat einstimmig beschlossener neuer Artikel in die Vorlage 33 eingefügt, der folgenden Wortlaut hat:
„Pachtverträge, die unter politischem Zwang zustande gekommen sind, genießen nicht den Schutz dieser Verordnung.” 34
29Zuletzt 36. MRS am 5.8.1947, TOP E. Vgl. allgemein Best. 860 Nr. 6959-6961 und Best. 930 Nr. 2061 sowie Brommer, Allparteienregierung, S. 142 f.
30Mit Schreiben vom 8.8.1947 hatte der MinPräs den vorliegenden Entwurf an die Minister übersandt (Best. 860 Nr. 6959).
31Zu den jetzt vorgeschlagenen Änderungen: Best. 860 Nr. 6959. – Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP 2.
32Zuletzt 22. MRS am 3.4.1947, TOP 2.
33Siehe oben Anm. 1, Anlage Nr. 6 zur Sitzung vom 20.8.1947.
34Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP D.
Bezüglich des Amnestiegesetzes wird beschlossen, das Justizministerium möge den vorliegenden 36 Entwurf nochmals einer Überprüfung unterziehen, um hinsichtlich der Straffreiheit von Steuervergehen und Vergehen gegen die persönliche Ehre Anderer entsprechende Artikel zu formulieren. 37
H. Vertrag mit den südwestdeutschen Eisenbahnen 38
Minister Neumayer trägt vor, den vorliegenden Vertragsentwurf mit den südwestdeutschen Eisenbahnen zu unterzeichnen und dem Landtag zur Ratifizierung vorzulegen. Es wird nach kurzer Debatte in diesem Sinne beschlossen, nachdem auch der Finanzminister zugestimmt hatte.
35Zuletzt 34. MRS am 29.7.1947, TOP I.
36In Best. 860 Nr. 8187: „vorgelegten“.
37Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP C.
38Zuletzt 36. MRS am 5.8.1947, TOP J.
I. Internierungslager Diez und Landau 39
Der Ministerpräsident schneidet die Frage der Entlassungen der Internierten in den Lagern Diez und Landau an. Dabei wird festgestellt, daß über die Entlassungen nach wie vor die Militärregierung allein entscheidet. Beispiele aus jüngster Vergangenheit zeigen, dass schwerbelastete Nazis entlassen, weniger belastete dagegen ungebührlich lange festgehalten werden. Hier müssen unbedingt die Spruchkammern mitwirken. 40 Der Ministerrat ist einstimmig der Auffassung, dass der Ministerpräsident diese Frage mit der Militärregierung bespricht. 41
J. Preis zum Autorennen auf dem Nürburgring 42
Zum Autorennen wird ein Ehrenpreis in Form einer Vase mit dem Schild „Ehrenpreis der Landesregierung Rheinland-Pfalz” zur Verfü-gung gestellt. 43
39Vgl. Resmini, Lager, S. 612-617, bes. S. 614 ff., sowie unter Auswertung der französischen Akten Möhler, Entnazifizierung, S. 383-386. Eine Zusammenstellung ehemaliger Internierungslager innerhalb und außerhalb der Bundesrepublik Deutschland ist in Best. 930 Nr. 10682 überliefert.
40Dieser und der vorherige Satz fehlen in der Fassung in Best. 860 Nr. 8187.
41Anstelle des letzten Satzes heißt es in der Fassung in Best. 860 Nr. 8187: „Der Ministerrat ist einstimmig der Meinung, daß auch diese Frage in die Abgrenzung der Zuständigkeiten gehört. Es soll mit der Militärregierung verhandelt werden.“
42Vgl. Best. 860 Nr. 356 sowie Födisch, Nürburgring.
43Fortgang 51. MRS am 30.10.1947, TOP 1.
Dr. Haberer gibt bekannt, daß die Überprüfung des Benzinkontingents dazu geführt habe, daß die Reserve in Höhe von 20.000 Liter der Landesregierung zusätzlich für das 3. Vierteljahr zur Verfügung gestellt wird. Dr. Haberer wird beauftragt, die Zuteilung dieser Menge aufzuschlüsseln und entsprechend zu berichten.
Der Vorschlag, den politischen Parteien für das 3. Quartal 45
CDU 1.260 Liter
SPD 1.260 Liter
DP 630 Liter
KPD 630 Liter
monatlich zuzugestehen, wird angenommen. 46
44Zuletzt 36. MRS am 5.8.1947, TOP N.
