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24. Ministerratssitzung am Freitag, den 18.4.19471

Anwesend:
  • Minister Dr. Boden, Feller
  • Minister Dr. Haberer
  • Minister Junglas
  • Minister Dr. Lotz
  • Minister Röhle
  • Minister Steffan
  • Minister Stübinger
  • Minister Dr. Süsterhenn
Tagesordnung
  • 1. Landesverordnung über Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaft
  • 2. Landesverordnung über die Verstaatlichung und den Aufbau der Polizei
  • 3. Landesverordnung über die Änderung des Säumniszuschlages
  • 4. Stand der Baumaßnahmen am alten Oberpräsidium
  • 5. Rundfunkansprache des Ministers Feller
  • 6. Maschinenabgabe

1Durchschlag (maschinenschr. „gez. Dr. Boden“) in Best. 860, Nr. 9601, in Nr. 8186, in Nr. 4535, S. 155-159, und in Best. 700,155 Nr. 62, S. 255-259. Anlagen: 1. Erklärung des Ministers Feller (Durchschläge in: Best. 860 Nr. 9601; handschr. gezeichnet das Exemplar in Nr. 4535, S. 161; Best. 700,155 Nr. 62, S. 253); 2. Vortragsmanuskript zur Rundfunkrede von Minister Feller vom 10.4.1947 (Durchschlag in Best. 860 Nr. 4535, S. 163-167); 3. Erklärung von Minister Dr. Haberer, undatiert, abgegeben in der MRS vom 15.4.1947 (Durchschlag in Nr. 4535, S. 169-173; siehe oben Protokoll zur 23. Sitzung am 15.4.1947).

1. Landesverordnung über Maßnahmen zur Förderung der Wirtschaft

Ministerialdirektor Dr. Rick erläutert die Landesverordnung und gibt bekannt, daß ihr Erlaß aufgrund einer Dienstnote von Capitain de Vaux aufgetragen worden sei 2. Seitens des Ministerrats wurden gegen den Erlaß erhebliche Bedenken geltend gemacht im Hinblick darauf, daß es sich um eine neue Institution handelt, die den Staat mit schätzungsweise RM 100 bis 200.000,– jährlich in Ausgaben neu belastet. Weiterhin wurde betont, daß ähnliche Einrichtungen auch schon vorhanden seien, die die von der Militärregierung gewünschten Auflagen erfüllen könnten. Der Ministerrat beschließt auf Vorschlag des Ministers Dr. Haberer, diesen zu beauftragen, die Angelegenheit nochmals mit Kommandant Harrioti, der nunmehr die Geschäfte des Kommandanten Stoebner übernommen hat, zu besprechen.

2. Landesverordnung über die Verstaatlichung und den Aufbau der Polizei 3

Bei der Verabschiedung erklärte Minister Feller, daß er sich der Stimmabgabe enthalten wolle. Im übrigen wurde die Verordnung vom Ministerrat einstimmig angenommen 4.

3. Landesverordnung über die Änderung des Säumniszuschlages 5

Die Verordnung wurde vom Ministerrat einstimmig angenommen 6.

2Entwurf in Best. 910 Nr. 6035. Die Dienstnote konnte nicht nachgewiesen werden.
3Zuletzt 19. MRS am 12.3.1947, TOP B. Dieser TOP war bereits auf der TO für die 22. MRS am 3.4.1947 vorgesehen, aber nicht behandelt worden.
4Rot angestrichen am linken Rand in Best. 860 Nr. 8186.
5Rot angestrichen am linken Rand in Best. 860 Nr. 8186.
6Entwurf und die vom GenGouv genehmigte Fassung in Best. 860 Nr. 1085, S. 357 bzw. S. 363. Die Ausfertigung erfolgte am 15.5.1947 (GVBl. I 1947 S. 266.). Vgl. Brommer, Landesregierung, S. 534.

4. Stand der Baumaßnahmen am alten Oberpräsidium

Der Ministerpräsident führt Beschwerde darüber, daß kein Fortschritt an den Bauten am alten Oberpräsidium zu verzeichnen sei 7. Um Auskunft befragt, berichtet Minister Röhle, daß es sich hier weniger um die Gestellung von Arbeitskräften als um ihre Transportmöglichkeiten handelt. Er müsse im Augenblick einige 1.000 Arbeiter nach dem Saargebiet bringen. Nach Mainz müßten allein 2.800 Arbeiter gebracht werden. Vom Wiederaufbauministerium seien angefordert insgesamt 1.602 Arbeiter. Bis zur Stunde seien von ihm selbst insgesamt 4.314 Bauarbeiter eingesetzt worden. Diese Zahl würde die vom Wiederaufbauministerium verlangte also bei weitem übertreffen. Wenn trotzdem nur ein geringer Prozentsatz an den Arbeitsstätten erschienen sei, so läge das zum großen Teil an der mangelnden Transportmöglichkeit. Hier habe das Verkehrsministerium 100%ig versagt. Ebenso sei die Führung des Wiederaufbauministeriums noch nie so schlecht gewesen wie heute. Durch die mangelnde Bauleitung würde ein großer Teil der Arbeitskräfte im schwarzen Kanal verschwinden 8.