45In der Fassung in Best. 860 Nr. 8187 fehlt „für das 3. Quartal“.
46Fortgang 40. MRS am 3.9.1947, TOP B.
Minister Stübinger berichtet über seine in Baden-Baden gehabte Konferenz mit der französischen Militärregierung bezüglich Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln, Fett, Getreide usw. Die Situation sei äußerst trübe und kritisch. Die französische Militärregierung moniere das Absinken des Milchaufkommens und verlange, daß die Molkereien in die Erfassung stärker einbezogen werden sollen. 48 Wenn das Milchaufkommen weiter zurückgehe, müßte die Fettration gekürzt werden. Die Kartoffelernte sei sehr schlecht. 49 Es sei im höchsten Falle mit einer Zuteilung von drei Zentnern an den Normalverbraucher zu rechnen, aber nur dann, wenn keine Auflagen von der französischen Militärregierung gemacht würden. Der Ministerpräsident regt an, unmittelbar bei der Kartoffelernte für die Einkellerung besorgt zu sein. Minister Stübinger führt aus, daß in nächster Zeit mit dem Zusammenschluß der drei Zonen gerechnet werden könne. Sodann kritisiert Minister Stübinger die von der Demokratischen Partei in der Zeitung veröffentlichte Anfrage, warum im Kreise Simmern eine Razzia stattgefunden habe. 50 Er verwahrt sich gegen eine solche Propaganda und glaubt verlangen zu dürfen, daß solche Angriffe mit ihm vorher besprochen werden müßten. 51
Minister Neumayer schlägt vor, mit der Militärregierung dahingehend zu verhandeln, ob nicht in den nächsten Monaten auf das der Militärregierung zustehende Kontingent verzichtet werden kann, damit für die unbedingt notwendigen Transporte in der Erntezeit Reifen zur Verfügung ständen. Es wird demgemäß beschlossen. 53
47Zuletzt 32. MRS am 15.7.1947, TOP V; vgl. oben TOP B. Eine Kabinettsvorlage vom 11.8.1947 zwecks Einrichtung einer Landeswirtschaftspolizei sollte wohl bei dieser Sitzung Gesprächsgrundlage sein, scheint aber erst in der 46. MRS am 3.10.1947 (TOP 2) zur Sprache gekommen zu sein (vgl. die Stellungnahme des Ministers der Justiz dazu vom 10.9.1947, in Best. 860 Nr. 44, S. 3 f., ferner Anm. 2 zur TO der 44. MRS am 19.9.1947 und das Protokoll der 45. MRS, TOP 3, am 29.9.1947). Zur Ernährungssituation Ende August 1947 vgl. Best. 940 Nr. 96, S. 261 f. („Frühkartoffelbilanz“) und S. 269 (Beschlagnahme von aus Holland und Belgien eintreffenden Kartoffeln), ferner die monatlichen Berichte und Übersichten in Nr. 435 (für August 1947: ebd., S. 503-525) und Nr. 691 sowie als Beispiel die Ausführungen des RPräs Sommer in seinem politischen Lagebericht für die Zeit vom 1.7.30.9.1947 (Brommer, Quellen, S. 531-535).
48In einer Besprechung zwischen Beamten des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung mit Oberst Vincent teilte dieser mit, daß die Teilnahme von Minister Stübinger an einer Besprechung in Baden-Baden am 8.8.1947 (Sondersitzung wegen ständigen Rückgangs der Milchablieferung und damit verbundener Reduzierung des Butteraufkommens) „unter allen Umständen“ gewünscht werde (Best. 940 Nr. 112, S. 311; Protokoll in BArch Best. Z 7 Nr. 13). Vgl. auch den Aktenvermerk über die Besprechung vom 11.8.1947 beim Zentralausschuss für Ernährung in Baden-Baden mit Vertretern der drei Länder der französischen Zone und des Saargebietes über die Situation der Geflü-gelwirtschaft (ebd. sowie Best. 940 Nr. 95, S. 587-589).
49Im Bericht über die allgemeine Lage der Ernährung für August 1947 wird auf die wegen der großen Dürre schlechte Frühkartoffelernte hingewiesen (Best. 860 Nr. 435, S. 549-551). Vgl. Schreiben von Minister Stübinger vom 18.8.1947 an die Militärregierung zum Anbauplan für Kartoffeln 1947/1948 (Best. 940 Nr. 445, S. 525-527) sowie allgemein Best. 860 Nr. 1111.
50LT RLP, 1. WP, Drucks. Abt. II, Nr. 40 (29.7.1947).
51Razzien im Raum Speyer erwähnt der Monatsbericht des dortigen Landwirtschaftsamtes für November 1947 (Best. 940 Nr. 424, S. 369). Im November/Dezember 1947 spitzten sich die Auseinandersetzungen über diese Aktionen zu (vgl. 53. MRS am 12.11.1947, TOP C). – Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP E.
52Zu den Problemen, die sich infolge des Reifenmangels für die Fahrzeughaltung der Ministerien ergaben und daraus resultierende Kritik am zuständigen Minister für Wiederaufbau und Verkehr Feller vgl. Best. 860 Nr. 1150, S. 177-183, sowie allgemein Best. 950 Nr. 4829 und Nr. 15155 sowie Best. 880 Nr. 5458.
53Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP K.
Minister Steffan gibt bekannt, daß die Militärregierung von den Justizbeamten verlange, daß sie sich selbst in irgend eine Kategorie einordnen und darüber eine eidesstattliche Versicherung abgeben sollen. Das ist ein unbilliges Verlangen, jeder Fall muß individuell behandelt werden. Justizminister Dr. Süsterhenn berichtet, daß diese Sache bereits an Minister Junglas in seiner Eigenschaft als Landeskommissar für die politische Bereinigung zur entsprechenden Klarstellung mit der Militärregierung weitergeleitet sei. 55
54Zuletzt 26. MRS am 30.4.1947, TOP 4
55Best. 860 Nr. 1007, S. 433-460, bes. Schreiben von Minister Junglas vom 11.8.1947 an Oberst Roynette, Chef du Service de l’Épuration (ebd. S. 459 f.; Möhler, Entnazifizierung, S. 438) und Schreiben des MinPräs vom 2.9.1947 an den GenGouv (Best. 860 Nr. 1007, S. 433 f.). Vgl. Nr. 1044 und Best. 856 A Nr. 199. – Fortgang 49. MRS am 24.10.1947, TOP 9.
Über die von Herrn John eingebrachte Mietstreitigkeit zwischen ihm und Minister Süsterhenn wird beschlossen: Die Minister Hoffmann und Neumayer überprüfen die Sache und unterbreiten ein Gutachten dem Ministerrat, damit er seinerseits eine entsprechende Stellung einnehmen kann.
P. Ausbau des Oberverwaltungsgerichts 56
Ministerpräsident Altmeier regt die weitere Besetzung des Oberverwaltungsgerichts an. Minister Süsterhenn gibt bekannt, daß das Justizministerium an der Ausarbeitung des Verwaltungsgerichtsgesetzes beschäftigt ist. Die personelle Besetzung des Oberverwaltungsgerichts wird bis in diesen Zeitraum zurückgestellt.
Q. Staatssekretär Dr. Wuermeling 57
Minister Steffan wirft die Frage auf, ob der im Protokoll vom 1.8.47 niedergelegte Beschluß – Dr. Wuermeling sei es für seine Person gestattet, Titel und Rang eines Staatssekretärs zu tragen – dahingehend zu verstehen sei, daß Dr. Wuermeling die Bezüge eines Staatssekretärs erhalten solle, oder ob er als Ministerialdirektor besoldet werde. Es wird nochmals einstimmig festgelegt, daß Dr. Wuermeling zwar den Titel „Staatssekretär“ führen darf, im übrigen aber Bezüge eines Ministerialdirektors erhält. 58
Der Ministerrat faßt einstimmig den Beschluß, daß sämtliche Kreise – außer dem Kreis Ahrweiler – einen brauchbaren Wagen der Landesregierung zur Verfügung zu stellen haben. 60
56Vorlage hier und im folgenden: „Würmeling“. Dazu Hennig, 50 Jahre, S. 91-97, und Schwarz, 50 Jahre, S. 52-61.
57Zuletzt 35. MRS am 1.8.1947, TOP A.
58Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP H.
59Zuletzt 36. MRS am 5.8.1947, TOP M.
60Fortgang 38. MRS am 20.8.1947, TOP J.