Minister Feller bittet um Verschiebung der Debatte auf die nächste Kabinettssitzung, da er seinen Sachbearbeiter mit heranziehen müsse. Bis zur nächsten Sitzung sollen ferner Unterlagen darüber beigebracht werden, was für den Fortschritt der Bauten am Hochhaus, Gallusbau und alten Oberpräsidium unternommen worden ist.

Abschließend zu diesem Punkt wurde Minister Feller die Auflage gemacht, als Verkehrsminister unbedingt für die Gestellung der Verkehrsmittel zu sorgen und als Aufbauminister die Arbeitskräfte auch richtig einzusetzen 9.

7Zuletzt 22. MRS am 3.4.1947, TOP 1.
8Zur Anwerbung von Arbeitskräften für den Wiederaufbau vgl. für 1948 Best. 930 Nr. 2232.
9Mit Schreiben vom 24.4.1947 fügte Innenminister Steffan eine weitere Beschwerde gegen Minister Feller hinzu, worin er heftig dessen Anweisung kritisiert, dass die bislang den Regierungspräsidenten unterstehenden Straßenbauämtern nun zu einem „Landesbauamt“ zusammengefaßt und so direkt dem Wiederaufbauministerium unterstellt werden sollten (Best. 950 Nr. 515). Am 30.4.1947 erging erneut eine Beschwerde des Innenministers, die auf das Verhalten des Ministers für Wiederaufbau und Verkehr gegenüber den Straßenbauämtern zielte (ebd.). – Fortgang 26. MRS am 30.4.1947, TOP 1.

5. Rundfunkansprache des Ministers Feller

Der Ministerrat befaßt sich nochmals mit der in der letzten Sitzung besprochenen Rundfunkansprache des Ministers Feller 10. Im Verlauf einer längeren Aussprache erklärte sich Minister Feller schließlich bereit, eine schriftliche Ehrenerklärung abzugeben, wonach es ihm ferngelegen habe, die Minister Dr. Haberer, Röhle und Dr. Süsterhenn persönlich anzugreifen und daß er bedaure, daß durch seine Ausführungen am Rundfunk ein solches Mißverständnis entstanden sei. Unter Mitwirkung der Minister Steffan, Dr. Haberer, Röhle, Dr. Süsterhenn und Feller wurde nachstehende Erklärung abgefaßt, die jedem Minister in Abschrift, den drei betroffenen Herren von Minister Feller unterschriftlich vollzogen, übergeben wurde:

Erklärung 11: „Aus meinem Rundfunkvortrag, den ich bezüglich der Verfassung am 10.4.47 hielt, ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, als hätte ich die Herren Minister Dr. Haberer, Röhle und Dr. Süsterhenn damit persönlich angreifen und sie als reaktionär und separatistisch beschuldigen wollen. Ich erkläre demgegenüber, daß mir diese Absicht völlig fern lag und daß meine Ausführungen sich keineswegs auf diese drei Herren beziehen sollten und konnten. Damit entfallen jegliche Kombinationen, die in der Öffentlichkeit in Bezug auf die Tätigkeit dieser drei Herren bei der Fertigstellung des Verfassungsentwurfs entstanden sind. Ich habe bis zum heutigen Tage in ehrlicher Zusammenarbeit im Ministerrat auch mit den vorgenannten drei Herren gearbeitet, und ich bin gewillt und entschlossen, diese ehrliche Zusammenarbeit durch keinerlei Mißverständnis zu gefährden und gefährden zu lassen. Deshalb bedaure ich, daß durch meine Ausführungen am Rundfunk ein solches Mißverständnis entstanden ist.“ Koblenz, den 18. April 1947.

6. Maschinenabgabe

Im Nachgang zu seinem Bericht vom 15.4. berichtet Minister Dr. Haberer, daß in der Frage der Maschinenabgabe eine weitere Verschlechterung eingetreten sei 12. Vom Buchwert sei die Militärregierung abgegangen. Es käme aber eine Abschreibung von jährlich 5-8% in Frage. Dies würde praktisch auf eine doppelte Auflage herauskommen. Allein in der Pfalz müßten dann Maschinen im Gesamtwerte von 9 Millionen RM aufgebracht werden. Die Industrie- und Handelskammern haben inzwischen den Vorschlag gemacht, den Maschinenpark von fünf Firmen zur Verfügung zu stellen, die als Nazibetriebe ermittelt worden seien, aber auch hiergegen seien von der Militärregierung Widerstände entstanden. Unter keinen Umständen könne der Gesamtwirtschaft zugemutet werden, sich derartig zu entblößen. Vor einer endgültigen Stellungnahme des Ministerrats will Minister Dr. Haberer diese Aktion nochmals mit dem Kommandanten Harrioti besprechen [[undefined note13]].

10Zuletzt 23. MRS am 15.4.1947, TOP 1.
11Auch als Anlage zum Protokoll (Best. 860 Nr. 9601; ebd. Nr. 4535, S. 161, handschr. gezeichnet; Best. 700,155 Nr. 62, S. 253).
12Zuletzt 23. MRS am 15.4.1947, TOP 3.
13Fortgang 32. MRS am 15.7.1947, TOP C.